Hat das Lädelisterben danke dieser Plattform jetzt ein Ende?

Shoplocal.ch
04. Mai 2016
Quartierläden haben kein einfaches Dasein. Immer wieder machen Meldungen die Runde, dass Mietverträge von kleinen Familienbetrieben gekündigt werden oder Grossverteiler die Ladenflächen übernehmen. Kein Wunder, dass der Widerstand gegen diese Verdrängung immer heftiger und kreativer wird: Auf eine äusserst erfolgreiche Petition für den Laden am Limmatplatz folgte vor wenigen Tagen das Fest gegen «Gentrifizierung».

Der nächste Versuch, die Quartierläden zu stärken, verfolgt einen neuen Ansatz: Statt sterbenden Betrieben zu helfen, wollen die beiden Macherinnen von «Shop Local» das bestehende Angebot bekannter machen und so den kleinen Läden zu einer stärkeren Existenz verhelfen.

Tsüri.ch hat mit Alain Leclerc von Bonin und June von Bonin gesprochen.

In den nächsten Tagen geht die Webseite «Shoplocal.ch» live. Was kann diese Plattform? Unser Hauptziel ist, die Wahrnehmung der Zürcher zu ändern: Viele meinen, die Stadt sei langweilig und habe nichts zu bieten. Doch das stimmt überhaupt nicht. Es gibt so viele tolle und unentdeckte Läden – diesen wollen wir zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen.

Warum kommt Shop Local gerade jetzt? Der Detailhandel hat ein Strukturproblem: Die Mieten steigen immer stärker und die kleinen Geschäfte können sich das Lokal nicht mehr leisten. Die Reaktionen auf das jüngste Lädeli-Sterben zeigen jedoch deutlich, dass die Konsumenten grosses Interesse an kleinen Läden haben.

Nach welchen Kriterien werden die Geschäfte auf der Webseite kuratiert? Wir können auf ein grosses Netzwerk an Ladenbesitzern und Bekannten zählen, die uns immer neue Tipps geben. Diese Vorschläge überprüfen wir und je nach dem werden sie in den Katalog aufgenommen. Wir wollen lokale Unternehmer, die ein einzigartiges Shoppingerlebnis bieten – darum sind wir bei der Auswahl ziemlich streng.

Mit dieser Standortförderinitiative wollen Sie etwas gegen das Lädelisterben und damit gegen die Gentrifizierung unternehmen. Können solche Initiativen gegen die mächtige Stadtpolitik etwas ausrichten? Klar wäre es schön, wenn wir etwas gegen die ständig steigenden Mieten tun könnten. Doch bevor wir uns an die Lösung der grossen Probleme machen, wollen wir erstmal den Geschäften zu mehr Sichtbarkeit verhelfen. Durch unsere Plattform werden die Angebote zentralisiert und kommen so einfacher zu den Menschen. Viele wollen im Quartier einkaufen, kennen aber die Läden gar nicht. Da wollen wir ansetzen.

Mit Sato, Freitag, John Baker und Viu haben Sie einige klingende Namen mit an Bord, die allerdings nicht gerade als traditionelle Quartiergeschäfte definiert werden können. Sie sind teilweise selber Ergebnis von Verdrängungsmechanismen. Ist das kein Widerspruch zu ihrem definierten Ziel? Das denke ich nicht. Es sind alles Unternehmen mit lokalen Produkten und Produktionsstätten, die Wert auf Nachhaltigkeit legen. Mit den grossen Namen wollen wir natürlich auch unsere Seite bekanntmachen.

Verstehen Sie mich nicht falsch, mir sind John Baker und Freitag um ein Vielfaches lieber als Mc Donalds und Starbucks. Trotzdem: Wo sind die alten Familienbetriebe? Total haben wir über 90 Geschäfte auf unserer Liste, darunter sehr viele kleine wie Kaffeepur oder der Kinderladen Nepomuk. Diese können wir mit gutem Gewissen zu den Quartierläden zählen.
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Lassen Sie uns phantasieren: Wie sieht die perfekte Stadt aus – lädelitechnisch? Wir wünschen uns eine möglichst grosse Auswahl an lokalen Angeboten. Leider geht die Entwicklung in die andere Richtung und alle grösseren Städte sehen inzwischen gleich aus – H&M, Sturbucks, Burger King und andere grosse Ketten dominieren fast weltweit das Stadtbild. Das ist schade. Darum wollen wir den Charakter von Zürich erhalten und etwas dazu beitragen, dass die Quartiere ihre Lebendigkeit behalten können.

Ganz kurz zum Schluss: Wer steckt hinter Shop Local? Im Moment sind es unzählige Nächte, die wir beide investieren. Es ist also ein persönliches Projekt. Nach dem Launch machen wir uns dann daran, Strukturen aufzubauen und einen Verein zu gründen.
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