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In diesem Kubus erlebst du einen neuen Zugang zu Kriegsexport und Flüchtlingsströmen

Ein Wohnzimmer mitten in der Öffentlichkeit, in welchem man Geschichten hören kann: Die Ausstellung Fluktuation will damit Menschen und Kulturen näher zusammenbringen und so Schweizer Denkmuster über Flucht und Integration ins Wanken bringen. Ab Samstag ist die Ausstellung in Zürich.
26. Mai 2017

Ein weisser Kubus rundum bespielt mit linearen Hausfassaden steht ab Samstag im Irchelpark. Von zwei Seiten her lässt sich der 3.3x3.3x3.3 Meter grosse Holzwürfel öffnen. Trittst du ein, findest du dich in einem interkulturellen Wohnzimmer wieder. Das Innere ist mit farbigen Tapeten aus aller Welt ausgekleidet und bietet verschiedene Sitzgelegenheiten. Doch nicht alleine das Optische, sondern viel mehr die Geschichten und Fakten, die sich drinnen finden lassen, machen den Kubus zu einem Fenster in die weite Welt.

Emotionen und Austausch, nicht nur Wissen

Rosa Bolliger, Gabriela Holzer und Sonja Koch sind die Initiantinnen der Ausstellung Fluktuation. «Als die Situation für die Geflüchteten in Europa sich nicht zu bessern und die Akzeptanz für sie zu schwinden schien, war uns klar, dass wir dazu etwas machen wollen», berichtet die Szenografin Sonja Koch über die Motivation hinter dem Projekt.

Die Ausstellung solle zum Denken anregen und neue Verknüpfungen hervorbringen, nicht nur über Missstände aufklären, so Sonja weiter. Es sei zwar klar gewesen, dass Fakten präsentiert werden müssen. Doch alleine neben Wissen vermitteln, sollte die Ausstellung auch Empathie hervorrufen und einen echten Austausch zwischen Menschen ermöglichen. «Es braucht etwas, das nicht ablöscht», seien sich die drei einig gewesen. Die Lösung fanden sie in Geschichten, in Märchen für Kinder aus der ganzen Welt.

Im interkulturellen Wohnzimmer finden die Besucher*innen darum überall Kopfhörer, auf denen sie fabelhaften Erzählungen über Freundschaft oder Herrschaft lauschen können, während sie über Kriegsexport und Flüchtlingsströme in grossen schweren Büchern nachschlagen.

«Obwohl die Geschichten aus dem Libanon, dem Iran, Ägypten oder Deutschland kommen, transportieren sie erstaunlich bekannte Werte», verrät Sonja. Die Kindergeschichten helfen die harten Fakten, die von einer Lokalgruppe von Amnesty International in sieben grossen Büchern zusammengetragen wurden, besser in die eigene Realität zu transferieren. Die Fakten seien so weniger abstrakt und näher beim eigenen Leben. Damit soll die Ausstellung die Besucher*innen anregen, ihr eigenes Handeln und ihre Haltung zu überdenken. «Das Ziel ist es, dass die Ausstellung mit ihren Geschichten, Fakten und Begegnungen die Besucher*innen aufwühlt und neue Empathie hervorruft», fasst Sonja zusammen.

In der Öffentlichkeit sichtbar

Neben der Ausstellung gibt es ein abwechslungsreiches Rahmenprogram mit verschiedenen Veranstaltungen, wie zum Beispiel einem syrischen Abend oder einer eritreischen Kaffeezeremonie. «Eine andere Kultur kann eine Bereicherung sein», so Sonja. Das soll an diesen Veranstaltungen zum Vorschein kommen.

Insgesamt wird die der Kubus zwischen dem 27. Mai – 19. Juni an fünf öffentlichen Orten in der Stadt sein. Bewusst werde Fluktuation nicht in einem Museum ausgestellt. Da würde man nur Leute anziehen, die ohnehin schon sensibilisiert seien. «Das Thema Integration geht uns alle etwas an. Darum ist es wichtig, dass es im öffentlichen Raum thematisiert wird. Und genau darum stellen wir im öffentlichen Raum gratis aus», sagt Sonja bestimmt. Wolle man mit dem Thema nicht in Kontakt treten, könne man ja drum herum laufen. «Aber man weiss dann, dass man dem Thema aus dem Weg ging.», so Sonja.

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