Die GDS-Awards: Und der goldige Lachs geht an?

Diesen Samstag finden im «Sender» zum zweiten Mal die GDS-Awards statt. Mit seinem Radio GDS.FM bietet Christian Gamp der lokalen Musikszene seit Jahren eine alternative Plattform. Deren Wichtigkeit ist kaum zu überschätzen. Ein Portrait.
22. Januar 2018

Vergangene Woche war ich zum ersten Mal im Sender. Etwas abseits vom Langstrassentrubel liegt der Klub, das ehemalige La Catrina, in einer unscheinbaren Seitengasse. Rechts neben dem Eingang thront eine Leuchtfassade, die das monatliche Programm präsentiert. Mit wenigen Ausnahmen treten vor allem lokale Bands und DJs auf. Einige Slots sind mit Klebeband überklebt, worauf kurzfristige Programmänderungen geschrieben stehen.

Durch eine gläserne Türe, die ein charmanter Türsteher öffnet, gelangt man einen kleinen Vorraum passierend in den nicht viel grösseren Klubraum. Links steht ein kurzer Bartresen und rechts auf einem Podest sind einige Stühle und Tischchen dicht an die Wand gedrängt. Dünne, farbig blinkende Leuchtröhren sind in einem Zickzackmuster an der Decke befestigt. In der hinteren Ecke ist der DJ. Über dem Pult leuchtet die von der Decke hängende Überschrift: On Air.

Als ich den Klub gegen 1 Uhr betrete und durch das dichte Gedränge die Bar zu erreichen versuche, läuft Sweet Dreams von Eurythmics. Der Raum ist rappelvoll und die Musik wird begleitet vom Gejohle des bunt durchmischten Publikums. «An den GDS-Awards», so versichert mir Christian Gamp, «wird ein bisschen andere Musik laufen». Gerade geht der Sound von «Toxic» zu «I’m a Barbie Girl» über. Der DJ meistert die Übergänge gekonnt und ein Mann mit Hornbrille und Karohemd schwingt seine Hüften in der Mitte des Dancefloors. Eine halbe Stunde später spielt der DJ, zu meinem grössten Vergnügen, den Jingle der Serie «Curb your Enthusiasm.» Gegen drei Uhr verlasse ich, völlig versoffen, den Klub.

Ein Radio gegen den Strom

Christian, der vor allem für das von ihm ins Leben gerufene Internetradio GDS.FM bekannt ist, hat den Sender vor gut einem Jahr eröffnet. «Ich hatte schon lange den Wunsch, eine Bar zu eröffnen. Jetzt kann ich mir auch einen bescheidenen Lohn auszahlen und bin immer bei der Musik. Unser Radio ist ja werbefrei und das Gastrogewerbe ist da unsere Haupteinnahmequelle». Der gelernte Kaufmann konnte mittlerweile seinen Job bei einer Werbeagentur aufgeben und sich voll seiner Leidenschaft zuwenden. Diese dreht sich in erster Linie um Musik.

GDS.FM wurde 2012 als Alternative zu den immer gleichen Chartsendern ins Leben gerufen. Mittlerweile ist die sanfte Stimme Christians aus etlichen Zürcher Wohnungen – zumindest aus meiner – nicht mehr wegzudenken und die Wichtigkeit dieses Radios für die Zürcher Musikszene ist kaum zu überschätzen. Denn jede Stadt braucht ein Radio, dessen Playlist nicht dem Diktat einer ökonomischen Marktlogik unterworfen ist. Vor allem für kleinere, weniger bekannte Künstler*innen bietet ein unabhängiges Lokalradio eine wichtige Plattform. Ohne ein alternativ ausgerichtetes Radio versinkt eine Stadt letztlich in einem musikalischen Einheitsbrei (das Gleiche gilt natürlich für den Lokaljournalismus).

Mit seinem Radio fördert Christian auch die Internationale Strahlkraft der lokalen Musikszene. 15% der Zuhörer*innen sind im Ausland. Die von Adrian Hoenicke auf GDS betriebene Sendung «Helvetica», die regelmässig Schweizer Musik präsentiert, ist in englischer Sprache moderiert und wird auch auf Hoxton FM in London, ACME Radio in Nashville und Berlin Community Radio ausgestrahlt. Geradezu ironisch mutet es an, dass sie für diese Sendung von der Stiftung pro Helvetia immer eine Absage erhielten. Die Antwort war stets: Sorry, wir unterstützen kein Radio.

Jules und Spatz gewannen letztes Jahr mit ihrem Rotwii-Lied in der Kategorie Best Song. (GDS.FM)

Wer ist die Beste im ganzen Land?

Diesen Samstag finden in den Räumlichkeiten des Senders die GDS-Awards statt. Zur Auswahl stehen aus der ganzen Schweiz kommende Acts und Labels in acht verschiedenen Kategorien. Die Sieger*innen werden per Jury- und Publikumsvoting (Eingabeschluss am 24. Januar, also beeile dich!) auserkoren. Auf ein reines Publikumsvoting habe man verzichtet, damit nicht bloss diejenigen Kanditat*innen mit der besten Socialmediastrategie gewinnen. Im Publikumsvoting bevorteilt sind natürlich auch Bands – der Fairness halber sollen hier keine Namen genannt werden –, die in zeitlicher Nähe zu den Awards ihre Tracks veröffentlichten.

Ein Blick auf die Anwärter*innen zeigt, dass der Fokus stark auf die Zürcher Szene gelegt wird. Einige Acts aus Luzern, Bern, Basel oder dem Tessin haben es dennoch auf die Liste geschafft. In der Kategorie «Best Song» lässt sich in groben Zügen vielleicht auch der für Zürich typische Sound ablesen: Es dominiert melodiöser Gesang mit elektronischen Beats garniert. Auch in der Kategorie «Best Club-Track» herrscht ein bestimmter Groove vor. Man könnte behaupten, ein bestimmter «Züri-Groove», der zu den kuscheligen Techno-Clubs mit ihren flauschigen Teppichböden und in warmen Strichen gefärbten Wandtapeten passt. Zürich war schon immer ein Ort für jene, die zwar ein bisschen Stadtluft schnuppern wollten, ohne dabei die Vorteile provinzieller Gemütlichkeit vollständig einbüssen zu müssen. Ein bisschen Härte, einige raue Kanten, würde es hier allemal vertragen.

Klar, man kann nicht – und muss auch nicht – jedem Geschmack gerecht werden. Gerade in dieser Hinsicht unterscheiden sich die GDS-Awards auch von anderen Preisverleihungen. Bei den Swiss Music Awards oder den von Carlsberg gesponserten Swiss Nightlife Awards stehen vor allem das Geld und die Produktvermarktung im Vordergrund. Da nimmt schnell auch der Mainstream die Überhand. Die GDS-Awards bilden da einen Gegenpol: «Wir haben das nominiert, was uns gefällt. Die Auswahl ist sehr persönlich. Wir wählen nicht nach den Ergebnissen der Marktforschung aus», meint Christian.

Am Ende gehe es nicht einfach darum, zu bestimmen, wer der Beste sei. Die Sieger*innen kriegen auch kein Preisgeld – dafür aber einen in Begriffen des Geldes nicht zu wertenden goldigen Lachs! «Wir wollen den Leuten tolle Musik präsentieren und eine jährliche Plattform schaffen, die die ganze Szene zusammenbringt.» Gewinner*innen sind schliesslich die Künstler*innen wie auch das Radio. «Ich finde es mega toll, wenn beispielsweise Len Sander in der Mitte eines Konzerts im vollen Stall 6 eine Danksage für die Unterstützung, die sie von GDS.FM erhält, ausspricht.» Lokale Musikszene und unabhängiges Lokalradio bilden eine unzertrennliche Symbiose.

  • Auch du kannst mitentscheiden, wer gewinnen wird. Hier geht’s zum Voting: http://gds.fm/awards-2017. Einsendeschluss ist am 24.1.2018!

Offizielle Preisverleihung am 27.1.2018 ab 18 Uhr im Sender, Kurzgasse 4. Eintritt ist gratis.

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Titelbild: GDS.FM

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