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Feminismus-Kolumne: Warum die Corona-Krise auch ein feministisches Thema ist

Wie steht es um den Feminismus? Und wie um die (weibliche*) Sexualität? Die beiden Zürcherinnen Laila und Pascale von «das da unten» wollen Tabus brechen und öffentlich über Geschlechtsteile, Politik und Sex sprechen. In dieser Kolumne schreibt Laila Gutknecht über Care-Arbeit. Arbeit, welche in der Schweiz vorwiegend Frauenarbeit ist. Wie wichtig diese ist, wird in Krisenzeiten überdeutlich.
21. März 2020
Kolumnistin / Das da unten

Care-Arbeit im privaten Bereich bedeutet: Betreuungs,- Beziehungs-, Pflege- und Sorgearbeit, insbesondere von Kindern und betagten Menschen. Diese wird in der Schweiz zu fast zwei Dritteln von Frauen* verrichtet und leistet einen wichtigen Beitrag zum Funktionieren unserer Gesellschaft (Quelle: Kanton Zürich). Dementsprechend sind es auch grösstenteils die Frauen*, die von den daraus folgenden Benachteiligungen betroffen sind: Weniger Chancen auf dem Arbeitsmarkt, geringere Lohn- und Karrierechancen und folglich geringere Renten.

Zudem ist Care-Arbeit gesellschaftlich wenig anerkannt und wird öffentlich kaum wahrgenommen. Derzeit wird ihre Bedeutung und Wichtigkeit jedoch besonders deutlich: Wer hütet Kinder, wenn die Schulen geschlossen sind? Wer kümmert sich um die älteren Menschen, wenn diese das Haus nicht mehr verlassen sollen? Wenn beide Elternteile Homeoffice machen, wer kümmert sich dann um die Kinder? Wer kümmert sich um die tatsächlich Erkrankten?

Nicht nur privat, sondern auch in öffentlichen Institutionen ist Care-Arbeit wichtiger denn je. Die Arbeit der Ärzt*innen und der Pflegenden im Spital ist essentiell. Wer ebenfalls eine erhöhte Belastung erfährt, sind Menschen, die mit Personen der Corona-Risikogruppe arbeiten (insbesondere ältere und / oder immunschwache Menschen), beispielsweise in Pflegeheimen oder bei der Spitex. Von den Pflegenden in Heimen und Spitälern sind 14% männlich* und 86% weiblich* (Stand: 2018 / Berner Fachhochschule).

Das da unten
Laila Gutknecht (28) und Pascale Niederer (26) haben 2019 das Projekt «das da unten» mitbegründet. Ziel ist es, den Austausch über weibliche* Körper, Sexualität und Feminismus zu fördern. Um letzteres geht es auch in dieser Kolumne.

Eine weitere Berufsgruppe, die jetzt von enormer Bedeutung ist, sind Reinigungskräfte. In einer Pandemie-Situation ist die Hygiene in öffentlichen Gebäuden, Spitälern oder öffentlichen Verkehrsmitteln, von allergrösster Wichtigkeit. Dennoch bekommen die Reinigungsfachkräfte wenig Anerkennung bei geringer Bezahlung. Zwar habe ich dazu keine Zahlen gefunden, aber die Alltagserfahrung zeigt, dass ein Grossteil dieser Arbeit von Frauen* getätigt wird.

Die bezahlte und unbezahlte Care-Arbeit in der Schweiz wird also nach wie vor überwiegend von Frauen* verrichtet und somit sind es auch die Frauen*, die im Krisenfall besonders belastet sind. Das Positive daran ist, dass die Care-Arbeit nun vermehrt in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt wird. Wenn das Schlimmste vorüber ist, könnte dies eine Chance für eine neue, politische Auseinandersetzung mit dem Thema sein. Konkrete Forderungen dabei sind: faire Bedingungen ohne gravierende, soziale Nachteile für Care-Arbeit-Leistende, ein für alle zugängliches Angebot an öffentlichen und privaten Care-Einrichtungen sowie eine ausgeglichenere Verteilung von Care-Arbeit auf die Geschlechter.

Die Kolumnen auf Tsüri
Jeden Samstag erscheint mindestens eine neue Kolumne, manchmal sogar zwei. Damit wollen wir dir Einblicke in andere Leben geben, dich inspirieren, anregen und vielleicht auch mal aufregen. Unsere Kolumnist*innen diskutieren gerne mit dir in den Kommentaren. Seid lieb!

– Die Feminismus-Kolumne von Pascale Niederer & Laila Gutknecht Co-Gründerinnen von «das da unten».
– Die Collaboration-Booster-Kolumne von Nadja Schnetzler, Co-Gründerin von Generation Purpose.
– Die Papi-Kolumne von Antoine Schnegg, Co-Gründer seines Kindes.
– Die Sans-Papiers-Kolumne von Licett Valverde, frühere Sans-Papiers.
– Die Food-Kolumne von Cathrin Michael, Food-Bloggerin.
– Die Veganismus-Kolumne von Laura Lombardini, Geschäftsführerin der Veganen Gesellschaft Schweiz.

Alle Kolumnen findest du hier.

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