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Der Basilisken-Brunnen am Ende der Talstrasse (Alle Fotos: Michael Schallschmidt)

«Häsch gwüsst?»: Deshalb gibt es in Zürich einen Basilisken-Brunnen

Die Städte Zürich und Basel sind nicht gerade für ihre enge Freundschaft bekannt. Dennoch findet sich mitten in der Stadt Zürich ein kleines Stück Basel in Form eines Brunnens. Wann, wie und warum dieser Brunnen nach Zürich kam, weiss jedoch kaum jemand.
08. September 2021
Praktikant Redaktion

In der Stadt Zürich gibt es über 1200 Brunnen, von denen manche auffällig und andere wiederum ganz unscheinbar sind. Doch ein Zürcher Brunnen irritiert mich jedes Mal wie kein anderer, wenn ich ihn auf dem Weg zur Arbeit sehe. Gleich bei der Tram-Haltestelle Sihlstrasse steht der einzige Basilisken-Brunnen, den ich jemals ausserhalb von Basel gesehen habe.

Basilisken-Brunnen gibt es in Basel seit Ende des 19. Jahrhunderts. Etwa 30 dieser gusseisernen Wasserspender sind in der Stadt am Rheinknie in Betrieb und gelten als lokale Wahrzeichen, die nicht aus dem Stadtbild wegzudenken sind. Diese rund 264 Kilogramm schweren, grün lackierten Gebilde sind so baslerisch wie der Morgenstreich oder «Läckerli». Umso seltsamer ist es für jemanden, der in Basel aufgewachsen ist, so einen Brunnen in Zürich zu sehen.

Die namensgebende Brunnenfigur.

Das Pendant zum Zürileu

Zumal die Städte Basel und Zürich nicht unbedingt für ihre innige Freundschaft bekannt sind. Wer jemals die Krawalle nach einem Fussballspiel zwischen dem FCB und dem FCZ oder eine zürcher-baslerische Auseinandersetzung an der Basler Fasnacht miterlebt hat, kann dies bestätigen. Da drängt sich umso mehr die Frage auf, wie es ein Basilisken-Brunnen nach Zürich schaffte.

Was den Namen des Brunnens betrifft, so gibt es zumindest dafür eine einfache Erklärung. Den meisten Zürcher:innen mag es womöglich nicht auffallen, doch die Brunnenfigur stellt einen Basilisken dar. Dabei handelt es sich um ein Mischwesen aus Schlange und Hahn und darüber hinaus auch um das Wappentier der Stadt Basel – sozusagen das Pendant zum «Zürileu». Dementsprechend hält der Basilisk auch einen Schild, auf dem das Kantonswappen von Basel-Stadt abgebildet ist.

Als die Städte Brunnen tauschten

Ein Telefonat mit dem Departement der Industriellen Betriebe, das unter anderem für die Trinkwasserversorgung zuständig ist, lieferte Antworten auf die Frage, wann und wie dieses Stück Basel nach Zürich gelangt ist: «Der Brunnen war ein Geschenk der Stadt Basel an die Stadt Zürich», sagt ein Mitarbeiter der Abteilung für Wasserversorgung.

Der Brunnen stehe bereits seit 1983 in Zürich und sei bei der Stadt unter dem Namen «Basler-Brunnen» registriert, wie er weiter erklärt. Im Gegenzug habe die Stadt Zürich einen sogenannten «Notwasserbrunnen» nach Basel geschickt. Diesen Namen tragen die aus Bronze gefertigten Brunnen, da sie mit einem unabhängigen Quellwasser-Netz verbunden sind. Darüber hinaus funktionieren diese Kleinbrunnen ohne zusätzliche Energiezufuhr.

Ein Notwasserbrunnen in der Nähe des Stauffachers.

Ähnlich wie beim Basilisken-Brunnen gibt es auch vom Notwasserbrunnen mehrere Exemplare. Seit 1976 stehen insgesamt 85 Stück in der Stadt Zürich verteilt, wie das Departement der Industriellen Betriebe auf seiner Website schreibt. Über den Verbleib des einen Brunnens, den Zürich damals an Basel übergab, gibt es jedoch keine Informationen. «Was die Basler:innen mit dem Zürcher Brunnen angestellt haben, wissen wir nicht. Vielleicht haben sie ihn einfach eingeschmolzen», sagt der Mitarbeiter des Amtes für Wasserversorgung.

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Nachdem ich mir ein Bild dieser Notwasserbrunnen angesehen habe, wusste ich jedoch sofort, welches Schicksal diesem Geschenk widerfahren ist. Ohne es zu Wissen trank ich nämlich schon als Kind aus dem Brunnen, den die Zürcher:innen damals den Basler:innen geschenkt hatten. Der Kleinbrunnen steht nämlich seit Jahren vor dem Eingang zum Basler Zoo.

Ein Zeichen der Freundschaft

Damit ist zwar geklärt, wie und wann der Basilisken-Brunnen nach Zürich gelangte. Jedoch bleibt die Frage nach dem «Warum» offen. Denn es gibt bei dem Basilisken-Brunnen an der Sihlstrasse keine Plakette und keine Tafel, die erklärt, aus welchem Anlass die Stadt Basel den Brunnen verschenkt hat, oder dass er überhaupt ein Geschenk war. Die Basellandschaftliche Zeitung schreibt in einem Artikel zu diesem Thema jedoch, dass die Basler Regierung nur «nach reiflicher Überlegung und mit gutem Grund» einer anderen Stadt einen Basilisken-Brunnen gibt. Ein solcher Grund sei zum Beispiel Freundschaft, schreibt die Zeitung weiter. Damit ist auch geklärt, warum Zürich einen solchen Brunnen besitzt. Da Zürich als Antwort auf diese Geste einen Notwasserbrunnen nach Basel schickte, beruht diese Freundschaft wohl auf Gegenseitigkeit.


Der Autor dieser Augabe von «Häsch gwüsst?» wuchs in Basel auf, wo er bis vor drei Jahren lebte.

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