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Homeasyl.ch sei Dank: So einfach kannst du Flüchtlinge bei dir Zuhause aufnehmen

homeasyl.ch
21. Januar 2016
Zürich solidarisiert sich vermehrt mit Flüchtlingen. Dies zeigt sich durch die wachsende Anzahl an NGOs und deren grossen Zulauf an hilfsbereiten Menschen:

Ich habe Sophie und Sam von homeasyl.ch getroffen, eine weitere Gruppierung, die Flüchtlinge und Anbieter/innen von Wohnraum zusammenbringt.

Danke, dass ihr Zeit habt. Erzählt mir doch, was eure Motivation war, homeasyl.ch zu initiieren. Sam: Das Wissen um den Mangel an gutem Wohnraum für Flüchtlinge ist seit längerer Zeit omnipräsent. Die Asylzentren platzen aus allen Nähten und teilweise gibt es keine Unterbringungsmöglichkeit für Nachrückende. Wir möchten unsere Verantwortung wahrnehmen und einen Beitrag leisten, damit Flüchtlinge in menschenwürdigen Wohnverhältnissen leben können.

Sophie: Der Integrationsgedanke spielt ebenfalls eine grosse Rolle. In Heimen sind Flüchtlinge meistens unter sich und haben keinen Zugang zum Alltag in der Schweiz. Um eine Sprache zu lernen und sich in einem Land schnell wohl zu fühlen, braucht es zwingend Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung.

Seit wann gibt es euch? Sophie: Wir sind seit Oktober 2015 auf Facebook miteinander vernetzt und haben unsere Homepage vor zwei Wochen online geschaltet. Der ganze Initiierungsprozess war aufwändig, denn wir mussten die Rahmenbedingungen unseres Angebots festlegen und uns über die Abläufe klarwerden.

Ihr seid momentan eine Gruppe von sieben Personen. Bringen alle von euch verschiedene Ressourcen und Talente mit, die eurem Projekt helfen? Sam: Das Interessante ist, dass jeder von uns aus einer ganz anderen Ecke kommt. Wir sind Leute unterschiedlichsten Alters, seien es Student/innen, Lehrlinge oder normale Arbeitnehmer/innen. Zuerst dachten wir, dass dies ein Problem sein würde. Wir haben aber gemerkt, dass wir alle dasselbe Ziel verfolgen. So bringen die einen Sprachkenntnisse und Organisationsgeschick mit, wobei alle ihr persönliches Netzwerk haben, von dem wir profitieren können.

Da es euch erst seit Kurzem gibt, ist noch keine Vermittlung zustande gekommen. Habt ihr bereits Zulauf von potenziellen Vermieterinnen und Vermietern? Sophie: Ja, sehr sogar. Es haben sich in der kurzen Zeit bereits einige Anbieter/innen von Wohnraum bei uns gemeldet. Das sind vor Allem Student/innen und Familien. Wir möchten jetzt so viele Wohnangebote wie möglich sammeln, damit wir aus diesem Pot zugeschnittene Wohnmöglichkeiten für die Flüchtlinge anbieten können.

Was sagt ihr dazu, dass der Staat Flüchtlinge in laufenden Asylverfahren absichtlich nicht zu stark integrieren möchte, um bei einer Ablehnung eines Asylgesuches auf möglichst wenig Probleme zu stossen? Sophie: Dazu können wir uns nicht wirklich äussern, denn wir sprechen nur aus unseren eigenen Erfahrungen. Aber dass man de facto den Anspruch an Flüchtlinge stellt, sie sollen sich gefälligst sofort integrieren, sie dabei aber aktiv ausgrenzt, ist absurd.

Seid ihr der Meinung, dass wir heute alle stärker für dieses Thema sensibilisiert sind als noch vor ein paar Monaten? Sophie: Definitiv. Nicht nur, dass in den Medien täglich über die Situation der Flüchtlinge berichtet wird, sondern auch dass wir in der Schweiz häufiger direkt mit flüchtenden Menschen in Kontakt kommen hat viele Menschen zum Umdenken gebracht. Es sind immer mehr Personen bereit, Hilfe anzubieten.

Auf eurer Homepage beschreibt ihr den Prozess der Vermittlung. Könnt ihr das etwas ausführen? Sam: Unser Anspruch ist, dass wir Wohnräume nicht einfach an die Flüchtlinge zuteilen, sondern dass sich Vermieter/in und Flüchtling auf vielen verschiedenen Ebenen verstehen und gleiche Bedürfnisse teilen. Wir treffen uns daher mit den Vermieter/innen und den Flüchtlingen zuerst persönlich. Mit dem/der Vermieter/in ist das bei sich zu Hause, damit wir die Unterkunft begutachten können. In einem persönlichen Gespräch finden wir dann heraus, was die jeweiligen Bedürfnisse sind. Vorab können Vermieter/innen und Flüchtlinge auf unserer Homepage ein umfassendes Anmeldeformular ausfüllen, das von uns geprüft wird.

Sophie: Was wir nicht möchten, ist alles auf ein Standardverfahren runter zu brechen. So eine Wohnungsvermittlung soll schliesslich eine langfristige Sache sein. Dies bedingt, dass sich beide Parteien gut verstehen. Wir schlagen zum Beispiel vor, dass zuerst drei Wochen probegewohnt wird. Danach sollen Vermieter/in und Flüchtling ehrlich angeben, ob sie sich ein Mietverhältnis vorstellen können.

Wo fängt euer Job an und wo hört er auf? Sophie: Wir bieten die Vermittlung und die Erstgespräche an. Teilweise leisten wir auch individuell Hilfestellung bei Übersetzungen und administrativen Belangen. Allerdings ist es am/an der Vermieter/in und am Flüchtling, Informationen bezüglich Bewilligungen und Wohngeldern bei den Ämtern einzuholen. Wir bieten auch keinen Umzugsdienst an. Es ist einfacher, wenn das der/die Vermieter/in und der Flüchtling selber organisieren.

Sam: Kurzum begleiten wir die Parteien vom Erstkontakt bis zum Abschluss des Mietvertrages. Danach sind wir natürlich bei Problemen erreichbar.

Macht ihr aktiv Werbung für euer Projekt? Sophie: Noch nicht. Wir haben durch unseren Freundeskreis Kontakt zur ASZ, zum Solinetz und auch zu wegeleben.ch und haben unser Angebot bei städtischen Institutionen platziert. Der nächste Schritt wird sein, dass wir ein Pressecommuniqué herausgeben.

Ihr grenzt euch auf eurer Homepage aktiv von den staatlichen Organisationen ab. Was ist der Grund? Sam: Wir führen die staatlichen Hilfsorganisationen natürlich auf unserer Homepage auf. Jedoch möchten wir unabhängig von den Behörden bleiben, um unser Angebot nicht unnötig zu bürokratisieren.

Sophie: Wir übernehmen nicht den Job der Behörden, sondern ergänzen mit unserem Projekt selbstständig das vorhandene Angebot.




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Was sind die Ziele für die nahe Zukunft? Sophie: Nach erfolgten Vermittlungen möchten wir mit den Personen in Kontakt bleiben. Es sollen gute Kombinationen entstehen, die für beide Parteien befriedigend sind.

Sam: Wir wollen aus unseren Erfahrungen lernen und mehr Menschen für dieses wichtige Thema sensibilisieren. Ausserdem möchten wir ein breites Spektrum an Wohnmöglichkeiten anbieten können. Seien es Zimmer bei Familien, WG’s oder sogar ganze Wohnungen.

Vielen Dank! Wir bleiben auf jeden Fall in Kontakt.


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