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Von Steffen Kolberg

Redaktor

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16. Dezember 2022 um 08:00

Gemeinderätin der Woche: Cathrine Pauli (FDP)

Die Parlamentsarbeit gebe ihr einen gewissen Kick, erzählt Cathrine Pauli. Die FDPlerin teilt am Redner:innenpult gerne aus, doch sie schaue immer, «dass es auch eine sachpolitische Komponente hat.» Pauli hat in vielen Teilen der Welt gelebt und gearbeitet. Der Blick von aussen habe sie zu einer überzeugten Schweizerin gemacht, sagt sie.

Cathrine Pauli, FDP

(Foto: Steffen Kolberg)

Als sie bei den letzten Gemeinderatswahlen nicht wiedergewählt wurde, sei das eine der härtesten Nächte ihres Lebens gewesen, sagt Cathrine Pauli. Die FDP-Politikerin, die nach ihrem Nachrücken in den Gemeinderat 2020 zu den bekanntesten Gesichtern ihrer Fraktion avancierte, hat mit Wahlkämpfen und Social-Media-Präsenz ihre Mühe, sie mache lieber Sachpolitik, was ihr aufgrund ihrer breiten beruflichen Erfahrung liege.

Die Nicht-Wahl habe ihr schlagartig bewusst gemacht, wie viel Spass ihr die parlamentarische Arbeit mache, so die 54-Jährige. «Sie gibt mir einen gewissen Kick», fügt sie hinzu, und wenn sie an das Redner:innenpult tritt, ist schnell klar, was sie damit meint: Pauli fühlt sich in der politischen Debatte wohl, tritt selbstbewusst auf und teilt gerne aus. «Ich kann durchaus bashen», sagt sie selbst: «Aber ich schaue immer, dass es auch eine sachpolitische Komponente hat.»

Als Grüne und SP bei der Budgetdebatte am Mittwoch Geld für zusätzliche Stellen für Solarbeauftragte forderten, um den Photovoltaikausbau bei städtischen Liegenschaften zu beschleunigen, verwies sie in ihrer Ablehnung auf das Photovoltaik-Strategiepapier der Stadt Zürich und erklärte: «Die Stadt hat bereits eine Strategie und eine klare Stossrichtung. Es ist wichtig, dass der Ausbau in diese Rahmen klar koordiniert wird.»

Als Mitglied der Rechnungsprüfungskommission stellte sie auch die Fraktionserklärung der FDP zum Budget 2023 vor. «Ich habe heute extra mein tigerähnliches Kleid angezogen», erklärte die Leopardengemusterte in einem Anflug von Grosskatzenverwechslung, «denn wir müssen mal wieder den Züri Leu verteidigen.» Ihre Fraktion forderte unter anderem eine Steuersenkung angesichts des jährlich budgetierten Verlusts, der dann in der städtischen Rechnung eineinhalb Jahre später wieder als überraschender Gewinn ausgewiesen werde.

Bevor sie in die Rechnungsprüfungskommission kam, war Pauli Teil der Spezialkommission Hochbaudepartement. Die beiden Kommissionen bilden ihre fachlichen Ausbildungen ab: Sie hat zum einen einen ETH-Abschluss in Architektur und arbeitete als Architektin und Bauarchäologin in Deutschland, Ägypten und Syrien. Ausserdem absolvierte sie einen Master of Business Administration in Paris und ist aktuell als Interimsmanagerin im Infrastrukturbereich des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung tätig.

Pauli ist in Dänemark geboren und wuchs in Basel, Deutschland und den USA auf. Sie sei stolz darauf, dass sie die Schweiz von aussen kenne, sagt sie. Das habe sie zu einer überzeugten Schweizerin gemacht: «Ich finde, unsere Demokratie ist einzigartig in der Welt. Und ich würde alles tun, um sie zu verteidigen.» Die Demokratie, und mit ihr die liberale Gesellschaftsordnung, sei eines der vulnerabelsten Dinge, das wir haben, ist sie überzeugt. Angesichts der Beeinflussung von Wahlen durch Fake News und billigen Journalismus müsse man darauf achten, dass die jungen Generationen lernten, Informationen zu validieren, so die Mutter von zwei jugendlichen Kindern.

Warum sind Sie Gemeinderätin geworden?
Ich möchte mich für unsere Demokratie und liberale Gesellschaftsordnung einsetzen. Dies ist meines Erachtens die grösste Errungenschaft der modernen Zeit. Diese gilt es zu verteidigen, vor allem in Zeiten von Fake News und Populismus.

Mit welche:r Ratskolleg:in der Gegenseite würden Sie gerne mal ein Bier trinken gehen?
In der letzten Legislatur wäre ich wirklich gerne einma mit Willi Wottreng ein Bier trinken gegangen. Im heutigen Gemeinderat wäre es vielleicht Dominik Waser.

Welches Abstimmungsergebnis hat Sie bisher am meisten geärgert?
Wir sind meistens in der Minderheit und verlieren die Abstimmungen. Man stumpft dann wirklich ab, so dass man aufhört, sich über Abstimmungsergebnisse zu ärgern.

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