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«Für einen Dreier bin ich zu sehr Einzelkind»

GG Margaux hatte seit Monaten keinen Sex. Jetzt sucht sie auf Tinder eine Frau, bekommt dabei aber eher Komplexe als Likes. In einer losen Serie erzählt sie davon.
18. Juni 2021
Kolumnistin

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«Ich glaube ich bin hässlich», schreibe ich meinem guten Freund Jan und meine es nur halb ironisch. «Ich hab in fünf Stunden drei Likes bekommen, alle drei von Paaren, die ne Dritte für eine Nacht suchen.»

Natürlich bin ich nicht hässlich, jedenfalls nicht mehr nach 9 Uhr morgens. Ich kann ohne gross nachzudenken fünf Körperteile an mir aufzählen, die ich superschön finde, Gesicht inklusive.

Jan schreibt zurück, er habe mir ja gesagt, ich solle von Tinder nicht zu viel erwarten. Recht hat er. Das Niveau bewegt sich irgendwo zwischen Erdkern und Tiefsee.

Weil ich aber seit Monaten keinen Sex mehr hatte und dank Corona die Möglichkeit, Frauen kennenzulernen, einiges an Phantasie benötigt, will ich an meinem Selbstexperiment festhalten. Die App bleibt vorläufig auf meinem Handy.

Das Ziel: Mich wild durch die Weltgeschichte zu vögeln. Warum? Warum nicht?!

Nach zwölf Stunden habe ich mein Tinderprofil drei Mal angepasst, vier weitere Fotos hochgeladen und im Text meinen Instagram-Namen hinzugefügt. Und dazugeschrieben: «Ich will keinen Dreier, weil ich Einzelkind bin und nicht teilen kann.» Hat insofern funktioniert, dass ich jetzt gar keine Likes mehr kriege. Also installierte ich noch HER, eine Dating-App für Frauen, die Frauen lieben

Mit dem Gedanken wieder aktiv auf Datingapps rumzugammeln, spiele ich schon länger, habe aber aus Rücksicht auf das gebrochene Herz meiner Ex verzichtet. Jetzt ist die Zeit gekommen. Das Ziel: Mich wild durch die Weltgeschichte zu vögeln.

Warum? Warum nicht?!

Ich hatte vor zweieinhalb Jahren mein Coming out, gleich danach lernte ich meine erste Freundin Jennifer kennen, die mich vier Monate später für eine andere Frau verliess. Getroffen haben wir uns auf HER, der Datingapp für frauenliebende Frauen. Nachdem Jennifer mich abserviert hatte, klebte ich die Scherben meines Herzleins wieder zusammen und wollte mich in den Teich der wilden Singles werfen.

Aber dann kam Janina. Sexy und sinnlich wie sie war, tanzte meine Libido glücklich Lambada und nach einigen Wochen hin und her, ja und nein, war ich wieder in einer Beziehung. Bye Single-Teich! Vielleicht das nächste Mal...

Das nächste Mal Single-Sein kam nur wenige Wochen später, weil das mit Janina emotional einfach nicht hinhauen wollte. Ich trennte mich von ihr, fühlte mich klasse, das schlechte Gewissen ihr gegenüber schluckte ich runter. Wir haben eh nicht zusammengepasst.

Der Kick, der ein Match mit sich bringt, der ist Klasse. So ein bisschen wie ein Vororgasmus.

Aus dem wilden Singleleben, das ich mir vorgestellt hatte, wurde aber nichts. Ich installierte HER, und deinstallierte es nach einigen Wochen wieder. Datingapps. Es ist eine Hassliebe, sag ich euch. Denn es passiert etwas mit meinem Selbstwertgefühl. Kriege ich wenige Likes und nur solche von Frauen, die ich nicht treffen (geschweige denn vögeln) will, weil da wirklich grad gar nichts passt, hinterfrage ich sofort meine Fotogenität, meine Figur, meinen Style und überhaupt meine ganze kleine Welt. Und das ist Scheisse.

Dann kann ich Bäume ausreissen, bin cool, bewundere meine Augen und mache Selfies ohne Filter. Geiler Scheiss, will mehr davon! Toppen kann das Gefühl nur eine Knutscherei an einer Party.

(Eine Schweigeminute für all die Tanzleilas, deren Offstream-Beauty ich von weitem hätte anschmachten können, mir die Seele aus dem Leib getanzt, gelacht, getrunken, wie ein Loch geraucht hätte und schlicht glücklich gewesen wäre. F*** di Corona.)

Jetzt begebe ich mich also in den Single-Teich, swipe meine Daumengelenke wund, schwanke hin und her zwischen Top und Flop.

Nach Janina war ich acht Monate Single und bis auf ein paar heisse Flirts hatte ich NICHT EIN EINZIGES MAL SEX!!! Das passiert mir nicht noch einmal, Leute.

Überhaupt hatte ich wenig Sex. Denn meine letzte Beziehung mit, nennen wir sie Anna, war sextechnisch nicht umwerfend. Vor allem weil auch da emotional einiges nicht so gepasst hat. Wir haben trotzdem zehn Monate durchgehalten.

Jetzt begebe ich mich also in den Single-Teich, swipe meine Daumengelenke wund, schwanke hin und her zwischen Top und Flop und erkenne bereits nach zwei Tagen, was ich nicht mag: niveauloses anbaggern.

Wer mich nice findet, cool! Wer mich heiss findet, noch besser! Aber ich mag es nicht, nach jedem Satz Süsse genannt zu werden und zu lesen wie gut ich aussehe. Denn auch wenn es um was Lockeres geht, Stil ist nicht das Ende des Besens. Ich will trotzdem wissen ob sie gerne liest, ob sie die Natur mag, ihre Stimme vier Oktaven höher wird, wenn sie eine Babykuh sieht und ob sie ihre Pizza mit Ananas bestellt oder nicht.

Hach, it’s a jungle out there.


GG Margaux ist zu Hause, wo ihre «Inspiration ist und wo ihr Herz ein wenig schneller schlägt; Basel, Zürich, Bern, Luzern», wie sie sagt. Das ist, wenn sie ehrlich ist, einfach ein Euphemismus für den Aargau, wo sie eigentlich lebt. Auf der Suche nach IHR tindert sie sich aber auch durch Zürich.

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