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Von Steffen Kolberg

Redaktor

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23. Dezember 2022 um 06:00

Gemeinderätin der Woche: Lisa Diggelmann (SP)

Lisa Diggelmann ist studierte Betriebsökomin und ehemalige Profifussballerin. Als Mitglied der Rechnungsprüfungskommission wühlt sie sich durch das städtische Budget und die Jahresrechnung, in ihren Vorstössen geht es häufig um Verbesserungen in der Sportinfrastruktur der Stadt. Und noch etwas ist ihr wichtig: Dass Zürich das Drittelsziel schafft.

Lisa Diggelmann SP

(Foto: Steffen Kolberg)

«Die Budgetdebatte verlief viel angenehmer, als ich erwartet hatte», meint Lisa Diggelmann im Rückblick auf den über 13 Stunden dauernden Sondersitzungsmarathon, der am Freitagabend sein Ende fand. Die vorgängigen Abstimmungen in der Rechnungsprüfungskommission (RPK) seien deutlich anstrengender gewesen. Diggelmann ist von den vier SP-Gemeinderät:innen in dieser Kommission am kürzesten dabei. Nachdem sie im Sommer 2021 in den Gemeinderat nachgerückt war, wurde sie in der neuen Legislatur im Frühjahr 2022 Teil der RPK.

Dass sie am Redner:innenpult so routiniert mit städtischen Budgetposten hantiert, als sei sie bereits mehrere Jahre damit vertraut, liegt wohl daran, dass Diggelmann das Feld in ihrem beruflichen Alltag nicht fremd ist. Die studierte Betriebsökonomin ist Leiterin des Sportamts der Stadt Aarau. Dadurch kenne sie wichtige Grundlagen wie das Rechnungslegungsgesetz, erzählt sie. Für sie sei die RPK eine der interessantesten Kommissionen, wie sie versichert: «Es ist aufwendiger als in anderen Kommissionen, es muss einem schon liegen, mehrere hundert Seiten Budgetantrag zu lesen. Aber dafür sieht man schneller, wie die eigenen Anliegen umgesetzt werden können. So können wir im nächsten Jahr zum Beispiel die Schulrasenfelder intensiver unterhalten, die somit der Bevölkerung durchgängiger zur Verfügung stehen.»

Diggelmanns berufliche Laufbahn hatte zunächst wenig mit städtischen Finanzen zu tun: Mit 16 verliess sie ihr Elternhaus in einem solothurnischen Dorf, um an eine Sportwirtschaftsmittelschule zu gehen und an ihrer Fussballkarriere zu arbeiten. Sie spielte in den Profimannschaften des FC Aarau und des FC Luzern, entschied sich aber nach einer Verletzung, den Profisport hinter sich zu lassen. Nach Zürich sei sie gekommen, weil sie eine Wohnung in der Nähe von Aarau gesucht habe und ihre Partnerin aus Zürich sei, erzählt sie: «Glücklicherweise habe ich dann ein Zimmer in einer Mehrgenerationen-WG gefunden.»

Diggelmann ist im Vorstand der Baugenossenschaft, in der sie in Zürich lebt. Als Delegierte der Stadt Aarau ist sie Vorstandsmitglied der Sektion Deutschschweiz in der Arbeitsgemeinschaft Schweizerischer Sportämter in Bern, wo sie regelmässig auf Zürichs Verteter Filippo Leutenegger treffe, wie sie erzählt. Ihre verschiedenen Engagements seien schon aufwendig, doch man könne die unterschiedlichen Perspektiven in die jeweils anderen Ämter mitnehmen. So gehe es in ihrer Wohnbaugenossenschaft auch immer wieder darum, wie das Drittelsziel an gemeinnützigem Wohnraum in Zürich erreicht werden könne. Ein Ziel, für das Lisa Diggelmann sich auch in ihrem politischen Mandat einsetzt.

Warum sind Sie Gemeinderätin geworden?
Meine Mutter ist, seit ich denken kann, politisch aktiv und hat mir die sozialdemokratischen Werte vorgelebt. Wir haben zu Hause viel über Politik gesprochen. Als ich von der ländlichen Gegend im Kanton Solothurn nach Zürich kam, wurde mir schnell bewusst, dass wir auf dem städtischen Wohnungsmarkt ein grosses Problem haben. Die Angebotsmieten der Gewinnorientierten haben sich in den letzten 20 Jahren verdoppelt und pro Jahr bezahlen die Mieter:innen in der Schweiz 14 Milliarden Franken zu viel Miete. Mir ist die konsequente Umsetzung des Drittelsziels bis 2050 ein grosses Anliegen. Weiter sind gute Arbeitsbedingungen für das städtische Personal und die Sportförderung zentrale Anliegen, für welche ich mich im Gemeinderat engagiere.

Mit welche:r Ratskolleg:in der Gegenseite würden Sie gerne mal ein Bier trinken gehen?
Ich würde mich gerne mit Serap Kahriman (GLP) über ihre PR-Aktion Zelten auf dem Balkon während des Wahlkampfs unterhalten und sie fragen, weshalb sich die GLP nicht intensiver für mehr bezahlbare Wohnungen einsetzt.

Welches Abstimmungsergebnis hat Sie bisher am meisten geärgert?
Die Abstimmungen, bei welchen die AL ohne wirklich schlüssige Argumentationen nicht im Sinn der Sache agierte, da mich jene Ergebnisse besonders enttäuschen. Zum Beispiel beim Uetlihof-Kauf oder letzte Woche beim Budget 2023. Wir wollten den Stadtrat auffordern, Mieter:innen beim Anstieg des hypothekarischen Referenzzinssatzes mittels Rundschreiben über ihre Rechte bei ungerechtfertigten Mietzinserhöhungen aufzuklären. Die AL lehnte den Vorstoss aber mit fadenscheiniger Argumentation ab und brachte das Anliegen zu Fall.

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