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«Wer diesen Ort nutzt, muss ein Statement zur Gentrifizierung abgeben»

Im Interview: Gartenbeiz zum Gaul
09. August 2015
Chefredaktor


Seit gut fünf Jahren gehe ich regelmässig in der Gartenbeiz zum Gaul Burger oder Fish & Chips essen. Früher hiess der Imbiss beim Bahnhof Hardbrücke noch Rössli, weil er zum Restaurant Rosso gehörte. Seit zwei Jahren ist der Gaul nun eine eigene Firma, das Essen hat sich seither etwas verändert und die politische Haltung der Betreiber wird nun noch offensichtlicher. Ich habe mich mit dem Geschäftsführer Johannes Borner unterhalten.

«Fuck Nationalism» steht auf der Homepage, «Gegen das Konstrukt von Nation und Rasse!» steht auf Facebook und überall hängen kommunistische Plakate rum. Seid ihr Aktivisten oder Gastronomen? Hier sind wir in erster Linie Gastronomen. Es ist allerdings schwierig, diesen Standort zu nutzen, ohne ein Statement zur Gentrifizierung abzugeben. Deshalb verstecken wir unsere politische Einstellung nicht.

Habt ihr eine politische Vision? Klar, im Bezug auf die Gartenbeiz heisst diese faire Arbeitsbedingungen und gleicher Lohn für alle. Es ist natürlich immer ein Widerspruch Chef zu sein – das Geld wird ja schliesslich von allen erwirtschaftet. Das wichtigste ist mir, dass alle Mitarbeiter sagen können, was sie wollen, ohne mit Repressionen rechnen zu müssen.

Was sind die Reaktionen, wenn Banker aus dem Prime Tower bei euch essen kommen? Ich frage mich auch, ob wir hier einen Ausverkauf der linken Ästhetik veranstalten, weil wir Geld verdienen müssen. Es gibt drei Arten von Gästen, die zu uns kommen: Die ersten schätzen unser politisches Statement, die zweiten verstehen nicht, worum es geht und kommen trotzdem und die dritten ignorieren das Ganze. Es gibt auch sicher Leute, die nicht kommen, weil sie sich gestört fühlen.

Wie zeigt sich eure politische Grundhaltung beim Essen? Wir versuchen möglichst regional, saisonal und bio einzukaufen und haben auch ein veganes Angebot.

Bedient ihr damit den aktuellen Hype? Nein, wir arbeiten schon seit Jahren nach diesen Prinzipien – früher im Zähringer und seit zwei Jahren hier im Gaul. Ich glaube übrigens, dass dieser Trend nach veganem und regionalem Essen bald wieder vorbei ist. Er wird schon heute voll vermarktet und ausverkauft.




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In den letzten Jahren wechselten die Teams hinter dem Tresen recht häufig. Wie lange haltet ihr noch durch? Unser Vertrag ist begrenzt auf Ende 2016. Wir gehen aber davon aus, dass wir noch etwas länger bleiben können. Auch wenn es sehr viel Spass macht, bin ich irgendwie auch froh, dass der Gaul ein befristetes Projekt bleibt. Es ist sehr intensiv, was wir hier machen, das ist nicht ewig möglich.


Auf Tripadvisor hast du dir selber fünf Punkte gegeben. Ist alles perfekt hier? Nein, natürlich nicht. Es ist eine monotone, dreckige und fettige Arbeit, die wir hier machen. Und obwohl es sehr gut läuft, können wir leider die Löhne noch nicht erhöhen. Wir haben auch einige Dinge ausprobiert, die nicht so richtig funktioniert haben. Das Mittagsmenu ist so ein Beispiel: Es ist zwar spannend, verkauft sich aber nicht so gut. Wir müssen natürlich Kompromisse eingehen, wehren uns aber erfolgreich dagegen, nur ein Burgerschuppen zu sein.

Du sprichst sehr offen. Wie wichtig ist Transparenz nach innen und aussen? Offenheit und Transparenz schafft klare Verhältnisse und bringt Verständnis. Aber klar: Wenn uns jemand einen Strick drehen will, ist das so natürlich einfacher.

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