Fortnite im Park — Danke «Grün Stadt Zürich»

Nachdem ich Grün Stadt Zürich vor drei Jahren wegen einer «Aufwertung» eines Parks massiv zerpflückte  —  was auf Tsüri.ch viral ging  —  möchte ich dasselbe Amt nun ausdrücklich loben. Aber alles der Reihe nach…
08. Mai 2018

Es war eine schonungslose Abrechnung mit der Denke von Grün Stadt Zürich, die ich vor drei Jahren auf Tsüri.ch publizierte. Dabei sezierte ich alle Punkte der Informationstafel zur Sanierung und Erneuerung der Fritschiwiese. Der Artikel wurde tausendfach angeklickt und auf Social Media rege diskutiert. Jemand trug mir sogar zu, dass er auch in den Ämtern der Zürcher Stadtverwaltung rumgereicht und diskutiert wurde.

Umso wichtiger finde ich, dass ich auch dann in die Tasten haue, wenn ich was Lobenswertes beobachte. Vor ein paar Wochen sah ich auf Instagram das Bild einer Ausstellung in einem westafrikanischen Kunstraum. Entlang von weissen Galerie-Wänden standen totemähnlich geschnitzte Holzpfähle. Leider verlor ich das Bild aus den Augen, weshalb ich es hier nicht verlinken kann. Die Idee hat sich jedoch in mein Hirn eingebrannt.

Als ich kurze Zeit später bei uns ums Eck durch die Parkanlage ging, sah ich viele dicke Äste kreuz und quer auf einem Haufen liegen. Diese Ecke des Parks wird von Grün Stadt Zürich als lokales Depot für Grüngut benutzt. Begrenzt ist sie durch die Haus- und Gartenmauer des Quartier-Kindergartens. Das Setting bot also die ideale Voraussetzung für ein Remake der besagten Ausstellung. Gedacht, getan:

Meine Installation blieb fast eine Woche stehen, obwohl Grün Stadt Zürich neues Grüngut anlieferte und sogar einmal abführte. Irgendwann wurden die ersten Stöcke umgestossen und eines Morgens lagen wieder alle am Boden. Trotzdem wurden sie von Grün Stadt Zürich nicht entsorgt — und prompt machten sie sich selbstständig.

Die dicken Äste kriegten plötzlich Beine und tauchten da und dort im kleinen Park auf. Auf Kiesflächen wurden damit Figuren ausgelegt und um einen Baum entstand ein mit Tüchern bespanntes kleines Zelt. Eigentlich habe ich erwartet, dass die dicken Stecken vom ordnungsliebenden Gartenbauamt längst entsorgt worden wären. Umso erfreuter war ich, als ich letzten Samstag — also rund drei Wochen nach meiner Installation — dieses Gebilde entdeckte.

Unter dem Facebook-Post zu diesem Bild kommentierte jemand, dass ihn die Konstruktion an eine Festung des beliebten Games Fortnite erinnert. Das ist gut möglich, denn die Kids im Quartier spielen dieses Game wie verrückt.

Also, liebe Grün Stadt Zürich, es ist grossartig, dass ihr vor kurzem in unserem kleinen Park ein Spielgerät erneuert habt. Aber noch viel schöner ist es, wenn ihr auch das improvisierte Spielen ermöglicht.

Vielen Dank!

(Titelbild: Philipp Meier)


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