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Provisorische Hütte mit Graffitis auf der Landiwiese in Zürich am Theaterspektakel 1982 (Bild: Schweizerisches Sozialarchiv)

«Häsch gwüsst?»: Was macht der Tätschmeister des «Speki»?

Theater, Tanz, Performance und Installationen: Am Donnerstag beginnt das Theaterspektakel auf der Landiwiese. Wir wollten wissen: Was sorgt bei Besucher:innen des Festivals immer wieder für Aha-Erlebnisse? Eine Antwort darauf hat der Tätschmeister vor Ort.
18. August 2021

Der Herr am Telefon nimmt ab. Als er hört, wer am Apparat ist, sagt er: «Oh scheisse, ich bin im Scheiss! Auch das noch.» Nicht nur für ihn laufen die Vorbereitungen für das Theaterspektakel, das am Donnerstag beginnt, auf Hochtouren. Auch die anderen 150 Mitarbeiter:innen sind derzeit von morgens bis abends mit Organisieren, Planen und Aufstellen beschäftigt. Das Theaterspektakel ist kein Festival wie jedes andere, sondern ein Festival, das soziale und politische Entwicklungen im Land und in der Stadt widerspiegelt. Es scheint ein Ort zu sein, an dem menschliche Differenzen, sei es aufgrund des Geschlechts, Kultur oder Religion mit Hilfe der Kunst bewältigt werden.

Begonnen hat das Festival in den 1980er Jahren, während der Zeit der Jugendunruhen. Wie das SRF schreibt, wurde auch in der Kultur der Wunsch nach neuen Räumen und alternativen Kunstformen laut. Kulissen und Bühnen sollten nicht mehr nur der Elite zustehen, sondern allen Kulturinteressierten. Dies war die Geburtsstunde des «Spekis», wie es im Volksmund genannt wird. Auch dieses Jahr findet das 18-tägige Festival auf der Landiwiese statt. Tätschmeister vor Ort ist Klaus Geser, der Herr am Telefon. Zugegeben, die Begrüssung ist zwar etwas ungewohnt, doch die junge Stimme wach und humorvoll. Vor 30 Jahren hat Geser seine Stelle als Leiter Betrieb am Theaterspektakel angetreten. Er selbst würde sich jedoch nicht als Tätschmeister bezeichnen. «Da würden andere neidisch werden», antwortet der 60-Jährige mit einem Augenzwinkern.

Altes Bettgestell auf einem provisorischen Steg an der Landiwiese, im Hintergrund die Saffa-Insel. (Bild: Schweizerisches Sozialarchiv)

Aktuell beginnt sein Tag um acht Uhr, als erstes treffe er diverse Vorbereitungen und beantworte organisatorische Fragen. Danach esse er um 12 Uhr zu Mittag in der Cantina: «Heute gab es Gnocchi ohne Mehl, darauf fahren sogar auswertige Handwerker, die nur Schnipo essen, ab», schwärmt er vom beliebten Restaurant. Danach schaue er, dass das «Camp» aufgestellt werde und alles an seinem Platz sei. Dies dauere bis in den späten Abend hinein. Geser ist zudem für die Sicherheit zuständig. Das Theaterspektakel sei auf alles vorbereitet, so auch für starken Wind oder eine Bombendrohung.

Nicht zuletzt sei er auch für verloren gegangene Kinder verantwortlich: «An einem Sonntag, an dem teilweise bis zu 10'000 Menschen auf der Landiwiese sind, suchen wir im Durchschnitt etwa zehn Kinder am Tag.» Die Feuerwachen würden sich auf die Suche nach den Kleinen machen. Meistens werden sie in der Röhrlibar fündig, wohin die Kinder mit einem vielfältigen geschmacklichen Angebot an Sirups angelockt werden. «Neun von zehn Eltern sind glücklich, wenn sie ihre Kinder wieder in die Arme schliessen können. Die anderen lesen den Kleinen zuerst die Leviten.» Geser gibt den Eltern dann den Tipp, dass sie doch den Kindern ihre Handynummer auf den Arm schreiben sollen. Für den Fall, dass ihre Kinder wieder einmal ohne deren Eltern das «Speki» erkunden wollten. «Dieser einfache Tipp führt bei vielen Eltern zu einem Aha-Erlebnis.»

Eine Gruppe junger Männer auf provisorischen Stegen bei der Landiwiese, daneben zudem ein Bettgestell und ein Bürostuhl (Bild: Schweizerisches Sozialarchiv)

Information
Das gastronomische Angebot wird dieses Jahr coronabedingt um die Hälfte reduziert: Die Cantina bietet eine «kreative Naturküche» und reicht von buntem Gemüse, von Wurzel bis Blatt, über Lamm an Kakaosauce bis zu persischem Reis. Das Le 2 Cucine bietet eine Fusion von asiatischem Essen und Marktküche. Das Mama Put lockt nach wie vor mit exotischen Köstlichkeiten aus West- und Ostafrika. Und auch die Röhrlibar für Kinder und Familie ist dieses Jahr auf fünf Spielinseln zu finden.

Ein Covid-Zertifikat braucht es nur für die Vorstellungen in der Werft, Nord und der Roten Fabrik sowie für «Screws» von Alexander Vantournhout. Als Covid-Zertifikat gilt nebst der doppelten Impfung der Antigen-Schnelltest und der PCR-Test. Für spontane Besucher:innen gibt es auf der Landiwiese die Möglichkeit, sich testen zu lassen. Die Teststation hat dieselben Öffnungszeiten wie die Abendkasse, das heisst täglich ab 17 Uhr. Für die Aufführungen unter freiem Himmel auf der Landiwiese sowie im Saal ist kein Covid-Zertifikat erforderlich. Mehr Informationen zum Theater Spektakel findest du hier.

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