FC Schaffhausen-Skandal: Sexismus kann man nicht schönreden

Die Vorfälle rund um das Spiel zwischen dem FC Winterthur und dem FC Schaffhausen waren exemplarisch für Sexismus, Frauenfeindlichkeit und den aktuellen Umgang damit.
28. Mai 2019

Titelbild: Wikimedia/Prof.lumacorno/CC by SA 4.0

Die Winterthurer Fans machten ein Plakat mit der Aufschrift «sogar d’Winti Fraue händ meh Fans als ihr». Diese Fans haben sie dank einer solidarischen Kurve, die in Sachen Gleichberechtigung eine Vorreiterrolle einnimmt und auch Spiele der Frauen besucht.

Der Spruch, dass selbst die FC Winterthur Frauen beliebter seien, als der FC Schaffhausen, scheint das fragile Ego einiger Schaffhauser Fans zu provozieren. Sie antworten im Derby-Spiel mit einem Plakat mit der Aufschrift «Winti Fraue figge und verhaue» - einem öffentlichen Aufruf zu Vergewaltigung und Gewalt gegen Frauen.

Gegenüber dem Blick sagte der Kurven-Sprecher am nächsten Tag: «Die drei bis vier Einzelpersonen im Alter von 20 bis 25 Jahren beteuerten, dass ihnen nicht bewusst war, welche Welle ihre Aktion lostreten würde.» Ein beliebtes Schönreden, wenn es um Seximus und Frauenfeindlichkeit geht: Es habe sich um Einzelpersonen gehandelt. Sie waren jung. Ein Bubenstreich. Boys will be boys. Nein, das waren zurechnungsfähige, erwachsene Männer, die die Konsequenzen ihres Handelns einschätzen können sollten.

Der Vorfall hat Konsequenzen. Die Stadtpolizei Winterthur ermittelt wegen öffentlichen Aufrufes zu Verbrechen oder Gewalttätigkeit. Der Verband hat ein Verfahren gegen den FC Schaffhausen eröffnet.

Eine Partnerin zu haben, ändert daran rein gar nichts.

Was sich niemand fragt? Weshalb drohen die Schaffhauser Fans eigentlich den Winterthurer Fussballerinnen Gewalt an und nicht den männlichen Fans? Das erinnert schwer an die beliebten «Ich figg dini Mueter»-Sprüche. Frauen Gewalt antun, um deren Männer zu demütigen. Wer so denkt, hält Frauen für minderwertig und sieht sie als Besitz der Männer an.

Die Schaffhauser Fankurve («Bierkurve») versuchte sich am Montagmorgen auf Facebook mehr schlecht als recht zu verteidigen, um ihr Image zu wahren: «Ich cha definitiv säge dass au ii SH bzw. sicher mol i üsere Kurve niemer, ABSOLUT niemer Frauäfeindlich verahlagt isch oder gar gwalttätig gegeüber ihnä!» Der Erklärungsversuch des Kurven-Sprechers gegenüber dem Blick, macht es auch nicht besser: «Jeder dieser Jungs ist in einer längeren Partnerschaft und keinesfalls sexistisch orientiert.»

Liebe Bierkurve, wer frauenfeindliche Sprüche in mühseliger Arbeit auf Plakate schreibt, verhält sich frauenfeindlich. Punkt. Da gibt es nichts schönzureden. Eine Partnerin zu haben, ändert daran rein gar nichts.

Sie schämen sich, mit Typen wie euch in denselben Topf geworfen zu werden.

Dann folgt die übliche Floskel: «Mir möchtet üs hiermit au bii allne entschuldigä wo sich dur da Spruchband ahgriffe gfühlt händ!» Liebe Bierkurve, hier geht es nicht um fühlen, sondern darum, was ihr getan habt: öffentlich zur Vergewaltigung aufgerufen. Und dafür müsstet ihr euch entschuldigen. Bei allen Frauen, aber vor allem bei den Frauen des FC Winterthur, die damit rein gar nichts zu tun haben.

Wir Frauen sind nicht mehr gewillt solches Verhalten hinzunehmen. Und auch immer mehr Männer sind bereit sich gegen solches Verhalten auszusprechen, denn sie schämen sich, mit Typen wie euch in denselben Topf geworfen zu werden. Sexismus hat in unserer Gesellschaft keinen Platz!

Redaktorin und Fotografin

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