«Wir reden nicht über «Food», sondern erzählen die relevanten Geschichten vom Essen.»

Das Thema Essen ist wichtig, davon ist Anna Pearson überzeugt. Die Zürcherin sucht darum per Crowdfunding 360’000 Franken, um ihr eigenes kulinarisches Magazin namens «gut» lancieren zu können. Wir haben sie im Kreis 4 vor ihrem Büro zum Interview getroffen.
05. Mai 2017

Wird es wirklich gut?
Anna Pearson:
Wenn wir das Crowdfunding schaffen und die 360’000 Franken sammeln, haben wir die erste Hürde geschafft. Und dann müssen wir noch ein gutes Magazin hinbringen. Und ich bin überzeugt: Ja, sicher schon wird es gut!

Das heisst, ihr gebt euch mit dem Namen gleich selber ein Qualitätslabel.
Der Name ist mir schon vor einem Jahr in den Sinn gekommen – er ist total simpel, sagt aber genau das aus, worum es uns geht. «gut» ist natürlich auch ein Versprechen und eine Ankündigung: Wir wollen etwas Gutes, Solides, Schönes machen. Die Hypes und Trends hingegen interessieren uns nicht.

Ihr sucht per Crowdfunding 360’000 Franken. Das ist mega viel Geld. Schafft ihr das?
Ich habe im Fall keine Ahnung... Auf wemakeit ist es das grösste Crowdfunding, das je angestrebt wurde. Von daher ist uns schon klar, dass wir uns hier etwas Grosses vorgenommen haben. Ohne Plan und wenn wir nicht überzeugt wären, dass es machbar ist, wären wir aber natürlich nicht gestartet.

Wozu braucht ihr das Geld?
Eigentlich bräuchten wir sogar noch mehr. Die Summe ist knapp berechnet, obwohl es nach extrem viel aussieht. Mit diesem Geld können wir das Magazin ein Jahr lang betreiben und die Lohnkosten für das Kernteam und die Autor*innen, Produzent*innen und so weiter decken.

Warum soll ich bei «gut» ein Abo kaufen, wo es im Internet tausende Gratis-Food-Blogs gibt?
999 der 1000 Gratis-Alternativen sind schlecht gemacht. Und wir wollen eben genau nicht über «Food» reden, sondern die wirklich interessanten und auch relevanten Geschichten vom Essen erzählen. Wir wollen hochwertige Inhalte schön umsetzen. Das kriegst du als Konsument*in nicht umsonst: entweder bezahlst du direkt, oder lässt dich von billiger Werbung zuspamen.

Fooby.ch, Coops Plattform, liefert auch Inhalte...
Naja, das ist doch nur Werbung! Es sieht zwar hübsch aus, aber es steckt nichts dahinter. Ganz ehrlich: Die haben uns einen riesigen Gefallen gemacht! Wir werden die Leute mit unserem Inhalt überzeugen.

Was erwartet mich denn in deinem Magazin?
Wir werden viermal im Jahr online eine monothematische Ausgabe publizieren. Diese kann einen offensichtlichen Bezug zum Essen haben, wie beispielsweise «Ei», oder einen indirekten wie «Hand» oder «Tod». Eine solche Ausgabe wird schrittweise während drei Monaten veröffentlicht und mit verschiedenen Events begleitet. So können die Mitglieder tief in das Thema eintauchen und es auf ganz unterschiedlichen Ebenen erleben.

Das Kernteam bei einer Vernissage zum Thema Ei

Ist es wichtig, dass ich mich über Essen informiere?
Essen ist ein Thema, das jeden Teil deines Lebens beeinflusst; es geht um viel mehr als ums Kochen! Wenn wir zum Beispiel über Brot sprechen, dann sprechen wir auch über Landwirtschaft, über Subventionen, über Saatgutmonopole, Gentechnik. Dieses Ganzheitliche ist hochrelevant. Mit «gut» wollen wir solche Themen zugänglich machen, aber auf genussvolle Art.

Du warst bei der Annabelle und hattest einen sicheren Job. Jetzt wird es viel ungemütlicher. Warum tust du dir das an?
Unbewusst habe ich die letzten fünf Jahre auf dieses Magazin hingearbeitet. Nach dem Designstudium bin ich in die Gastronomie quereingestiegen, habe ein Kochbuch geschrieben – und dabei gemerkt, dass mich gerade die Verbindung all dieser Bereiche interessiert. Beim Magazin kommt alles zusammen, was ich spannend finde – Design, Kulinarik, Schreiben. Insofern gebe ich nichts auf, sondern gewinne extrem viel.

Was, wenn das Crowdfunding scheitert?
Das wäre schon krass. Es gibt keinen Plan B. Es täte schon weh, denn wir haben so viel Zeit und Geld reingesteckt. Aber es wäre nicht der Weltuntergang. Dann mache ich halt das nächste, am Thema bleibe ich auf jeden Fall dran.

---> Hier kommst du direkt zum Crowdfunding.

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