GDS.FM will nicht nur Radio sein: «Der Traum ist ein öffentliches Studio samt Barbetrieb.»

Interview mit Chrigi G. us Z.
19. April 2016


Musik und Partys: So kann das Konzept des Internetradios GDS.FM in aller Kürze zusammengefasst werden. Anlässlich des zweiten Geburtstags vom Radio erklärt der Gründer Christian Gamp (Chrigi G. us Z.) im Interview, warum Zürich ein eigenes Internetradio braucht, woher die Motivation für die viele Gratisarbeit kommt und warum GDS eine eigene Beiz gut tun würde.

Ende April feierst du mit GDS.FM den zweiten Geburtstag. Was war das schönste in dieser Zeit? Die Rückmeldungen von den unterschiedlichsten Menschen geben mir Mut, Freude und das Gefühl, etwas wichtiges zu machen. Viele DJs sind seit Jahren mit dabei, ständig kommen neue dazu und auch die Hörer- und Mitgliederzahlen gehen nach oben. Trotz Spotify hören die Leute unser Radio, haben Freude und machen mit.

Inzwischen ist GDS schon fast etabliert und ihr sendet regelmässig von grossen und kleinen Festivals und habt im Winter im Kauz eine eigene wöchentliche Partyreihe. Wie erklärst du dir den Erfolg? Einerseits geben wir den DJs und Musikern eine Plattform, die es in dieser Art vorher noch nicht gab – das spricht sich in der Szene natürlich rum und das Netzwerk vergrössert sich ständig. Andererseits treffen wir mit der Musikauswahl offenbar den Geschmack von ziemlich vielen Zürcherinnen und Zürchern.

Warum hast du das Radio gegründet? Dachtest du, es gäbe noch nicht genug Internet-Radios? Ja, genau. In Zürich gab es schlicht noch kein gutes Radio. Zuerst wollte ich zwei bestehende adaptieren, aber die hatten keine Lust, dass wir alles umkrempeln. Also habe ich mir die Domain GDS.FM gekauft und mein eigenes Radio gemacht. Die wöchentlichen 35’000 Klicks auf den Playbutton unserer Webseite geben mir recht, dass dies eine gute Entscheidung war.

Warum ist es wichtig, dass Zürich ein eigenes Internet-Radio hat? Sicher, es gibt sehr gute internationale Internetradios. Weil wir eine Mischung aus Radio und Partylabel sind, ist das Lokale für uns schon sehr wichtig: Die Events und der Sender treiben sich gegenseitig an.

Neben den Events sind die Mitgliedschaften die wichtigste Einnahmequelle. Weshalb soll ich dem Verein beitreten, wenn die Musik sowieso gratis aus dem Internet kommt? Das ist eine einfache Frage: Weil du mit diesen 65 Franken ein werbefreies und unabhängiges Radio unterstützt. Zudem bist du ein Teil der Community und profitierst von Vergünstigungen bei Konzerten und Partys. Wenn wir dann ein eigenes Lokal haben, können wir den Mitgliedern natürlich noch mehr bieten.


Der Plan ist also, ein eigenes Lokal zu betreiben? Mein Fernziel und Traumjob ist es, ein Gastrobetrieb mit Radio zu kombinieren. Beides alleine wäre auf lange Sicht wohl langweilig, kombiniert ist es ziemlich spektakulär. Ich bin mir sicher, dass es klappt und wir dann auch davon leben können. Bis es soweit ist, chrampfen wir halt weiter.

Chrampfen ist ein gutes Stichwort: Wie gross ist der Arbeitsaufwand für den Sender? Neben meinem Brotjob bei einer Plakatfirma arbeite ich sicher über 100 Stellenprozente für GDS. Dies natürlich (neben den DJ-Gagen) unbezahlt, wie die allermeisten anderen freiwilligen Mitarbeiter auch.

Hast du nie Zweifel oder fragst dich, ob sich der ganze Aufwand überhaupt lohnt? Was mich mega nervt, ist, dass ich nie richtig weg kann ohne Radio: Es muss jede Woche irgendeine Liveshow oder ein Event her. Ich weiss nicht, wann ich das letzte mal richtig Ferien gemacht habe. Am Sonntag frage ich mich jeweils schon, wie lange das so weitergeht mit der vielen Arbeit und dem nicht vorhandenen Geld. Wenn ich dann aber am Montag die Mails lese, neuen Sound höre und den Partyplan für das Wochenende mache, kommt die Motivation wieder. In der Schweiz und in Zürich haben wir das Privileg, selber etwas anzureissen und ich bin optimistisch, dass alles gut kommt und ich bald vom Radio leben kann.




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Wird sich gds in Zukunft inhaltlich verändern? GDS.FM bleibt ein werbefreies Musikradio und ein Musikblog mit lokalem Touch und bietet immer mehr auch redaktionellen Inhalt auch im Stream. Ein Talkradio werden wir aber auf keinen Fall. Wir werden unser Programm wie bisher mit Zürcher Labels und Musikern weiter ausbauen, aber gleichzeitig auch unser internationales Netzwerk vergrössern. So ist zum Beispiel eine Sendung auf Englisch geplant, in der wir Schweizer Musik den HörerInnen im Ausland vorstellen und so auch immer mehr internationale Acts auf unser Radio stossen. Zürcher Musik muss dringend noch mehr gepusht werden. Grosses Potenzial ist definitiv vorhanden.

Chrigi G. us Z. feiert am Freitag, 22. April im Stall 6 mit einer grossen Party den zweiten Geburtstag von GDS.FM. Als Member kommst du natürlich günstiger an ein Ticket.

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