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Beat Walti, FDP, sagt: «Ich will mehr Umweltschutz und weniger Ideologie». Bild: Wikimedia Commons/ CC 2.0

FDP-Nationalrat Beat Walti im Klima-Check

In wenigen Wochen wählt die Schweiz. Thema Nummer 1: Der Klimawandel. Welche Massnahmen wollen die Kandidierenden ergreifen, um den Klimaschutz voranzutreiben? Tsüri.ch stellt euch fünf Zürcher Politker*innen und ihre Versprechen vor. Heute: Beat Walti, FDP-Nationalrat.
03. Oktober 2019
Redaktorin

Heute im Klima-Check von Tsüri.ch: FDP-Nationalrat Beat Walti. Vertreter*innen fast aller grossen Parteien präsentierten vergangenen Freitag im Rahmen der Veranstaltung «Eine zielführende Klimapolitik: Mission Impossible?» ihre geplanten Massnahmen, um den CO2-Austoss zu minimieren und den Klimawandel zu bekämpfen. Beat Walti war einer vor ihnen, der im «Karl der Grosse» Rede und Antwort stand.

Organisiert wurde der Anlass von Josephine Herzig, die Senior Consultant bei BSD Consulting ist und im Bereich Nachhaltigkeitskommunikation arbeitet. Im Hinblick auf die bevorstehenden Wahlen wollte sie von den Zürcher Politiker*innen wissen, wie sie’s mit der Klimapolitik haben und hat deshalb Kandidierende der SP, FDP, Grüne, glp und CVP zur Podiumsdiskussion eingeladen. Professor Dr. Andreas Fischlin und Professor Dr. Irmi Seidl sassen den Kandidierenden am Expert*innen-Desk gegenüber und überprüften die Vorhaben auf ihre Machbarkeit.

Eingeladen waren:

Fabian Molina, SP-Nationalrat

Beat Walti, FDP-Nationalrat

Marionna Schlatter, Grüne-Kantonsrätin in Zürich

Corina Gredig, glp-Kantonsrätin in Zürich

Yvonne Bürgin, CVP-Kantonsrätin in Zürich

Den Abend moderierte Christoph Keller, der freischaffender Reporter ist.

Wir waren vor Ort, haben uns angeschaut, wie gut sich die Kandidierenden geschlagen haben und stellen euch in den kommenden Tagen ihre Positionen in Sachen Klimafragen vor. Nachdem wir gestern Fabian Molina dem Klima-Check unterzogen haben, ist heute Beat Walti dran, der FDP-Nationalrat ist.

«Ich will mehr Umweltschutz und weniger Ideologie», steht auf Beat Waltis Website. Was er denn genau damit meinen würde, wollte Moderator Christoph Keller an der Podiumsdiskussion von ihm darauf wissen. «Ich glaube, dass Konzepte das Eine sind und das Andere ist die Einbindung konkreter Massnahmen in die Lebenswirklichkeit. Ich bin ein grosser Fan des Nachhaltigkeitsdreiecks: Die Ziele müssen klar definiert sein, die Massnahmen muss man entwickeln und alles muss irgendwie langfristig finanzierbar und gesellschaftlich akzeptiert sein.»

Das Positionspapier der FDP zu den Klimazielen sei besonders interessant, sagte Moderator Keller und wies darauf hin, dass es aufgrund einer demokratischen Umfrage bei der Partei zustande gekommen ist.

«Wie sehr decken sich ihre Ansichten mit diesem Papier und wie lauten ihre drei persönlichen Massnahmen zum Klimaschutz?», wollte er dann von Walti wissen.

Walti erklärte, dass sich seine eigenen politischen Überzeugungen zu einem grossen Teil mit dem Positionspartei seiner Partei decken würden und fügte, ganz in wirtschaftsliberaler Manier, hinzu: «Ich glaube, dass Klimaherausforderungen ein Prozess, eine Aufgabe, sind, für die wir hohe Ambitionen haben und in jedem Zeitpunkt das Maximum herausholen müssen.»

Walti sagte weiter, dass er sich für eine Vielzahl von Massnahmen einsetzten will, die Verbote, aber auch Anreiz- und Lenkungsmechanismen einschliesst. Gleichzeitig konnte er sich einen kleinen Seitenhieb gegen Molina nicht verkneifen, als Walti ihm vorwarf, dass er die Marktwirtschaft gleich beerdigen wolle: «Das meinte ich mit Ideologie. Ich bin da flexibler und denke, dass man mit Anreizen viel erreichen kann.» Wo er Molina hingegen – teilweise – recht gab, war, als es darum ging, dass der Finanzplatz Besserungspotential hätte. Auch wenn Waltis Vorschläge zur Regulierung sich von Molinas unterschieden. Er ist der Überzeugung, das sich mit der Kostenwahrheit vieles von selbst regle, wenn man’s denn richtig machen würde mit der Bepreisung.

Neben dem Finanzplatz will Walti aber auch den Verkehr und Gebäudepark der Schweiz angehen, die hohe Beiträge der CO2-Emmissionen verantworten. Es fliessen grosse Geldmittel in diese Bereiche, sagte Walti, und betonte, dass es deshalb umso wichtiger sei, dass man sich bewusstwerde, wie man diese Mittel einsetze und dafür entsprechende Vorgaben schaffe. Insbesondere im Bereich Denkmalschutz wünscht sich Walti, dass man ehrlich sei: «Wir können nicht dreissig Prozent der Gebäude unter Denkmalschutz stellen und meinen, wir machen aus allen ein Kraftwerk.»

Obwohl Walti mit seinem Wissen überzeugte und öfter zum Mikrophon griff, um seinen Standpunkt zu erläutern, als es beispielsweise Bürgin tat, schaffte er es nicht, das Publikum für sich zu gewinnen. Während Molina durch Kopfschütteln seine Ablehnung zu einzelnen Vorschlägen kundtat, verdrehte Walti die Augen und konnte auch ab und an das Seufzen nicht unterdrücken. In der Befragung erreichte er den zweitletzten Platz, als es darum ging, wer ins Bundesparlament gehöre.

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