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Alleine auf öffentlichem Grund stehen in der Stadt 22'000 Bäume (Foto: Michael Schallschmidt)

«Häsch gwüsst?»: Das passiert in Zürich mit dem Herbstlaub

20. Oktober 2021
Praktikant Redaktion

«Nassen Sommer kann auch der Herbst nicht trocknen», lautet eine alte Bauernregel. Was das bisherige Wetter dieses Jahr betrifft, so bewahrheitet sich diese Weisheit. Denn pünktlich auf das Ende des nassen und bewölkten Sommers hält das Herbstwetter mit Regen, Nebel und kühlen Temperaturen in der Stadt Einzug.

Neben der menschenleeren Letten-Badi und den Marroniständen in allen Quartieren hat noch ein weiterer Vorbote des Herbstes seinen Auftritt: Die Farbenpracht der Laubbäume. Anders als beispielsweise im Jahr 2018, sorgte der Sommer dieses Jahr nicht für einen vorzeitigen Laubabwurf. So hüllen sich die vielen Spitzahorne, Platanen und Rosskastanienbäume – die drei häufigsten Zürcher Strassenbaumarten – in farbige Gewänder.

Was sich momentan noch als Farbtupfer in den städtischen Strassen bewundern lässt, hält jedoch nicht lange: Bereits in wenigen Wochen dominieren kahle Bäume das Stadtbild und das knirschende Geräusch von Schuhen auf brüchigem, braunem Laub wird zu hören sein.

Auf jede:n Vierte:n kommt ein Baum

Die Frage, wie viel Laub die Bäume jedes Jahr in ganz Zürich abwerfen, lässt sich nicht genau beantworten. Doch ein kurzer Blick auf den Baumbestand der Stadt lässt erahnen, in welchen Dimensionen sich die Menge an Herbstlaub bewegt: Auf öffentlichem Grund stehen in der Stadt rund 22’000 Bäume.

Hinzu kommen noch etwa 40’000 weitere Bäume, die in Park- und Schulanlagen sowie auf Friedhöfen und Sportanlagen stehen. Die Stadt erfasst einen grossen Teil der Zürcher Bäume in einem Verzeichnis, dem sogenannten Baumkataster.

Zu den insgesamt über 60’000 Bäumen kommen nach Schätzung der Stadt nochmals etwa gleich viele hinzu, die auf privatem Grund stehen. Somit kommt in Zürich auf etwa jede vierte Person ein Baum. Damit aber noch nicht genug: Mit einer Fläche von 2230 Hektaren entfallen ein Viertel des Stadtgebietes auf Wälder. Das ergibt pro Einwohner:in etwa die Fläche einer 2,5 Zimmerwohnung.

Sauberes Laub wird Biogas

Die Beseitigung der durch die Bäume anfallenden Laubmengen will gut koordiniert sein. So kümmern sich im städtischen Raum verschiedene Abteilungen der Stadt darum. Für die Laubbeseitigung auf Friedhöfen und vereinzelt auch in Parkanlagen sei Grün Stadt Zürich verantwortlich, wie diese auf Anfrage erklärt. «Der grösste Teil des anfallenden Laubes landet in der Biogasanlage», erklärt ein Mitarbeiter von Grün Stadt Zürich weiter.

Dort lande das Laub zusammen mit anderen Bioabfällen und Grüngut in einem Vergärwerk. Auf diese Weise liesse sich daraus Biogas produzieren, das der Stadt als Energiequelle dient. «Grob geschätzt sind in der gesamten Grüngutmenge pro Jahr etwa 1000 Tonnen Laub enthalten», sagt die Abteilung Entsorgung und Recycling der Stadt (ERZ) auf Anfrage.

Für den Grossteil des Herbstlaubes, das in den restlichen öffentlichen Räumen wie Strassen, Plätzen oder etwa Sportanlagen anfällt, ist die ERZ selbst zuständig. Genauer gesagt sind es zunächst die rund 244 Mitarbeiter:innen der Stadtreinigung, die jeden Herbst das Laub zusammenkehren.

Da das Laub auf Strassen und Plätzen jedoch mit nicht biologischen Abfällen wie zum Beispiel Plastik oder Zigarettenstummeln verschmutzt sei, wäre es nicht für die Biogasanlage geeignet, so die ERZ. Aus diesem Grund endet das Strassenlaub in der Kehrichtverwertungsanlage Hagenholz, wo der herbstliche Gruss der Stadtbäume in Flammen aufgeht. Die Abwärme aus der Verbrennung speisst die Stadt ins Fernwärmenetz ein. Gemäss Schätzungen der ERZ, fallen jährlich etwa 800 Tonnen Laub an, das in den Herbstmonaten von den Strassen gewischt und entsorgt wird.

Bevor das diesjährige Herbstlaub von seinem Schicksal eingeholt wird, vergehen jedoch noch einige Wochen. Bis dahin können wir uns weiter an den farbenfrohen Bäumen erfreuen.


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