💊Fokus Gesundheit 💊

Journalistin und Schriftstellerin Simone Meier und DJane ZsuZsu

«Ich treibe euch die Geschichten tiefer ins Ohr»

Diese Woche findet in Zürich das Literaturfestival «Die Rahmenhandlung» statt. Im Vorfeld haben sich die beteiligten Schriftsteller*innen, Autor*innen und Journalist*innen gegenseitig interviewt. In einer Mini-Serie veröffentlichen wir ab heute einige der gesammelten Texte. Journalistin Andrea Keller interviewt DJ ZsuZsu, Journalistin und Schriftstellerin Simone Meier ist im Gespräch mit Gastgeber Alon Renner.
25. August 2020

Zeiten wie diese bringen einen dazu, Veranstaltungen neu und anders zu denken. Alon Renner zum Beispiel, führt in seinem Haus in Zürich diese Woche ein Literaturfestival durch, an dem unter anderem die Schriftsteller*innen Seraina Kobler, Romana Ganzoni, Sunil Mann sowie die Journalist*innen Simone Meier, Alex Flach und Anna Rosenwasser Texte vorlesen werden. Pro Veranstaltung werden nur 40 Besucher zugelassen, die zu Beginn in vier Gruppen eingeteilt und jeweils von Zimmer zu Zimmer wandern werden.

Im Vorfeld dieser Veranstaltung haben sich die Beteiligten gegenseitig interviewt. Tsüri.ch veröffentlicht eine kleine Auswahl der gesammelten Texte. Journalistin Andrea Keller interviewt DJ ZsuZsu, Journalistin und Schriftstellerin Simone Meier ist im Gespräch mit Gastgeber Alon Renner.


Andrea Keller: DJ ZsuZsu, mit dir verbindet man kraftvolle Remixes und tanztreibenden Sound mit Retro-Seele ... Ende August eroberst du erstmals eine Lesebühne. How come?

DJ ZsuZsu: Wer mich kennt, weiss, dass ich alles lese, querbeet. Von Belletristik, Sachbüchern bis hin zur Sonntagszeitung. Und einmal aufgeschlagen, einmal angefangen, muss ich Bücher auch zwingend zu Ende lesen. Alon Renner, der das Festival in seinem Haus in Zürich veranstaltet, war die letzten Jahre mein Manager – und er weiss, dass ich eine absolute Leseratte bin. Mit Lesungen hatte ich bislang abertatsächlich nichts am Hut. Ich finde es spannend, dieses Neuland zugleich als Spielwiese zu verstehen und auszubüxen aus dem, was die meisten bei einem Literatur Festival erwarten.

Von dir gibt’s also keine klassische Wasserglas-Lesung, sondern...

... eine Performance mit Text, Geräuschen, Sound. Ich trete auch nicht alleine auf, sondern zusammen mit Alon, werde nicht mit eigenen Texten arbeiten, sondern seiner Geschichte an Schlüsselstellen noch mehr Sturm und Klang verleihen. Die Story noch tiefer reintreiben in die Ohren des Publikums. Ich werde versuchen, die Menschen akustisch zu stimulieren. Es ist eine Premiere für mich, in einem anderen kulturellen Umfeld, als ich’s mich gewöhnt bin. Ich freue mich, zusammen mit all den Autorinnen und Autoren einen Teil zum Festival-Erlebnis beizutragen.

Ich stelle mir das Zusammenspiel von dir und Alon Renner spannend vor. Interessiert hätten mich aber auch Texte aus deiner Feder. Schreibst du Geschichten, Gedichte?

Nein, ich habe keine unveröffentlichten Manuskripte in der Schublade, keine Notizbücher voller Poesie. Aber dafür ein Notizbuch voller Songideen, Songtexten und Ideen für neue Projekte. An mir ist definitiv keine Literatin verloren gegangen. Zumindest bis jetzt nicht. Aber ich bin äusserst talentiert darin, Rechnungen zu schreiben (lacht).

Du hast ein Wirtschaftsstudium an der HSG in St. Gallen absolviert und ein paar Jahre als Wirtschaftsprüferin gearbeitet.

Genau. Ich hatte schon immer zwei Seelen in meiner Brust: Einerseits gibt es da diesen analytischen Teil, das Rationale, auch Sicherheitsbedachte. Andererseits bin ich ein wenig verrückt, kreativ, mutig. Ich will mich austoben, ausleben, ausprobieren. Und dabei eine Welt kreieren - meine Welt.

Eine Welt, die Truman Capote bestimmt gefallen hätte.

Dem Autor von «Breakfast at Tiffany’s»? Bestimmt. Nach seinem Buch und dem Film habe ich schliesslich mein Label benannt. Ich komme ursprünglich aus dem House und Techno, habe schon als 20-Jährige aufgelegt, war weltweit als DJane unterwegs. Dann kam das Studium, dann die grauen Anzüge. Vor fünf Jahren wollte ich’s dann nochmals wissen und eine neue Partyreihe ins Leben rufen, mich musikalisch den 1950er-Jahren annehmen, mit Frank Sinatra Songs arbeiten, Liedern von Edith Piaf, Doris Day, Elvis, ... Und weil sich das niemand so recht vorstellen konnte, haben wir «Breakfast at Tiffany’s» gegründet: DJ ZsuZsu ist nun ein Vintage-Girl mit Audrey Hepburn-Look, also mit Glamour. Das passt zu mir. Ich trage diesen Look gern, verneige mich vor den 1950er-Jahren und bin ein nostalgischer Mensch: Ich mag alte Schallplatten, alte Radios, alte Freunde, alte Küchengeräte, die heute noch funktionieren. Ich rette mich nicht in die Vergangenheit, weil ich das Jetzt nicht ertrage oder das Ungewisse der Zukunft. Ich lebe auch hier, heute, sehr gern sogar. Und ich kann mit Veränderungen gut umgehen, mich schnell auf neueSituationen einstellen. Da gibt es kein Entweder-Oder. Und Zsuzsu, die ich morgens ungeschminkt im Spiegel sehe, gehört genauso zu mir wie das perfekt gestylte Vintage-Girl im Party-Kleidchen. Mir ist es ein Anliegen, authentisch zu sein, wenngleich als DJ ZsuZsu natürlich in einer überspitzter Form.

Wie bist du als Privatperson? Was wissen nur die Menschen von dir, die dich richtig, richtig gut kennen? Hast du persönliche Ticks? Macken?

Am besten funktioniere ich in einem aufgeräumten und sauberem Umfeld. Trotzdem schaffe ich es jeweils 5 Minuten, bevor ich losmuss, meine Wohnung komplett zu verwüsten, weil gerade dann die Sachen, die man halt so braucht, auf Teufel komm raus nicht auffindbar sind. Dann kann ich einen neuentdeckten tollen Song 1000 mal hintereinander hören. Am besten so richtig laut. Damit habe ich schon einige Leute fast auf die Palme gebracht. Und ... Ich hänge sehr an meinen Mitmenschen und Freunden. Ich habe die letzten 25 Jahre so viele Menschen kennengelernt. Und häufig verbinden mich ganz spezielle Umstände oder Erlebnisse mit ihnen. Einerseits finde ich es schade, dass ich nicht engeren Kontakt zu allen habe, was zeitliche leider gar nicht geht, andererseits geniesse ich es umso mehr, wenn sich unsere Wege wiedermal kreuzen und gleich wieder das vertraute Gefühl von früher aufkommt.

Zurück zum Schreiben: Das hast du also noch nie probiert. Aber angenommen, dich würde jemand zwingen, ein Buch zu schreiben?

Dann würde ich ein Sachbuch verfassen: «In zehn Schritten zur ... Blabla für irgendwas.»

Also ein Ratgeber?

Genau. Ein Ratgeber für die Menschheit, den man sich irgendwo runterladen kann und der auch nicht wirklich viele Seiten hat, so dass das Buch die Leute nicht erschlägt. Sowas wie ... (überlegt), wie «In zehn Schritten zur Selbstständigkeit» oder «Die zehn besten Tipps gegen Selbstzweifel».

Bist du darin Expertin? Oder anders gefragt: Mit was kennst du dich so richtig, richtig gut aus? Mit welchen Themen und Fragen ist man bei dir richtig gut aufgehoben?

Gerade auf das Thema Selbstständigkeit werde ich häufig von meinen Freunden angesprochen, welche sich eine berufliche Veränderung wünschen. Ihre Geschäftsideen sind meistens sehr gut und auch umsetzbar. Nur findet dann der erste Schritt doch nicht statt oder sie lassen bei der ersten Hürde oder nur schon bei einer möglichen ersten Hürde lieber alles sein. Ich rede mit meinen Freunden natürlich oft auch darüber, was sie persönlich beschäftigt und ich habe gemerkt, dass immer wieder die gleichen Themen auftauchen. Deswegen kam ich vorher zum Beispiel auf das Thema Selbstzweifel. Viele Menschen haben die gleichen Wünsche, Ängste, Zweifel. Diese Themen sind aber alles in allem recht überschaubar, natürlich mit unterschiedlichen Ausprägungen und Nuancen. Aber darüber zu reden oder es auszusprechen fällt vielen schwer. Ich habe da wenig Berührungsängste und glaube, dass vieles gar nicht so schlimm ist, wie es immer scheint. Und dass man sehr vieles selber beheben kann, vorausgesetzt, man will wirklich. Ich betrachte die Dinge häufig relativ nüchtern und pragmatisch und finde eigentlich immer eine Lösung. Und wenn du Rat brauchst bei deinen Finanzen, kann ich wahrscheinlich auch weiterhelfen.

Brauche ich!

Also, ich bin nicht die Anlageberaterin, aber wenn’s um private Finanzen geht, um die Steuererklärung oder deine Buchhaltung, etc., kann ich helfen. Deshalb mache ich auch den Papierkram für meine ganze Familie, für einige Freunde und kleine Start-Ups.

Und von was hast du überhaupt keine Ahnung?

Insekten sind nicht so mein Spezialgebiet. Und Pflanzen! Ich liebe Pflanzen und Blumen, habe aber absolut keinen grünen Daumen. Nächsten Frühling

muss ich mich mal intensiv damit beschäftigen. Und ich bin nicht gut darin, verklemmte Reissverschlüsse zu befreien, was mich hinter der

Bühne oft in dumme Situationen bringt. Oder einen Faden durchs Nadelöhr zu bringen, solche „Schischi“-Sachen treiben mich in den Wahnsinn.


Simone Meier (14.17 Uhr): Lieber Alon, du bist ja unser Gastgeber. Das heisst, du öffnest dein Zuhause für uns, die wir lesen, und fürs Publikum. Bist du latent exhibitionistisch veranlagt, was dein Zuhause angeht? Warst du schon mal in irgendeinem Style-Magazin? Und ganz allgemein: Findest du dich selbst attraktiv?

Alon Renner (15.21 Uhr): Als Manager bekannter Künstler verbringt man sein Dasein im Schatten. Man ist die Spinne im Netz und zieht die Fäden. Du kennst es aus Deinem Keller: Je grösser und hässlicher die Spinne, desto mehr Fliegen fängt sie. Aus diesem Grund, wirst du fast kein Foto von mir im Web und schon gar kein Selbstgestricktes auf Social Media finden. Stars, Sternchen und Selbstdarsteller sind die Ware, die ich anbiete und auch manche meiner Geschäftspartner. Dies reicht dann für ein ganzes Dorf und deren Kinder- und Kindeskinder. Was mein Zuhause anbelangt: Wer sagt denn, dass ihr den Kokon wieder verlassen könnt? Liebe Simone, ganz eigentlich wollte ich zumindest «Kuss» oder «Fleisch» gelesen haben, bevor ich mit diesem Interview beginne. Aber 16 Lesende zu betreuen, ist wie ein Sack Flöhe hüten. Dafür habe ich dann die Kurzzusammenfassungen auf der Seite deines Verlages gelesen. Du schreibst über Beziehungen die vor Abgründen stehen.Oder sich dahin bewegen. Mich persönlich interessieren eigentlich vor allem Abgründe, das Phantastische (innerhalb und ausserhalb der Kunst) oder dann ganz nüchterne Dinge wie Politik. Der Alltag ist mir zu banal. Wo tun sich denn die Abgründe in deinem Leben und in deiner Beziehung auf? Und wie gehst du mit Scherbenhaufen, verbrannter Erde und intimen Begehren um?

Simone (15.38 Uhr): Bist du sicher, dass sich Kellerspinnen von Fliegen ernähren? Ich frage mich gerade, was die dort unten eigentlich fressen. Dafür schaue ich völlig fasziniert einer ziemlich kleinen Spinne vor dem Schlafzimmerfenster unserer neuen Wohnung dabei zu, wie sie Tag für Tag eine Wespe erlegt. Ein Tiergift gegen das andere. In meinem Leben, so wie es glücklicherweise schon seit längerem ist, tun sich keine Abgründe (mehr) auf. Ich bin an einem tiptoppen Ort. Aber von früher ist einiges liegen geblieben und ich lass mir damit Zeit. Ich finde Verdrängen ist eine völlig legitime Bewältigungstechnik. Irgendwann kommt die Zeit, da man sich mit einem alten Schmerz beschäftigt und ihn ad acta legen kann. In der Arbeit an meinem nächsten Buch ist sowas hochgekommen, ich hatte lange Angst davor, mich an das entsprechende Kapitel zu setzen, aber dann habe ich es einfach in einen Stoff, den meine Figuren erleben, verwandelt und es ging. Und tat gut. Ich glaube, ich habe das von meiner Grossmutter gelernt, sich das Leben neu zurecht zu erzählen. Sie war eine arme Frau aus dem Aargau, eine ausnehmend schöne Fabrikarbeiterin, die auch ein bisschen modeln durfte, aber nie aus dem brutal engen Dorf rauskam, wo sie aufgewaschen war. Doch sie konnte die winzigen Höhepunkte ihres Lebens immer so erzählen, dass die Funken des Glamour stoben. Sie hat mich, ohne es zu wissen, einiges über die Kraft der Fiktion gelehrt und ist mir auch nach ihrem Tod noch eine Inspiration. Deshalb werde ich am Sonntag auch einen kleinen Text über sie lesen. Aber ich habe gehört, dass auch du etwas über deine Grossmutter erzählen wirst!

Alon (16.20 Uhr): Kellerspinnen ernähren sich von allerlei Ungeziefer und den menschlichen Resten die sie vorfinden. Hautreste, Zehennägel, etc. Das mit den

Abgründen nehme ich dir im Übrigen nicht ab. Jeder steht vor welchen. Täglich. Und ohne dir selber auf der Spur zu sein, würdest du nicht so gut schreiben können... Und ja, Verdrängen ist eine völlig legitime Bewältigungstechnik. Nur: Alle tun es. Es ist die menschlichste und zugleich unmenschlichste aller Bewältigungstechniken. Und dann holt sie einen wieder ein... Mein Vater war sowas wie ein pathologischer Lügner. Seine Lügen waren so schlecht und so durchschaubar. Zumeist. Und bei den grösseren stand er dann gegen eine Wand. Eine Wand so gross wie der Eifelturm. Du sprichst über einen alten Schmerz, mit dem du dich in deinem neuen Buch beschäftigt hast. Mit was setzt du dich da auseinander? Magst du es uns verraten?

Meine Grossmutter kam im Dezember 1944 via das KZ Bergen Belsen in die Schweiz. Ich erzähle ihre Geschichte, diejenige der Psychiaterin Irene Rüegg Marton und des Zürcher Kunstmalers Ernst Georg Rüegg. Wobei ich mich nicht wirklich an der Realität halte. Die Abgründe, die der Stoff bietet, nehme ich als Ausgangslage für eine abenteuerliche Erzählung. Diese wird im Übrigen von DJ ZsuZsu vertont. Wir treten zusammen auf. Was lustig, spannend und seltsam zugleich ist. Ich war ja lange Jahre ihr Manager. Nun stehen wir zusammen auf der Bühne...

Simone (16.30 Uhr): Nein, darüber rede ich nicht. Darüber schreibe ich. Es beginnt mit V wie Verbrechen, Verletzung, Ver... Und fertig. Was deine Grossmutter im KZ erlebt haben könnte, sprengt meine Vorstellungskraft, es gibt Dinge, an die reicht das normale menschliche Denkvermögen kaum heran, so schrecklich sind sie. Auf ihre – wie auch immer adaptierte – Geschichte bin ich gespannt. Ich muss dir leider gestehen, dass ich eingeschlafen bin, noch nie hat ein «Gesprächspartner», egal ob mündlich oder schriftlich, derart lange für eine Antwort gebraucht wie du eben! Achtung: Ich bin ein sehr, sehr ungeduldiger Mensch! Aber was mich wunder nimmt: Wie kommt eigentlich ein ehemaliger Musikmanager zum Schreiben? Bei mir war das ja einfach: Ich hatte keine Wahl, denn ich konnte nichts anderes. Deshalb wurde ich Journalistin und Schriftstellerin und glücklich.

Alon (16.55 Uhr): Meine Grossmutter hat nie darüber gesprochen, was ihr in Bergen Belsen zugestossen ist. Sie hat es niemandem erzählt. Meinem Vater nicht, meiner Schwester nicht und mir nicht. Offensichtlich gibt es Dinge, die zu schrecklich sind, als das man darüber sprechen kann. Schön und danke, dass du einen Weg gefunden hast, deine Worte trotzdem hörbar zu machen. Ich schreibe aber nicht über Bergen Belsen. Ich schreibe über das, was unmittelbar danach geschah. Nach dem KZ war meine Grossmutter so durch den Wind, dass man sie fünf Jahre in der Psychiatrischen Klinik Hohenegg in Meilen internierte. Derweil ihre beiden kleinen Kinder von helvetischen Beamten zu den nächsten Verwandten geschickt wurden: nach Australien. Sie haben tatsächlich einen Drei- und einen Fünfjährigen nach Melbourne verschifft. Dann geht es um die Abgründe, die sich um die Figur der Irene Marton Rüegg auftun, und den Kunstmaler Ernst Georg Rüegg, den sie mitten im Krieg ehelichte. Ich habe einige seiner Bilder geerbt... Mein Haus hängt voller Kunst. Nein, keine bekannten oder berühmten Maler, aber Werke, die klingen, nachklingen genauso wie Sätze bei denen ich nicht locker lasse, bis sie mir gefallen. Darum dauert es, liebe Simone. Hab Geduld.Ich weiss, Du machst jeweils einen Kult daraus, was die Bachelorette und der Bachelor von sich geben. Ich sterbe aber lieber als denen zuzuhören. Wie ich zum Schreiben komme? Das Leben... Schreiben wollte ich schon immer, nun langsam legt sich wohl das ADHS oder es manifestiert sich etwas in mir, das raus muss. Ich kann es dir nicht sagen... Was hast du geträumt? Und was wünschst du dir für die Rahmenhandlung?

Simone (17.10 Uhr): Bei deiner Grossmuttergeschichte drehte sich mir ein paar Mal der Magen um. Es gibt in meiner Familie auch etliche Fälle von allzu grossen psychischen Belastungen, von Todesfällen, die hätten vermieden werden können, und von Behinderungen – aber sowas?

Naja, die Bachelorette und der Bachelor sind Arbeit, nicht Privatvergnügen. Und im Rahmen meiner Arbeit finde ich es lustig, mich damit zu beschäftigen. Es ist faszinierend, dabei zuzuschauen, wie sich Menschen im Rahmen eines libidinös grundierten Paradieses zu etwas retardieren, was man schon fast als Primaten bezeichnen muss. Und ich frage mich: Steckt sowas heimlich in uns allen? Ganz ehrlich? Ich habe keine Ahnung, wann ich zum letzten Mal geträumt habe! Es muss vor dem Umzug in die neue Wohnung gewesen sein, also vor über einem Monat, seither schlafe ich nämlich deutlich besser. Vorher wohnten wir mitten in der Zürcher Partyzone, jetzt vis-à-vis von einem Park. Also, ich kann dir den allerersten Traum meines Lebens erzählen, ich war sehr klein und ich träumte, mein Zimmer verwandelte sich in einen Rosengarten und zwischen den Rosen steht ein Schrank und im Schrank steht ein WC. Es sah aus wie ein dadaistisches Gemälde. Und mein immer wiederkehrender Horrortraum geht so: Ich muss auf einen Zug oder Flug, aber vorher noch einen Koffer packen, der sich einfach nicht packen lässt. Deshalb ist Umziehen für mich auch so der grösste vorstellbare Stress. Aber ich glaube, sowas träumen viele, das ist so lehrbuchmässig. Und du?

Was ich mir für die Rahmenhandlung wünsche? Ein gutes Publikum, gute Getränke, einen glutenfreien Snack, weil mich Weizen allergisch zusammenbrechen lässt (solche Wünsche kennst du sicher von deinen Stars und Sternchen ...). Ich muss mich an dieser Stelle leider ausklinken, aber wir sehen uns demnächst! Und erst noch bei dir zuhause! Bis dann und viel Glück mit dem Flöhehüten und Spinnespielen!

Literaturfestival «Die Rahmenhandlung»
Vom 27. bis 30. August findet in Zürich das Literaturfestival «Die Rahmenhandlung» statt. Gastgeber Alon Renner lädt dafür in seine Villa ein – wo genau, erfahren die Gäste erst zu Beginn der Veranstaltung. Es machen mit:

- Schriftsteller Sunil Mann
- Schriftstellerin und Journalistin Seraina Kobler
- Schriftstellerin Romana Ganzoni
- Journalistin und Aktivistin Anna Rosenwasser
- Journalistin Andrea Keller
- Journalistin und Schriftstellerin Simone Meier
- Journalist und Nachtschwärmer Alex Flach
- DJ Zsuzsu
- Autorin Tanja Kummer
- Sänger Michael Wäckerlin alias The Human Jukebox
- Schriftstellerin und Musikerin Amaris Wen
- Barbara Schwitter
- Judith Shoukier
- Christine Schwitter-Müller
- Dvora Ben-Haim
- Gastgeber Alon Renner

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