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Homeschooling-Tipps und Erfahrungen von Studierenden: «Habe auch schon Vorlesungen vom Bett aus mitverfolgt»

Nehmen Student*innen ihr Studium durch Homeschooling anders wahr? Wie geht es ihnen mit der Umstellung? Können sie ihre Disziplin aufrechterhalten? Drei Student*innen erzählen, wie es ihnen im Homeschooling geht und geben wertvolle Tipps.
23. November 2020

Svenja Schraner, 23, 1. Master-Semester an der HSG in Unternehmensführung

«Homeschooling bereitet mir deshalb Mühe, weil es den Frontalunterricht fördert. So können keine richtigen Diskussionen entstehen – wie das auch bei uns gerade der Fall ist. Es sind in der Regel immer die gleichen Student*innen, die sich via Zoom bei einer Diskussion einbringen. Deshalb lerne ich viel weniger und profitiere nicht sehr vom Unterricht. Ausserdem machen wir so viel weniger Gruppenarbeiten. Ein weiterer Faktor, der das Homeschooling erschwert, sind die langen Vorlesungen ohne Pausen dazwischen. Teilweise habe ich zwischen vier und acht Stunden Vorlesungen am Stück, wobei meine Konzentration nicht mithalten kann. Im Nachhinein muss ich mir deshalb die Vorlesungen teilweise nochmals anhören.

Da ich im ersten Mastersemester bin, habe ich mir erhofft, dass ich neue Menschen an der Uni kennenlerne. Die soziale Vernetzung wird an der HSG sehr gefördert. Um dennoch den sozialen Kontakt aufrecht zu erhalten, treffe ich mich mit Freund*innen und wir schauen die Vorlesungen gemeinsam. So können wir uns bei einem gemeinsamen Mittagessen in der WG austauschen. Auch im Homeschooling kann ich meine Disziplin aufrechterhalten. Was mit jedoch auffällt: Ich schweife viel schneller ab. Um dem Entgegenzuwirken, plane ich bewusst Pausen oder gehe kurz nach draussen an die frische Luft.»

Tipp: «Ich finde es wichtig, dass man sich nicht unterkriegen lässt. Denn: Wir sind alle gleichermassen von der Corona-Pandemie betroffen. Ich plädiere dafür, dass wir uns an die Massnahmen halten und sie möglichst gut umsetzen. Nur so wird der gewohnte Uni-Alltag bald wieder einkehren.»

Samira Salim, 24, 4. Semester Business Communications an der HWZ

«Homeschooling bietet Vor- und Nachteile: Einerseits finde ich die Umstellung sehr chillig, weil ich am Morgen vor meiner Vorlesung etwas länger schlafen kann. Das kommt mir insbesondere deswegen entgegen, weil ich neben dem Studium 80 Prozent arbeite und ich froh bin, wenn ich einmal in der Woche eine Stunde länger schlafen kann. Andererseits nimmt der Fokus – insbesondere am Donnerstagabend – ab. Dann koche ich jeweils zwischen den Vorlesungen oder erledige andere Dinge im Haushalt, was natürlich nicht von Vorteil ist. Ein weiterer Nachteil ist der soziale Aspekt, innerhalb sowie auch ausserhalb des Studiums, der wegfällt: Da wir Klassen in meinem Studium haben, sehen wir uns in de Regel zweimal die Woche. Dieser soziale Austausch fällt nun weg. Ausserdem ist der Aufbau des Studiums sehr interaktiv, wobei wir eng mit anderen Firmen zusammenarbeiten. Homeschooling erschwert diesen essentiellen Teil des Studiums.

Wie geht es mir mit dieser Veränderung? Gut eigentlich. Während dem ersten Lockdown hatte ich mehr Zeit, um Sport zu machen, auf die Ernährung zu achten und – erstaunlicherweise – mich mehr mit meinem Studium zu befassen. Das war deshalb so, weil ich zu dieser Zeit nicht arbeitete und mich viel eher aufs Studium fokussieren konnte. Ich hatte schlichtweg nichts anderes zu tun. Ich bin nicht sehr diszipliniert, deshalb versuche ich mich mit meinen Studikolleg*innen gegenseitig zu pushen. Wir blockieren uns bewusst fixe Wochentage, an denen wir uns einen Lerntag einplanen. Neu gehe ich jeden Dienstag vor dem Beginn der Uni nach draussen joggen.Bisher funktionierte das recht gut. Die Bewegung hilft mir, wach und fokussiert zu sein.

Ansonsten würde ich mich 15 Minuten vor Vorlesungsbeginn aus dem Bett hieven, meinen Laptop öffnen, einen Kaffee rauslassen, wieder ins warme Bett und von dort aus die Vorlesung mitverfolgen.»

Tipp: «Ein gutes Tool finden, um sich das Studium einzuteilen ist für mich das A und O. Das kann beispielsweise eine To-Do-Liste sein (davon bin ich ein absoluter Fan), die Agenda voll mit Terminen füllen oder Excel-Listen führen. Ein zweiter wichtiger Tipp: Bewegung – auch wenn es nur ein kurzer Spaziergang ist. So kann man draussen sein, den Kopf lüften und sich eine Pause gönnen. Der dritte und letzte Tipp: Unbedingt einen Lern-Buddy suchen, um sich so gegenseitig zu pushen. Das kann dann aber auch so aussehen, dass wenn mein Lern-Buddy nicht fokussiert ist, ich mich anstecken lasse. (lacht) Umgekehrt ist es so, dass wenn einer von uns konzentriert ist, der andere es ihm nachtut. Nicht vergessen: «We’re all in this together» – das sang bereits High School Musical.»

Sebastian Wicki, 22, 5. Semester Jura an der UZH

«Eine Veränderung in meinem Studium habe ich durch Homeschooling nicht gross bemerkt. Unser Studium besteht aus Selbststudium, wo wir selbstständig viele Aufgaben lösen und lesen müssen. Ausser bei den vermehrten Podcast-Vorlesungen. Dabei merke ich, dass mir der zwischenmenschliche Kontakt zu Kommilitone*innen oder Professor*innen fehlt. Auch meine Disziplin hat sich nicht verändert. Ich lege Wert darauf, dass ich stets einen strukturierten Tagesablauf habe, der mit einem frühen Aufstehen am Morgen beginnt. Tagsüber plane ich mir bewusst ein Ereignis ein, auf das ich mich freuen kann. In der Regel ist es eine sportliche Tätigkeit, seltener treffe ich mich mit Freund*innen. Neue Angewohnheiten haben sich bei mir nicht entwickelt. Nur, dass ich meine Jeans öfters im Schrank lasse und sie durch bequeme Jogginghosen ersetze.

Mein Vater und ich haben allerdings so etwas wie ein neues Ritual entwickelt. Da auch er im Homeoffice arbeitet, können wir uns jeweils abwechslungsweise am Mittag bekochen. Ich schätze das sehr, weil ich meinen Vater dadurch viel öfters sehe. »

Tipps: Den Wichtigsten zuerst: Trotz dieser tristen Zeit sollte man sich jeden Tag auf etwas freuen können. So kann man tagsüber auf diese Freude hinarbeiten und der Alltag erscheint nicht mehr ganz so trist. Der zweite Tipp spielt sich im Inneren ab: Setzt euch Ziele. Wenn ich meine Ziele für den Tag erreicht habe weiss ich, dass ich fertig mit der Arbeit bin. Gleichzeitig helfen mir Ziele, zu reflektieren, was ich gemacht habe und was in Zukunft auf mich zukommen wird. Und der letzte Tipp: Pausen einplanen. Für mich funktioniert es am besten durch die räumliche Trennung zuhause. Ich lerne immer im selben Zimmer – nie in meinem Schlafzimmer. So fällt es mir viel leichter, Arbeit und Freizeit voneinander zu unterscheiden. Wobei ich gestehen muss, dass ich auch schon Vorlesungen vom Bett aus mitverfolgt habe.»

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