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Feminismus Kolumne: Sind Frauen* die besseren Politiker?

Wie steht es um den Feminismus? Und wie um die (weibliche*) Sexualität? Die beiden Zürcherinnen Laila und Pascale von «das da unten» wollen Tabus brechen und öffentlich über Geschlechtsteile, Politik und Sex sprechen. In der heutigen Kolumne fragt sich Laila Gutknecht aufgrund der aktuellen Lage, ob Frauen* nicht doch die besseren Politiker sind.
07. November 2020
Kolumnistin / Das da unten

Gerade in dieser aktuellen, weltweiten Krise fällt immer wieder auf: Frauen* in der Politik scheinen einen ausserordentlich guten Job zu machen. Vorzeigebeispiel ist Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern. Auch Taiwans Regierungschefin Tsai Ing-wen und die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel erhalten viel Lob. Als männliche Negativbeispiele werden gerne der nicht mehr lange amerikanische Präsident Donald Trump, der britische Premierminister Boris Johnson und der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro genannt. Diese Gegenüberstellungen führen zwangsläufig zur Frage: Sind Frauen* die besseren Politikerinnen? Agieren sie «empathischer, offener und ehrlicher», wie beispielsweise die Frankfurter Rundschau im Mai dieses Jahres behauptete? Oder handelt es sich dabei um einen sexistischen Fehlschluss, wie die NZZ vehement dagegen hält?

Zur Annäherung an die Antwort hilft vielleicht ein Blick auf die politische Landschaft der Schweiz:

Die Swiss Election Study hat 2015 herausgefunden, dass Frauen* grundsätzlich eher links (SP und Grüne) und die Männer* eher rechts (SVP und FDP) wählten.

Diese Tendenz lässt sich laut einer 2018 veröffentlichten, breit angelegten Studie zum gendertypischen Wahlverhalten auf alle westlichen Gesellschaften übertragen. Zählten nur die Frauen*stimmen an der Urne, wäre 2016 weder Donald Trump gewählt worden, noch würde die Schweiz nun Milliarden für Kampfjets ausgeben müssen. Frauen* setzen sich also politisch eher für linksgrüne, soziale Themen ein. Doch wohl nicht, weil dies in ihren Genen läge, sondern weil sie in unserer Gesellschaft nach wie vor mehr von diesen Themen betroffen sind. Macht ihr Einsatz für diese Themen Frauen* nun zu besseren Politikerinnen? Das ist natürlich Ansichtssache. Ich finde jedoch schon. Doch natürlich sagen diese inhaltlichen Ausrichtungen noch nichts über die charakterliche Eignung der Frauen* als potentiell bessere Politiker*innen aus.

Der Knackpunkt liegt dabei in der Frage nach der Gleichheit der Geschlechter: Der Gleichheits-Feminismus kämpft seit jeher für die Erkenntnis, dass Frauen* in allen Belangen gleich klug und kompetent sind wie Männer* und somit gleichberechtig sein müssen. Dies heisst im Umkehrschluss natürlich auch, dass sie gleich faul, gleich grausam und gleich dumm sein können. Geschlechterrollen sind ein soziales und kein natürliches Konstrukt und dadurch stetem Wandel unterworfen.

Eine Frau* an der Spitze eines Landes zu sehen, die sich so verhalten würde wie Donald Trump, ist trotzdem unvorstellbar. Doch wir müssen gar nicht mal so weit schauen: Hätte es eine Frau* mit den Englischkenntnissen gewisser Schweizer Bundesräte auch in den Bundesrat geschafft? Fragwürdig. Meine Vermutung ist: Frauen* müssen sich grundsätzlich mehr anstrengen, um Chefinnen zu werden, um politisch oder öffentlich ernstgenommen zu werden und erfolgreich zu sein. Dies hat zur Folge, dass diejenigen, die es schaffen, tendenziell talentierter und kompetenter sind, als ihre männlichen* Kollegen.

Das da unten
Laila Gutknecht (28) und Pascale Niederer (26) haben 2019 das Projekt «das da unten» mitbegründet. Ziel ist es, den Austausch über weibliche* Körper, Sexualität und Feminismus zu fördern. Um letzteres geht es auch in dieser Kolumne.

Diese Erkenntnis soll jedoch kein Plädoyer sein, um Frauen* im öffentlichen Raum mehr durchgehen zu lassen. Ich bin absolut dafür, dass wir für öffentliche Ämter die Menschen aufstellen, die dafür am geeignetsten sind – unabhängig ihres Geschlechts. Umgekehrt sollten wir uns mehr über die inkompetenten, lügenden Männer an den Spitzen empören und diese endlich zur Verantwortung ziehen! Es kann nicht sein, dass immer der gewinnt, der am lautesten schreit. Darum lasst uns alle ein Beispiel an Kamala Harris nehmen – in politischen sowie privaten Kontexten – und das nächste Mal höflich lächelnd sagen: Mr. Vice, I’m speaking.

Die Kolumnen auf Tsüri
Jeden Samstag erscheint mindestens eine neue Kolumne, manchmal sogar zwei. Damit wollen wir dir Einblicke in andere Leben geben, dich inspirieren, anregen und vielleicht auch mal aufregen. Unsere Kolumnist*innen diskutieren gerne mit dir in den Kommentaren. Seid lieb!

– Die Feminismus-Kolumne von Pascale Niederer & Laila Gutknecht Co-Gründerinnen von «das da unten».
– Die Collaboration-Booster-Kolumne von Nadja Schnetzler, Co-Gründerin von Generation Purpose.
– Die Papi-Kolumne von Antoine Schnegg, Co-Gründer seines Kindes.
– Die Sans-Papiers-Kolumne von Licett Valverde, frühere Sans-Papiers.
– Die Food-Kolumne von Cathrin Michael, Food-Bloggerin.
– Die Veganismus-Kolumne von Laura Lombardini, Geschäftsführerin der Veganen Gesellschaft Schweiz.

Alle Kolumnen findest du hier.

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