Grafik16: Wo die Flüchtlingssituation auf den Waffenhandel trifft

18. März 2016


An der Grafik16 zeigen ab Freitag zum fünften Mal Grafiker, visuelle Gestalter sowie Game Designer und Künstler ihre Arbeiten aus dem vergangenen Jahr.

Neben etablierten Gestaltern wie Dave «Persue» Ross oder Blanda Eggenschwiler bietet die Grafik jedes Jahr auch jungen Talenten eine Plattform, um ihre Arbeiten auszustellen. Nadja Müller, Fanny Schweizer und Ilaria Stendahl gehören zu den rund 130 austellenden Gestaltern. Die drei Studentinnen zeigen ihr Projekt «The Big Deal», das sie im Rahmen ihres Studiums in Interaction Design an der ZHdK realisiert haben. Mit der Website visualisieren sie den Waffenhandel und dessen Konsequenzen und setzen ihn in Kontext mit der aktuellen Flüchtlingssituation auf der Welt. So erfährt man beispielsweise, dass Spanien pro aufgenommenen Flüchtling 387 Waffen exportiert. Tsüri hat die drei Frauen zum Interview getroffen.

Wie ist das Projekt «The Big Deal» entstanden? Fanny Schweizer: Im Modul «Interactive Visualization» erhielten wir den Auftrag, eine Website mit dem Überthema «Flüchtling» zu entwickeln. Nadja Müller: Wir fragten uns, aus welchen Gründen Menschen flüchten. Durch eine Analyse haben wir herausgefunden, dass der Waffenhandel einer dieser Gründe ist. Wir machten uns auf die Suche nach brauchbaren Daten und überlegten uns, was wir damit anstellen können.

Mit welchen Daten habt Ihr gearbeitet? Ilaria Stendahl: Für die Flüchtlingszahlen haben wir mit der Datenbank der UNHCR gearbeitet. Die Informationen zum Waffenhandel haben wir von SIPRI. Dort sind die Waffenimporte und –exporte genau aufgezeichnet. Was fehlt, sind die Daten vom Waffenhandel auf dem Schwarzmarkt. Dazu konnten wir keine Informationen finden.

Ihr habt also nur mit offiziellen Zahlen gearbeitet. Ilaria Stendahl: Genau, wir nehmen an, dass mit Zahlen vom Schwarzmarkt-Waffenhandel das Ergebnis anders aussehen würde.

Seid ihr im Vergleich zu anderen Arbeiten bei diesem eher heiklen Thema anders vorgegangen? Fanny Schweizer: Ja, wir haben beispielsweise darauf geachtet, nur Daten zu verwenden, die vertrauenswürdig sind. Die also von offizieller Seite stammen und nicht von Institutionen, die uns unbekannt sind. Es war uns wichtig, dass die Daten auch wirklich stimmen und wir nicht irgendwelche fiktiven Angaben nehmen oder diese sogar noch verschönern. Nadja Müller: Wir haben deshalb auch viel Zeit in diese Recherche investiert und die Ergebnisse ein paar mal durchgerechnet.

Wie viel Zeit habt ihr für die Recherche und die Umsetzung gebraucht? Nadja Müller: Für das Projekt hatten wir insgesamt vier Wochen zur Verfügung. Davon brauchten wir sicher die Hälfte für die Recherche. Danach entschieden wir uns, das Projekt weiter zu verfolgen, weil wir das Thema wichtig finden und dahinter stehen können. Durch die Grafik16 wurden wir nochmals angetrieben, es abzuschliessen und online zu stellen.

Wie habt ihr die Daten schlussendlich visualisiert? Welche Gedanken habt ihr euch dabei gemacht? Ilaria Stendahl: Als erstes brauchten wir eine Aussage, die wir mit diesen Daten vermitteln möchten. Es war uns wichtig, etwas Provokatives zu gestalten. Es sollte nicht einfach nur schön aussehen, sondern das Thema auch unterstützen. Dementsprechend machten wir uns auf die Suche, was gestalterisch zu diesem Thema passen könnte. Nadja Müller: Wir haben deshalb das Design im russischen Stil gehalten und die Kalaschnikow als Aufhänger gewählt, weil sie die häufigste und tödlichste Kriegswaffe ist. Damit möchten wir unsere Geschichte erzählen. Fanny Schweizer: Zuerst hat sich jede selbst an einer Umsetzung versucht. Anschliessend haben wir aus den drei Gestaltungen die Dinge rausgepickt, die am besten funktioniert haben, um dann ein grosses Ganzes zu machen.

Wie wichtig ist euch das Verhältnis von Gestaltung und Benutzerfreundlichkeit? Fanny Schweizer: Eigentlich sind beides wichtige Aspekte. Denn wenn es nur gut aussieht, aber man es nicht bedienen kann, dann bringt es nichts. Ist es leicht zu bedienen, aber erzielt keine Wirkung, sind die Leute auch weg. Nadja Müller: Wir wollten, dass man sich mit der Website befasst und sich Gedanken darüber machen muss, was man gelesen hat. Wir versuchen zwar, den Besucher zu einer Aussagen hinzuführen, aber man kann sie auch anders interpretieren. Es soll nicht zu einfach sein und man soll sich wirklich auch durchklicken müssen.




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Welche Aussage soll denn das Projekt machen? Ilaria Stendahl: Wir möchten eigentlich keine fixe Aussage zu diesem Thema machen im Sinne von «So ist es und so ist es nicht“. Es geht mehr darum, dass der Benutzer vielleicht etwa verwirrt ist und merkt, dass doch nicht alles so klar abläuft und sich dementsprechend noch mehr mit dem Thema befasst. Am Schluss sind mehr Fragen da, als am Anfang. Fanny Schweizer: Das Projekt soll ein Denkanstoss sein. Gerade weil die Zahlen zum Schwarzmarkt nicht dabei sind und das doch auch ein wichtiger Punkt ist, merkt man, da fehlt noch etwas.

Wie geht es jetzt weiter mit dem Projekt? Ilaria Stendahl: Ich persönlich fände es cool, es noch zu aktualisieren. Das ist ein Anspruch, den ich habe. Wir sind jetzt aber gerade noch mit der Grafik16 beschäftigt, dass es bis zum Start sicher sauber aussieht und steht.

Was bedeutet es für euch, dass ihr an der Grafik16 ausstellen dürft? Nadja Müller: Wir haben uns natürlich riesig gefreut! Ich bin gespannt, zu sehen, was danach noch folgt. Wir sehen ja die Clickrates. Es ist deshalb interessant zu wissen, ob die Leute zuhause die Website nochmals anschauen. An einer Ausstellung hat man nicht so viel Zeit und man möchte sich alles ansehen.




Die Grafik16 findet vom 18. bis 20. März in der Maag Halle statt. Mehr Infos dazu hier. 

Titelbild: The Big Deal

 

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