💌 «Züri Briefing» 💌

Foto: Lara Blatter

«Häsch gwüsst?»: So funktioniert die städtische Wasserversorgung

Es ist in vielen Teilen der Erde eine knappe Ressource. In der Schweiz ist es im Überfluss vorhanden: Trinkwasser. Doch: Woher kommt das rare Gut und wie funktioniert die städtische Wasserversorgung?
28. Juli 2021

Allein während dem Händewaschen verbrauchen wir zwei bis vier Liter Wasser am Tag. Wenn wir duschen, fliessen ungefähr 30 bis 90 Liter Wasser den Abfluss hinunter. Und wenn wir baden, sind es gar bis dreimal so viel. Durchschnittlich verbrauchen Zürcher:innen 160 Liter Wasser am Tag. In einem Jahr entspricht das etwa dem Volumen eines VBZ-Busses. Es gab eine Zeit, in der unser Wasserverbrauch pro Kopf höher war: Anders als heute, verbrauchte man in den 1970er-Jahre 500 Liter Wasser pro Kopf. Die Industrialisierung hat durch das Aufkommen von sparsameren Haushaltsgeräten und veränderten (Essens)- Gewohnheiten (beispielsweise Fertiggerichte) den Trinkwasserverbrauch beeinflusst. Aber auch durch die Sensibilisierung ist die Bevölkerung im Umgang mit Trinkwasser sparsamer geworden.

Dass wir jederzeit und überall Trinkwasser zur Verfügung haben, ist für uns selbstverständlich. Allerdings stellt sich dadurch für viele die Frage nicht, woher denn unser Trinkwasser kommt. Spätestens jedoch seit der Initiative für sauberes Trinkwasser haben sich die einen oder anderen darüber schlau gemacht. Ein Tsüri-Leser wollte wissen: Woher kommt unser Züriwasser? Und wie gelangt es in unseren Haushalt?

Der Zürichsee, ein Wasserspeicher

Die Antwort darauf finden wir bei der Stadt Zürich – genauer gesagt beim Departement der Industriellen Betriebe. Das Wasser setzt sich aus drei verschiedenen Teilen zusammen: «70 Prozent des Wassers stammt aus dem See, sowie je 15 Prozent Grund- und 15 Prozent Quellwasser», sagt Riccarda Engi, Mediensprecherin beim städtischen Departement der Industriellen Betriebe. Der Zürichsee bildet also den grössten Trinkwasserspeicher und bietet der Stadt jederzeit eine ausreichende Menge an Wasser. «Wenn es Zeiten gibt, während denen die Quellen nicht optimal genutzt werden können oder das Grundwasser nicht ausreichend zur Verfügung steht, pumpt die Stadt mehr Wasser aus dem Zürichsee hoch in die Seewasserwerke Lengg und Moos», erklärt Engi weiter. Die natürliche Filterwirkung des Bodens führt dazu, dass das Quell- und Grundwasser (fast) keine zusätzliche Reinigung benötigt.

Biologischer Reinigungsprozess

Das Seewasser hingegen ist der Verschmutzung viel stärker ausgesetzt. Daher muss es beispielsweise durch Filtration und Ozonung aufbereitet werden: «Das Zürichseewasser durchläuft einen Reinigungsprozess, bei dem es durch verschiedene Sand- und Kiesschichten sickert. Also fast so, als ob es Regenwasser wäre», erklärt Christos Bräunle, Leiter Kommunikation beim Schweizerischen Gas- und Wasserfaches (SVGW). Der natürliche Reinigungsprozess werde durch eine Vorrichtung nachgeahmt, so beispielsweise im Seewasserwerk Moos in Wollishofen. Nach den Aufbereitungsstufen wird das Wasser in die umliegenden Reservoire gepumpt (21 Reservoire sind an erhöhten Lagen rund um die Stadt angelegt). Anschliessend fliesst das Trinkwasser von den Reservoiren in das Leitungsnetz, das 1550 Kilometer Rohrleitungen umfasst, was etwa der Distanz von Zürich nach Barcelona entspricht. So findet das Trinkwasser seinen Weg in die Zürcher Haushalte.


Diese Frage stammt von einem Tsüri-Leser. Über welches Phänomen wolltest du schon immer mehr wissen? Schreib deine Frage direkt an Céline.

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