FIFA-Museum: Kulturerbe oder Geldverschwendung?

Bei keinem anderen Museum in Zürich ist so viel Geld in den Umbau gesteckt worden wie fürs «FIFA World Football Museum». Nun stellt sich die Frage: Warum steht es überhaupt in Zürich?
06. Januar 2018

Von Gabriel Frick

Schon beim Eingangsbereich des Museums gibt sich die FIFA weltmännisch. Die Trikots aller Fussball-Nationalverbände hängen würdevoll an der Wand – ganze 211 Stück. Neben den Trikots steht ein grosser Bildschirm, der die wichtigsten Momente der Fussball-Weltmeisterschaft zeigt. Die Eingangshalle des Museums strotz nur so vor stolzen Momenten, dass einem die Brust anschwillt. Für Emmanuel Bucher ist dieser Teil des Museums einer der bedeutendsten. Seit der frühesten Planphase ist Emmanuel mit dabei und kümmert sich um die Bildung und Vermittlung des FIFA-Museums. Guten Mutes beschreibt er die Pforten des Museums. «Jeder Besucher, der kommt und das Trikot seiner Nationalmannschaft sieht, kann so eine Verbindung zu diesem Museum erstellen. Der Besucher ist gleich begeistert und gleichzeitig stolz». Ist das bloss schlaue Taktik, um die Besucher*innen zu beeinflussen?

Seit fast zwei Jahren steht das FIFA-Museum am Tessinerplatz, im Herzen von Zürich. Das ist nicht zufällig. Die Schweiz ist eines der Gründungsmitglieder der FIFA und auch heute noch steht der Hauptsitz in Zürich. Im Präsidentenamt des Fussballverbandes ist die kleine Schweiz ebenfalls gut vertreten. Gianni Infantino, der aktuelle Präsident, stammt aus dem Wallis.

Erlebniswelt Fussball-Weltmeisterschaft

Das Museum ist vollgepackt mit allerlei Prunk und Pracht. Glänzende Pokale stehen zum Bestaunen bereit. Hier sollen wohl Fussballfans «Ooooooh»’s und «Aaaaahh»’s durch den Raum raunen, könnte man meinen. Auch interaktive Erlebnisse werden geboten. Unter anderem kann man sich als WM-Kommentator*in beweisen oder sogar als Schiedsrichter*in, der/die die richtige Entscheidung treffen muss. Schliesslich gelangt man zum beliebtesten Stockwerk aller Besucher*innen, auf dem man tatsächlich Fussball spielen darf. Im Direktduell an der Spielkonsole oder im Fernduell an den Spielfeldern treten Besucher*innen gegeneinander an. Die Spielfelder sind vollgepackt mit Übungen, bei denen man zum Beispiel seine Schusstechnik unter Beweis stellen kann. Das Beliebteste ist der Flipperkasten ganz am Ende. Er ist so beliebt, weil man hier am meisten Punkte holen kann. Als Besucher sieht man vieles. Vom wertvollen Pokal bis zu den bewegenden Momenten der Fussball-WM Geschichte.

Erreichbare Ziele

Klar ist, dass die FIFA mit dem Museum ihr schwerbeschädigtes Image aufzubessern versucht. Sepp Blatter, der ehemalige Präsident des Vereins, hat durch seine dubiosen Geschäfte die einst renommierte FIFA in eine dunkle Schattenwirtschaft gestürzt, während die Welt den Kopf schüttelt. Die FIFA muss wieder auf den richtigen Weg kommen, das ist allen klar, sogar ihr selber. Ist das Museum in Zürich vielleicht ein Versuch, einen Neuanfang zu starten? Es sieht fast so aus. Emmanuel sagt dazu: «Jeder Präsident hat einen anderen Schwerpunkt». Nicht jeder Präsident will ein Image aufbessern, sondern will zum Beispiel ein Kulturerbe pflegen. Was Gianni Infantino, der aktuelle Präsident, vorhat, bleibt offen. Als jemand, der sich mit der FIFA auseinandersetzt, ist klar, dass genau das sein Ziel sein muss. Allerdings heisst das nicht, dass die Mitarbeiter*innen die gleichen Interessen für das Unternehmen haben, wie der Präsident. Zumindest den Mitarbeiter*innen des Museums liegt der Fussball am Herzen. Sie hoffen, dass ihr Museum ein Kulturgut wird, wie beispielsweise das Landesmuseum Zürich. «Fussballgeschichte und -kultur sind wichtig und sollen gepflegt werden..», findet Emmanuel.

Mit dem FIFA-Museum ist es dem aktuellen Präsidenten gelungen, das angeknackste Bild wieder ein wenig aufzubessern. Auf die Frage, was vom Museum mitgenommen wird, antwortet ein Besucher: «Alles! Man sieht, dass der FIFA der Fussball am Herzen liegt.» Die Korruption der FIFA wird nicht erwähnt. Warum denn auch? Alles was das Image beschädigen könnte, wird nicht gezeigt. Durch dieses Museum geraten die Korruptionsgeschäfte in in Vergessenheit.

Ist das Museum rentabel?

Der Umbau des Gebäudes hat über 30 Millionen Franken gekostet. Die Kosten hat die FIFA selbst übernommen. Investoren und Partner sind nicht beteiligt. Das Museum soll eine neutrale Sicht zeigen und nicht mit Werbungen der Investoren versehen werden. Emmanuel sagt dazu: «Wir wollen nicht beim Eingang eine Werbung für Coca-Cola zeigen». Aus dieser neutralen Sicht können sie eine eigene, reine Botschaft des Fussballs mit auf den Weg geben. Doch es scheint so als wolle die FIFA nur ihre Sicht präsentieren. Zum Beispiel was sie geleistet hat bei der Organisation des Internationalen Fussballs. Als Besucher*in sieht man nur die guten Taten der FIFA. Es scheint so, als würde das Kulturerbe im Vordergrund stehen. Trotzdem merkt man auch, dass es nichts mit Neutralität zu tun hat.

Gemäss NZZ und Tagesanzeiger, ist das Museum mit den Besucherzahlen nicht auf Kurs. Diese sollen im Businessplan nicht mal eingeschrieben sein. Das FIFA-Museum verzeichnet pro Monat gut 11'000 Besucher*innen. Das Ziel der FIFA ist gar 20'000. Hier fragt sich bestimmt der FIFA Kritiker: «Warum so viel Geld ausgeben, wenn die Besucherzahlen nicht mit den Einnahmen übereinstimmen»? Laut Emmanuel ist diese Zahl lediglich das Maximum an Kapazität, welches das Museum erträgt. Auch sind die Besucher*innenzahlen erfreulich. Das will heissen, dass mit den Einnahmen der Besucher*innen die Ausgaben gedeckt werden, wenn es so weitergeht. Doch für eine so hohe Investition, sollte schon mehr an Einrichtung da sein. Auch wenn die Eingangshalle gross ist, sind andere Stockwerke eher klein und dicht bebaut.

Um sich eine Meinung zum FIFA-Museum zu bilden, muss man es besucht haben. «Es spricht Personen mit verschiedenen Ansichten an und zeichnet sich mit diversen Arten von Erlebnissen im Museum aus». So die persönliche Meinung von Emmanuel zum jungen Kulturgut. Durch das Pflegen des Fussballs und der Erinnerungsstücke der WM, kann ein Kulturerbe entstehen. Für einmal geht es der FIFA nicht ums Geld, sondern um die Sicherung der Fussballgeschichte und -kultur.

Bilder: © FIFA Museum.

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