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Von Lara Blatter

Redaktorin

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25. November 2022 um 05:00

Gemeinderätin der Woche: Anna Graff

Seit dem Frühjahr ist Anna Graff im Gemeinderat. Mit 24 Jahren gehört die Biologin zu den Jüngeren im Rat, doch unerfahren ist sie nicht. Die SP-Politikerin kann auf eine gut zehnjährige Politkarriere zurückblicken.

Für Anna Graff ist Politik mehr als nur parlamentarische Arbeit. (Foto: Lara Blatter)

Sie ist 24 Jahre alt, macht seit gut zehn Jahren Politik für die SP und sitzt seit diesem Frühjahr im Zürcher Gemeinderat. Dort will sich Anna Graff für mehr Gerechtigkeit, mehr Velowege und eine nachhaltige Zukunft einsetzen. 

Zusammen mit David Garcia Nuñez (AL) und Anna-Béatrice Schmaltz (Grüne) hat sie den Vorstoss über Schutzunterkünfte für non-binäre Personen eingereicht, der diese Woche im Gemeinderat behandelt wurde. Mit 71 Stimmen stimmte der Rat dem Postulat zu, das den Stadtrat auffordert, Schutzunterkünfte und Kriseninterventionsstellen für gewaltbetroffene Personen so weiterzuentwickeln, damit auch Personen, die sich weder als Mann noch als Frau identifizieren, spezifischen Schutz bekommen. «Queere Menschen sind zusätzlichen Gewaltformen ausgesetzt. Diese Lücke müssen wir schliessen. Eine non-binäre oder agender Person, die Schutz braucht, passt weder ins Frauen- noch ins Männerhaus», sagt Graff.  

Die 24-Jährige ist bei der städtischen SP in der Geschäftsleitung und da für das Thema «Velo» zuständig. Zudem war sie Mitinitiantin der Velorouteninitiative, die 2020 mit grosser Mehrheit angenommen wurde. Der Einsatz fürs Velo sei für sie mehr als nur Lokalpolitik: «Unsere Probleme sind global, aber auf lokaler Ebene sieht man diese vielleicht schneller und kann Dinge anreissen.» 

Graff ist in keinem parteipolitischen Haushalt aufgewachsen, dennoch fand sie mit 13 Jahren den Weg in die Juso. «In der JUSO und der SP habe ich Mitstreiter:innen gefunden, um tatsächlich etwas zu verändern», sagte sie in einem früheren Gespräch gegenüber Tsüri.ch. Politik sei aber mehr als nur parlamentarische Arbeit. «Ich bin sehr politisch aufgewachsen, wir haben zuhause viel diskutiert – über gesellschaftliche Fragen, Ungleichheiten und Privilegien», sagt sie. Aufgewachsen ist Graff in Australien, ihre Eltern sind aus Deutschland und Brasilien. Den grössten Teil ihres Lebens habe sie aber in Zürich verbracht. Zürich sei ihr Zuhause. Genauer: der Kreis 2. Dort wohnt sie zusammen mit drei Kolleg:innen und ihrer Ehefrau in einer WG. Seit zwei Monaten sind sie verheiratet und haben ihre eingetragene Partnerschaft umgetragen, was seit diesem Sommer dank der Ehe für alle nun endlich möglich sei. 

Als Biologin doktoriert Graff derzeit an der Universität Zürich. Ob sie ihre Zukunft in der Politik oder in der Wissenschaft sieht, kann sie nicht sagen. «Die Arbeit im Gemeinderat macht mir Spass, aber sie ist kein Sprungbrett.» Explizite politische Pläne habe sie nicht, sie wolle einfach etwas bewegen – und das sei lokal am einfachsten. 

Warum sind Sie Gemeinderätin geworden?

Während die Klimakrise quasi ungebremst fortschreitet, verschärfen sich auch globale Ungleichheiten: Die Reichen werden auf Kosten der Mehrheit immer reicher. Auch die Schweiz und Zürich sind von diesen Entwicklungen nicht ausgenommen. Das finde ich bedrohlich und zutiefst ungerecht und das treibt mich darum an, in der Politik mitzugestalten. Zürich als reiche Stadt hat nicht nur viele Möglichkeiten, sondern auch eine besondere Verantwortung, nachhaltige und zukunftsträchtige Politik voranzutreiben.

Mit welcher Ratskollegin der Gegenseite würden Sie gerne mal ein Bier trinken gehen?

Mit Sanija Ameti (GLP) würde ich mich gerne für eine ausführliche Unterhaltung über Perspektiven für eine Europäische Union mit Zukunft treffen.

Welches Abstimmungsresultat hat Sie bisher am meisten geärgert?

Mich ärgern immer wieder Abstimmungsresultate. Besonders ärgerlich sind jene Abstimmungen, die um wenige Stimmen verloren werden. Da frage ich mich oft, ob ich mehr hätte dazu beitragen können. Jüngst ist die AHV21 in Kombination mit der Mehrwertsteuererhöhung sehr knapp angenommen worden. Dieses Resultat fand ich einen besonders harten Schlag ins Gesicht der Frauen und Wenigverdienenden.

Sie sitzen seit nun gut einem halben Jahr im Gemeinderat. Was haben Sie seither gemacht?

Als Mitglied der Sachkommission Sicherheitsdepartement/Verkehr befasse ich mich insbesondere mit Verkehrsprojekten. Ich habe schon einige Vorstösse für die Verkehrswende und stadtgerechten Verkehr eingereicht, von denen welche bereits überwiesen wurden. Ich bearbeite aber auch andere Themen, die mir wichtig sind, zum Beispiel Gleichstellungspolitik, Massnahmen zur Eindämmung der Pandemie und Versuche für eine Arbeitszeitreduktion.

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