«Ich hatte einige Angebote aus dem Silicon Valley. Aber Zürich ist einfach geiler!»

Die Zürcher Game-Designerin Philomena Schwab startet durch: Von der ZHdK via Kickstarter an die Game Developers Conference in San Francisco. Tsüri hat die erfolgreiche Jungunternehmerin in den USA zum Interview getroffen.
07. März 2017

Deine Game-Firma heisst Stray Fawn Studio (Stray Fawn = vagabundierende Rehkitz) Wie kam es zu diesem Namen?
Philomena Schwab:
Wir sind die Fawns der Szene. Aber nicht jene, die sich verstecken, sondern die in der Weltgeschichte rumdüsen und sich nicht von den Gefahren ablenken lassen.

Ihr kommt nicht als Fawns an diese Game-Messe: Auf Kickstarter ward ihr sehr erfolgreich (mit über 72’000 Dollars) und auch sonst werdet ihr überall wahrgenommen. Wie ist das Feedback an der GDC?
Es ist härzig: Leute, die schon letztes Jahr hier waren kommen zu mir und sagen: Es hat sich ja mega viel getan bei euch! Dann spielen sie nochmals das Game und schauen sich die Neuerungen an.

Also habt ihr schon auf der ganzen Welt Freunde?
Offenbar. Ich habe hier schon einige getroffen, die ich erst aus der digitalen Welt kenne oder die uns auf Kickstarter unterstützt oder das Game bereits gespielt haben. Es ist schön, ein analoges Gesicht zu den digitalen Bekanntschaften zu haben.

Ihr habt eine sehr aktive Community und viele Downloads. Wo steht ihr momentan?
Bis jetzt haben wir im Early Access ungefähr 30’000 Kopien verkauft, ohne dafür gross Werbung gemacht zu haben. Das ist super!

Wann lanciert ihr das Spiel so richtig?
Ich würde sagen so im Sommer. Es kann sich natürlich noch verzögern aber sicher in diesem Jahr noch.

Willst du etwas über das Spiel erzählen?
Wir sind gerade an zwei Games dran: Das eine ist jenes von meinem Businesspartner. Es ist ein Action-Simulationsspiel, indem man seine eigene Drohne zusammenbaut und Missionen im ganzen Universum erlebt. Das andere Game ist Niche, ein Survival-Game, wo man seine eigenen Lebewesen mit echter Genetik aufziehen kann und in der Natur zu überleben versucht.

Hättest du geträumt, dass du von der ZHdK hier an der GDC landest?
Wenn du mir damals im Bachelor-Studium gesagt hättest, dass ich mal hier lande, hätte ich meinem zukünftigen Ich auf die Schultern geklopft und mich unglaublich gefreut. Ich bin zufrieden und hoffe, dass es noch weiter geht.

Das war nicht so geplant, sondern ist einfach so entstanden?
Zu Beginn meines Bachelor-Studiums im Sommer 2011 wollte ich einfach lernen, wie man gute Games macht. Im Master lernte ich dann noch, wie ich diese Games an die Kund*innen bringe. Nun stehe ich also hier, nach fünf Jahren intensivem Lernen.

Weisst du, wie viele aus Zürich Spiel gekauft haben?
Nicht genau. Natürlich kennen in Zürich das Spiel einige, aber mega berühmt ist es nicht. Unsere Hauptkundschaft wohnt in Nordamerika, gut 70 Prozent der Downloads gehen da hin.

Wie ist es, in Zürich ein Game-Studio zu betreiben? Ist es schwierig?
Wir haben viele gute Leute in Zürich, das fachliche Potenzial bei Game-Designer*innen ist also sicher da. Aber es ist extrem teuer, hier Games zu machen. Im Vergleich mit Osteuropa haben wir fünf- bis zehnmal höhere Kosten, vor allem, was die Löhne betrifft! Das ist für ein kleines Studio schon extrem hart.

Ist dies ein Antrieb, erfolgreich zu sein oder eine Last?
Es spornt uns an und zwingt uns, noch besser zu werden und bessere Games zu machen.

Wie entwickelt sich die Game-Szene in Zürich?
Wenn Virtual Reality ein Trend bleibt, dann entstehen sich viele neue Studios, was Simulationen angeht ist die Schweiz ja ziemlich stark. In den letzten Jahren ging es extrem vorwärts: Neue Studios schossen aus dem Boden, blieben und werden immer grösser.

Wirst du in Zürich bleiben oder gehst du ins Ausland?
Ich hatte einige Angebote aus dem Silicon Valley und hätte abhauen können. Aber Zürich ist einfach geiler (lacht).

Yippie, danke vielmal.

(moz)

Deine Bewertung -> Stutz für den/die Journalist*in
Bewertung löschen

Kommentare

Willst du unabhängigen Journalismus?

Tsüri.ch steht für unabhängigen & engagierten Journalismus und setzt sich für eine offene, fröhliche, tolerante und ökologische Gesellschaft ein. Mit deiner Unterstützung können wir das auch in Zukunft tun.

Mit nur 5.-/Monat bist du dabei.

Ich unterstütze euch!
Gerade nicht / Bin schon dabei