«Gülsha würde niemals ein Baby töten und auf offener Strasse essen.»

Gülsha Adilji, bekannt aus dem Internet, startet am nächsten Donnerstag mit ihrem ersten Bühnenprogramm. Wir haben sie zum Kaffee getroffen und versucht, über ihr neues Projekt zu sprechen.
17. Februar 2017

Warum zeigst du uns deinen Schnägg?

Ich starte jetzt die Aufnahme.
Gülsha:
Du musst noch deinen Fragen-Spickzettel aus der Tasche nehmen.

Stimmt. Ab jetzt kommt alles unzensiert rein.
Ach ja? Heil--------loses Durcheinander. (lacht wie verrückt)

Ich habe keine Mühe mit politisch unkorrekten Ausdrücken.
Ich auch nicht.

Es gab diesen Sticker, da stand oben solid und unten arisch, solidarisch.
Absichtlich oder waren es dumme Linksextreme?

Ziemlich sicher war es Kunst, also Absicht.
Aha, aber auch dumm. Ich finde alles Extreme dumm.

Du bist sehr schweizerisch.
Ich bin einfach schlau. (lacht) Nein, ich glaube nicht. Letzthin fragte mich jemand im Ausgang, ob ich eigentlich meine, ich sei intellektuell. Äh nein.

Nein, intellektuell bist du nicht. Aber das schützt dich nicht davor, elitär zu sein.
Bin ich elitär? Ich habe mega viele Falten um die Augen. (betrachtet sich selber im iPhone) Aber es sind Trockenheits- keine Altersfalten.

Warum kokettierst du mit deiner Natürlichkeit? Auf Snapchat und Instagram sehen wir dich oft verschlafen, verhängt und ungeschminkt im Bett am Müesli essen. Und jetzt müssen wir hier deine Falten besprechen, obwohl du weisst, dass ich das alles aufschreibe.
Wieso ist das Koketterie? Heisst das, ich will, dass du nachher sagst: Nein Gülsha, du hast gar keine Falten? Dabei sehe ich ja, dass ich Falten habe!

Wie geht es eigentlich deinem Programm? Bist du bereit für die Premiere am Donnerstag?
Es ist nicht ganz alles fertig, aber ich bin huere ready. Es war mega wichtig und relevant, dass ich ein Tryout hatte. An diesem Tag hatte ich noch viel zu erledigen und darum ist jetzt eigentlich alles bereit.

Wenn ganz viele Menschen, die ich liebe und schätze an einem Auftritt von mir sind, bin ich viel nervöser.
Gülsha

Bist du nicht nervös?
Nein.

Bist du nie nervös?
Ich freue mich einfach mega fest. Ich habe immer eine natürliche und gesunde Nervosität vor dem Auftritt, aber keine Angst. Wenn ganz viele Menschen, die ich liebe und schätze an einem Auftritt von mir sind, bin ich viel nervöser. Eigentlich ist die Nervosität ein dummes und schlechtes Gefühl, weil man Angst hat, die Erwartungen von anderen nicht zu erfüllen. Da mein Publikum nicht weiss, was passieren wird, kann aber gar niemand Erwartungen an den Abend haben.

Ausser du verhaust es komplett.
Das wird nicht passieren. Warum sollte ich?

Kennst du die Angst vor einem peinlichen Patzer nicht?
Peinlich ist nur lügen und klauen. Und ein Patzer ist nur schlimm, wenn du am offenen Herzen operierst. Ich sitze nur auf eine Bühne und erzähle Geschichten. Es kann also nichts passieren. Im schlimmsten Fall lästern die Leute am Schluss des Abends wie schlecht und langweilig es war. Aber auch dann haben sie etwas zu besprechen! Win-Win.

Wieso sitzt du auf die Bühne, wenn du über die sozialen Medien doch viel mehr Menschen erreichst?
Es ist echter und ganz etwas anderes. Nur schon von der Länge her: Ich habe nicht nur vier Sekunden oder fünf Minuten, sondern ganze 90! Auf der Bühne kriege ich auch konstant ehrliches Feedback vom Publikum, darum ist es auch viel schwieriger, als wenn ich vor der Handy-Kamera stehe. Viel härter und auch schöner.

Ich habe bis jetzt nicht gemerkt, dass ich den Zettel mit meinen Fragen die ganze Zeit falsch herum in der Hand hatte. Nächste Frage: Wie kommst du zu deinen Projekten? Oder kommen diese zu dir?
Sie kommen einfach zu mir. Dieses Programm war von langer Hand mit dem Atelieer geplant, mit dem ich schon lange zusammenarbeite. Nun schicken sie mich also auf die Bühne.

Du fühlst dich geschickt?
Auf jeden Fall. Man muss mich schon puschen, es ist ja nicht so, dass ich dachte, ich sei besonders lustig und müsse darum auf der Bühne stehen. Das hätte ich nie gedacht.

Hast du nichts zu sagen?
Nicht mehr als andere.

Dafür bist zu extrem präsent auf allen Kanälen.
Das stimmt gar nicht.

In meiner Bubble schon.
Das heisst nicht, dass ich extrem viel unterwegs bin.

Mein Vater kannte dich lustigerweise nicht.
Das ist nicht lustig. Ich bin ja nicht Dominique Rinderknecht, die alle kennen.

Die kenne ich nicht. Was macht sie? Sie habe ich nicht in meiner Bubble.
Sie ist eine Ex-Miss-Schweiz.

Apropos Promis: Promis sind doch reich.
Das stimmt. Ich bin auch mega reich. Ich habe zwar kein Geld, aber ich bin mega reich an Essen, Freiheit, Sicherheit, habe eine warme Wohnung, gute Freunde und grosses Glück, dass ich im besten Land der Welt lebe.

Warum ist die Schweiz das beste Land?
Weil es mega toll und schön ist, mega sicher.

Du bist sehr dankbar und bescheiden.
Ja, ist so.

Bist du eine A, B, C oder D Promi?
C.

Was ist ein A Promi?
Roger Federer.

B?
Dominique Rinderknecht, Melanie Winiger, Vujo.

C?
Gülsha.

D?
Simon Jacoby.

Cool. Dann können wir ja mal zusammen an einen Promi-Event.
Ja, über den roten Teppich schlendern.

Irgendwann hast du mir auf Whatsapp geschrieben, dass Monogamie nicht funktioniere. Wieso?
In meinem Programm geht es viel um Liebe, das Single-Leben und Monogamie. Und im Internet steht, diese funktioniere nicht. Aber ebenso das Polyamöros, Polümorö, siehst du, ich kann nicht mal das Wort richtig aussprechen. Mit einer Whatsapp-Umfrage wollte ich herausfinden, wie mein Umfeld dazu steht.

Glaubst du alles, was im Internet steht?
Nicht alles, aber das Internet ist ja wie eine Echokammer. Das Internet ist eine Wohlfühl-Bubble. Wir bewegen uns an einem Ort, an dem wir uns wohl fühlen, weil wir ihn selber füllen. Natürlich kann es mich aufkratzen, wenn ich im Internet etwas entdecke, dass ich nicht wusste. Aber eigentlich ist alles im Rahmen. Es kann mich nicht von Grund auf erschüttern. Das kann nicht funktionieren, weil die Menschen das Internet füllen. Das Internet ist nichts anderes als diese Masken gegen Mitesser, ganz viele Menschen, die sagen, dass Frauen im Fall auch nicht immer treu sind und diese drei Personen, die alles liken.

Wenn man als Pärli zu mir in die Show kommt, muss man im Nachhinein vielleicht darüber diskutieren, in welchem Stadium sich die Beziehung befindet.
Gülsha

Zurück zur Liebe: Was macht ein gutes Date aus?
Ich habe ja täglich zwei, drei Dates. (lacht schon wieder). Finde diese aber meistens ziemlich mühsam und mag es lieber, wenn organisch etwas zwischen zweien entsteht. Was ein perfektes oder ein miserables Date ausmacht, erzähle ich ab Donnerstag auf der Bühne.

Lohnt es sich also, mit einem Date an deine Show zu kommen?
Es ist wohl eher etwas frustrierend. Und wenn man als Pärli zu mir in die Show kommt, muss man im Nachhinein vielleicht darüber diskutieren, in welchem Stadium sich die Beziehung befindet.

Das war jetzt aber Anti-Werbung.
Das gibt es nicht. Ausser man wird dabei gefilmt, wie man etwas ganz Schlimmes macht.

Was könnte das sein?
Sage ich nicht. Sonst steht dann als Titel über dem Interview: Gülsha würde niemals ein Baby töten und auf offener Strasse essen.

Danke, jetzt habe ich schon einen Titel und muss das Ganze nur noch abtippen.

Gülsha ist ab Donnerstag, 23. Februar mit ihrem Schnägg auf Tour. Die Spielorte und -Daten findest du hier.

Titelbild: Mirjam Kluka

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