Das Interview aus dem Polizei-Kessel der Frauendemo

Frauen demonstrierten für Frauenrechte und wurden von männlichen Polizisten stundenlang festgehalten.
09. März 2017

Am Dienstagabend haben in Zürich Frauen für ihre Rechte und gegen das Patriarchat demonstriert. Dabei ist es bei der Langstrasse zu einer grossen Polizei-Aktion gekommen – der Umzug wurde eingekesselt, die Personen kontrolliert und registriert. Demonstrierende sprechen von circa 350 Teilnehmenden, die Polizei schreibt von 100 bis 200 Personen. Tsüri hat mit einer Demonstrantin über den Abend gesprochen.

Kannst du uns erzählen, was passiert ist?
Zu Beginn der Demo waren wir ungefähr 50 Personen, später wurden es immer mehr, die vom Kanzlei-Areal via Stauffacher zur Europaallee spaziert sind. Während der ganzen Zeit fuhr ein Kastenwagen der Polizei voraus. Erst am Ende der Lagerstrasse blockierten sie plötzlich den Weg und als wir nicht sofort stoppten, wurden wir mit Gummischrott beschossen und eingekesselt.

Hat es Verletzte gegeben?
So weit ich weiss, nichts Schlimmes. Natürlich wurden einige von den Gummigeschossen getroffen aber das Dümmste war, dass wir danach während Stunden in dieser scheiss Kälte und Nässe festgehalten wurden.

Seid ihr durchsucht worden?
Ja, komplett. Alle Taschen und den ganzen Körper – immerhin mussten wir uns nicht ausziehen. Natürlich haben sie die Ausweise kontrolliert und uns fotografiert.

Warum dauerte es mehrere Stunden, bis du dich wieder frei bewegen konntest?
Es ist irgendwie ironisch: Wir waren nur Frauen in der Demo, weil wir ja für die Frauenrechte demonstrierten. Bei der Polizei gibt es aber fast keine Frauen. Doch weibliche Personen dürfen nur von Polizistinnen untersucht werden. Also dauerte es mega lange, bis sie mit allen fertig waren.

Die Polizei spricht von mehreren Tausend Franken Sachschaden. Was habt ihr kaputt gemacht?
Eigentlich nichts. Es gab einige Sprayereien und Plakate an die Wände.

Wo wollte der Umzug noch hin?
Nicht mehr weit: Nur noch um die Ecke und dann wieder zurück zum Kanzlei-Areal. Unsinnig, dass 50 friedliche Frauen von einem solch grossen Aufgebot gestoppt und registriert werden.

Danke für das Interview.

Während der Einkesselung wurde die Unterführung der Langstrasse für den Auto- und vor allem auch den Busverkehr ohne Not gesperrt. Als sich immer mehr Menschen mit den Demonstrantinnen vor der Absperrung solidarisierten, formierte sich eine spontane Demonstration. Daraufhin fuhr die Polizei mit zwei Wasserwerfern auf und löste den Umzug mit Tränengas auf.

(jas/wod)

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