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Folge 3: Der Tsüri-Krimi: Rot ist eine langsame Farbe

Folge 3
18. Januar 2017

Was bisher geschah:
Versehentlich führen Dave, Fabbä und Schmerolinchen am Ende einer Silvesterparty den Tod der Mieterin herbei und müssen feststellen, dass deren Vater ein verurteilter, mehrfacher Mörder ist. Nachdem Jill, die einzige Zeugin zur Polizei flüchten will, sperrt Dave sie ins WC. Aus Angst vor Vergeltung durch die Familie der Toten beschliessen die drei, das ganze Haus niederzubrennen, um alle Beweise zu vernichten. Doch zuvor muss Jill bewusstlos gemacht werden ...

Dave drückte die Fingerspitzen an den Brillenrand und lehnte sich bedrohlich vor. »Also? Wer macht’s?«
»Na der, der fragt.« erwiderte Schmerolinchen schnoddrig und streckte ihm die Pfanne hin.
»Hä?«
»Weil du von uns am meisten Kraft besitzt. Ausserdem ist die einen ganzen Köpf grösser wie wir.«
Fabbä stimmte widerwillig zu.
Grummelnd ergriff Dave die Pfanne.
Schmerolinchen hielt sich den Finger vor die Lippen und schlich vors WC. Sie zauberte ein Lächeln auf ihr Gesicht und klopfte erneut. »Huhu. Ich bin’s. Wieder.« Sie war selbst überrascht, wie zuckersüss die Worte über ihre Lippen kamen.
»Was willst du diesmal?« klang es feindselig von der anderen Seite.
»Ich wollte nur sagen, dass du Recht hattest.«
»Womit?«
»Dass wir die ganze Sache der Polizei übergeben sollten.«
»Denken das alle?« Jill klang noch immer skeptisch.
»Ja.«
Stille. »Und warum kann ich dann nur dich dort draussen hören?«
Schmerolinchens Lächeln verblasste abrupt, als sie zu Dave schielte. »Nun, die ... Die telefonieren gerade. Mit der Polizei.«
Die Stille wurde unendlich. »Gut. Könnt ihr mich dann endlich rauslassen?«
»Aber natürlich.« Schmerolinchen presste die Lippen zusammen und bedeutete Dave, sich bereit zu machen. Dann drehte sie den Schlüssel und trat zurück.
Jill öffnete vorsichtig die Tür, ohne jedoch das WC zu verlassen.
Schmerolinchen heuchelte ein verlegenes Lächeln.
Zaghaft machte Jill einen Schritt vorwärts und reckte den Kopf, um in den Eingangsbereich zu schielen.
Dort wirbelte Dave herum und hieb mit der Pfanne nach ihrem Kopf.
Zu spät. Jill konnte rechtzeitig zurückweichen. Hinter ihrem Rücken holte sie die Toilettenbürste hervor und donnerte ihm das in nasses Klopapier gewickelte Ding mitten ins Gesicht. Fluchend liess Dave die Pfanne fallen, um sich die Backen mit dem Ärmel zu wischen.
Jill nutzte die Verwirrung und eilte aus der Wohnung. Schmerolinchen sprang ihr nach, doch sie fand die Tür verschlossen vor. Jenseits des Buntglasfensters verschwand eine verschwommene Gestalt im Dunkel des Treppenhauses.
Dave zerrte am Tischtuch. Die Hälfte der Teller und Gläser donnerte auf den Boden. Mit dem Stoffzipfel rieb er Brille und Gesicht. Als er wieder klar sehen konnte, fasste er die Frauen an der Tür ins Auge. »Was steht ihr herum?«
Fabbä rüttelte am Türgriff. »Sie hat von aussen abgeschlossen.«
Fluchend fummelte Dave den Bund aus der Tasche und rammte den Schlüssel ins Schloss. Er liess sich nur zur Hälfte einführen. »Die blöde Kuh hat den Schlüssel stecken lassen.« Er ging auf und ab, schrie Fluchworte, die noch nie jemand auszusprechen gewagt hatte.
»Dave!« bellte Schmerolinchen.
Abrupt blieb er stehen. Sein Blick schweifte durch die verwüstete Wohnung. »Jetzt kommt’s auch nicht mehr drauf an.« Herzhaft riss er mit beiden Händen am Tischtuch und holte die letzten Überreste des Gelages aufs Parkett. Er wickelte sich den Stoff um den Arm und rammte ihn ins bunte Glas. Mit dem Ellbogen drückte er die Splitter aus dem Rahmen und langte mit der freien Hand durchs Loch, um den Schlüssel drehen. Endlich stand er im merklich kühleren Treppenhaus. Der Kippschalter reagierte nicht. Nur schwaches Mondlicht, das durch die Fenster einfiel, rettete ihn vor völliger Blindheit. Er blickte hoch zum Eingang des Dachstocks. »Ist sie rauf oder runter?«
»Was für eine Frage.« schimpfte Schmerolinchen. »Natürlich runter, raus aus dem Haus.«
»Die ist bestimmt schon auf und davon.« stöhnte Fabbä.
Dave hob den Finger. »Nicht unbedingt.« Schon hatte er den Handlauf ergriffen und folgte den Stufen so rasch er konnte, hüpfte an einer Stelle über einen Abfallsack. Drei Etagen tiefer stand er vor der Haustür, die der Dunkelheit von einer diffus schimmernden Lampe entrissen wurde. Als die beiden Frauen endlich zu ihm aufgeschlossen hatten, war es ihm noch immer nicht gelungen, die massive Pforte aus schwarzem Holz zu öffnen.
Fabbä verzog die Lippen. »Was machst du da?«
Er liess vom Knauf ab. »Wie ich gehofft hatte. Das Ding klemmt. Wie bei unserer Ankunft.«
Schmerolinchen grinste fies. »Das kann bei so alten Bruchbuden durchaus vorkommen.«
Fabbä riss die Augen auf. »Dann ist sie noch im Haus!«
Dave verriegelte den Hauseingang. Er griff nach dem Knauf der Kellertür und fand sie verriegelt. Er spähte die Stufen hoch. »Sagtest du nicht, das Haus wäre vollständig geräumt?«
Schmerolinchen nickte. »Nach aller Wahrscheinlichkeit, ja.«
Dave ballte die Faust so fest um den Schlüsselbund, dass Metall knirschte. »Dann sitzt sie in der Falle.« Er trat die knirschenden Stufen hoch, auf den Teppich des ersten Stockwerks, wo sich zwei Wohnungstüren gegenüberstanden. Beide verschlossen. Hinter den Buntfenstern herrschte Finsternis.
»Denkst du, sie hat sich im zweiten Stock versteckt?« fragte Schmerolinchen.
»Weiter hinauf als zum dritten kann sie nicht gekommen sein.« antwortete Fabbä. »Sonst wären wir ihr begegnet.« Sie riss die Augen auf. »Was, wenn die aus dem Fenster klettert?«
»Vergiss es.« winkte Schmerolinchen ab. »Sie sagte, sie hätte Höhenangst.«
»Sie könnte aber durchs Fenster schreien.«
»Dann wissen wir sofort, wo sie ist.«
»Alles eine Frage der Zeit.« knurrte Dave und schlich in den zweiten Stock.
»Die ist einen ganzen Kopf grösser wie wir.« jammerte Fabbä gepresst.
»Egal, wir sind zu dritt.« erwiderte Dave und fuhr ihr tröstend über den Kopf. Im zweiten Stock stand die erste Tür offen und die zweite war verschlossen.
Schmerolinchen stiess den Flügel auf. Das Licht funktionierte und beschrieb einen komplett leergeräumten Flur.
»Ihr wartet hier.« befahl Dave und wagte sich hinein. Nach einigen Schritten bog er in einen Raum.
»Alles ok, Schatz?« rief Fabbä.
»Nur gammlige Kleiderhaufen.« tönte es aus der Wohnung. Dave tauchte im Flur auf und verschwand im nächsten Raum.
Gelangweilt lehnte sich Schmerolinchen an die Wohnungstür nebenan und behielt die aufwärts führenden Stufen im Auge, während Fabbä unruhig in den nikotingelben Flur starrte.
»Grusig.« hörten sie Dave zetern. »Einfach nur grusig.« Ein Gegenstand wurde getreten.
Unvermittelt gab die Tür an Schmerolinchens Schulter nach, sodass sie in eine finstere, muffige Wohnung stürzte. Im selben Moment, da sie auf dem Parkett aufschlug, sprang jemand über sie hinweg, hinaus ins Treppenhaus.
»Fabbä.« japste sie. »Sie hat sich versteckt.«
Fabbä stand direkt vor der hinabführenden Treppe und im Korridor tauchte Dave auf. Aufgeschreckt jagte Jill die Stufen hoch. Fabbä eilte ihr hinterher und bekam ihren Arm zu fassen. Verzweifelt versuchte sich Jill loszureissen. Mit Erfolg, doch es bedeutete den Absturz von Fabbä. Mit langem Schrei stürzte sie der Länge nach rückwärts und prallte mit dem Hinterkopf auf die Stufen. Leblos glitt sie hinab, direkt in Daves Arme, der am Fuss der Treppe auf die Knie fiel.
Als sich Schmerolinchen mühselig aufgerappelt und neben ihn gestellt hatte, ruhte Fabbäs Kopf in seinem Schoss. Wortlos strich er über ihre kurzen Haare, schloss ihre Augen, die ungläubig zur Decke starrten.
Weiter oben im Haus fiel eine Tür ins Schloss.
Das kalte Licht des Wohnungskorridors beschrieb nur die Hälfte von Daves Gesicht, aber Schmerolinchen sah seinen eisernen Blick. Er küsste Fabbä auf die Stirn und hob das Haupt. Er stapfte mit schweren Sohlen in den dritten Stock, wo er an den Fallen rüttelte und sich gegen das Holz warf, um sicherzustellen, dass sich niemand von innen gegen die Tür stemmte. Zurück im Vierten überlegte er, die Partywohnung zu prüfen, doch er eilte weiter hoch, zum verriegelten Dachstock.
Schmerolinchen hatte zu ihm aufgeholt. »Keine Sorge.« keuchte sie. »Die entkommt uns nicht.«
Er prüfte seine Uhr. »Aber uns läuft die Zeit davon. Es ist bald vier. Wenn die vom Dach kräht, kommt das gar nicht gut.«
»Die Bullen haben bestimmt alle Hände voll zu tun, und wer dort draussen zufällig rumtorkelt, ist eh zu besoffen, um ihr zu helfen.«
»Wollen wir’s hoffen.« knurrte Dave und begann die Tür mit Flüchen und Tritten zu traktieren.
Eingeschüchtert über Daves Wutanfall nahm Schmerolinchen Abstand. »Kein Grund so herumzubrüllen.«
Doch er hörte nicht und rammte seinen Schuh so lange gegen die dünne Tür, bis sein Fuss stecken blieb. »Verdammtes Pressholz!« Er zeterte und riss an seinem Bein, bis es freikam.
Schmerolinchen schaltete die Handylampe ein. Blut tropfte von seinem Schuh. »Alles klar bei dir?«
»Bloss ein Kratzer.« Er holte Anlauf und warf sich mit ganzer Macht gegen das Holz. Beim zweiten Mal brach die Tür in der Mitte entzwei. Er riss die rechte Hälfte aus den Angeln und drang in den Estrich ein. Zwischen Kellerabteilen verlor sich ein schmaler Flur in den Schatten. »Wo bist du?« brüllte er. »Ich komm dich holen.« Dave riss eine Tür nach der anderen auf. Die Zellen waren alle leer.
Schmerolinchen folgte ihm zögerlich und tastete die Holzlatten mit dem Lichtstrahl ab. Multiple Gitter schnitten in die Dunkelheit.
Als er gerade abbiegen wollte, schwang ihm eine Tür mitten ins Gesicht. Während Sterne aufblitzten, huschte eine Gestalt aus der Zelle und eilte fort. Dave schrie auf und folgte der Gestalt ans Ende des Estrichs. Er konnte ihre Umrisse ganz deutlich sehen. Licht fiel aus einem Dachfenster in die Ecke. Es verriet ihm auch, dass zu seiner Rechten ein Staubsaugerrohr ruhte. Ohne Jill aus den Augen zu lassen, hob er es über seinen Kopf, bereit, es wiederholt gegen ihren Schädel zu donnern. Doch bevor er zuschlagen konnte, begannen seine Kräfte zu schwinden. Es war als verliesse alle Spannung seinen Körper.
»Dave?« fragte Schmerolinchen.
»Was ist los mit mir? Ich ... ich fühle mich so leicht. Ich glaube ... ich glaube ich kann ... fliegen...«
Sie leuchtete den Grund aus und fand ihn voller Blut. Dave hatte eine rote Lache hinter sich hergezogen. »Du ... du hast literweise Blut verloren.« rief sie entsetzt.
Dave starrte an sich herab. »Aber ... ich kann doch ... gar kein But sehen... Davon werde ich immer ... ohnmächtig.« Im nächsten Moment fiel er auf die Knie und schlug mit dem Oberkörper gegen den kalten Grund.
Schmerolinchen blieb kaum Zeit, auf ihren kollabierten Freund zu starren, denn Jill unternahm bereits den nächsten Fluchtversuch. Doch dieses Mal war Schmerolinchen schneller. Sie stellte dem grossen Mädchen ein Bein. Jill fiel so unglücklich auf den Kopf, dass sie erst stöhnte und dann verstummte.
Wut strömte in Schmerolinchens Arme. Sie packte Jill bei den Fussgelenken und begann sie rückwärts Richtung Eingang zu schleifen. »Jetzt sind nur noch wir beide.«

Nächsten Montag folgt das schockierende Finale ...

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