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Fanny Frey auf ihrer Dachterrasse im Kreis 4. Alle Fotos: Hanna Fröhlich.

Fanny Frey: Foodbloggerin, ZHdK-Studentin und Tsüri-Member

Fanny Frey ist Foodbloggerin. Ein Traum, könnte man meinen. Die 25-Jährige sieht das anders. Sie würde ihre Zeit lieber ihrem Kunststudium widmen und das Kochen wieder Hobby sein lassen.
27. Oktober 2020
Redaktorin

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Fanny Frey empfängt mich in Birkenstöcken im Eingangsbereich ihrer Dachwohnung im Kreis 4. Drinnen ist es gemütlich und warm, draussen prasselt der Regen gegen die Fenster. In ihrer Küche, auf die ich besonders gespannt war, steht auf einer Ablage am Fenster ein halber Flammkuchen, ein Hinweis darauf, dass sie vorher gearbeitet hat. Ihre Wohnung sei ihr liebster Ort in der Stadt Zürich, hatte Fanny mir gemailt. Das verstehe ich jetzt.

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Auf der Fensterbank stehen Gläser mit Avocadosteinen und Keramik, die Fanny im Studium hergestellt hat. An der Wand hängt der Sainsongemüsekalender von Anna Pearson. Fanny wohnt alleine. Alleine wohnt sie vor allem, damit sie Platz in der Küche hat. Das sei wichtig für ihre Arbeit. Sie ist vor vier Jahren zum Studieren aus dem Aargau nach Zürich gezogen. Sie ist schon lange Tsüri-Member, da sie gerne «solche Sachen» unterstützt. Sie mag die Themenmonate und bezeichnet Tsüri.ch als eine coole Plattform.

Berühmt aber bescheiden

Wenn man Fanny Frey googelt, stösst man als erstes auf ihr Instagramprofil mit über 68'000 Followern, ihre Rezepte bei Fooby und ihre ehemalige Foodkolumne in der vor ein paar Monaten abgesetzten «Style». Auch ein Kochbuch mit dem Titel «Seasons» hat sie bereits herausgegeben. Die 25-Jährige ist als «fannythefoodie» eine der bekanntesten Foodblogger*innen der Schweiz.

Stilleben mit Flammkuchen.

Man könnte also meinen, das Bloggen und das Kochen seien Fannys Lebensinhalt. Zu meiner Überraschung erzählt sie jedoch zuerst von ihrem Studium an der ZHdK, ein Master in Curatorial Studies und davon, dass sie später mal Kunst kuratieren möchte. Dabei leuchten ihre Augen. Kunst hätte sie schon immer begeistert, vor allem die Zeitgenössische. Als ich irgendwann auf das Thema Foodbloggen zu sprechen komme, das ja wohl ein nicht ganz unwesentlicher Teil ihres Leben sei, sagt Fanny entschuldigend: «Ich habe mich gefragt, ob ich dich vorwarnen soll, ich bin gar nicht mehr so in diesem Foodbloggen drin.»

Ihr Fokus verschiebe sich immer mehr weg vom Bloggen hin zum Studium und dem Inhalt eines jungen Lebens, wie sie es sich vorstellt: Freund*innen treffen, Dinge unternehmen. Und nicht am Abend alleine zuhause sein und Rezepte ausprobieren, um einen Post pro Tag machen zu können. «Es war nie mein Ziel, Bloggerin zu werden», sagt sie.

Fannys Küche im Abendlicht.

Foodblog als Maturaarbeit

Fannys Foodblog-Idee kommt ursprünglich aus ihrer Maturarbeit. Damals wollte sie Journalistin werden und wurde von ihrer ehemaligen Chefin im Modegeschäft Brandy Melville, wo sie zu Gymi-Zeiten arbeitete, dazu motiviert, einen Blog zu starten. Ihre Chefin dachte wohl eher an einen Fashion-Blog. Das wäre Fanny aber zu sehr Selbstinszenierung gewesen. Für einen Blog über Essen konnte sie aber Begeisterung aufbringen.

Und dann ging es los. Die Recherche von Fannys 18-jährigem Ich ergab, dass zu einem Blog immer auch ein Instagramprofil gehört. Dieses Instagramprofil wurde zum Selbstläufer und ist heutzutage ihre Hauptplattform, wo sie Rezepte postet und mit Menschen Kontakt hat. In den ersten paar Jahren habe sie unglaublich viel Zeit mit dem Erstellen von Rezepten und vor allem dem Inszenieren dieser verbracht. Ihr Sozialleben habe darunter gelitten, ohne dass es ihr gross aufgefallen wäre. So stark hat sie dieses Projekt vereinnahmt.

Heute nimmt sie das nicht mehr in Kauf. «Ich sehe mich nicht als Influencerin, die sich selbst auf Social Media vermarktet und einen Wirbel um die eigene Person macht». Sie schätzt es auf der Strasse nicht erkannt zu werden, da sie nie Bilder von sich selbst postet. Sie habe wohl einfach den richtigen Moment erwischt, um mit dem Bloggen anzufangen. Um heute bei den Leuten anzukommen, müsste man die eigene Person viel stärker ins Zentrum rücken, als sie das täte.

Aus Hobby wird Beruf

Das Bloggen ist vom Hobby zu einem Beruf geworden, sie erhielt Anfragen und ging Partnerschaften mit Firmen ein. «So finanziere ich mir mein Studium», sagt Fanny. Ohne Insta wäre sie arbeitslos, was schade wäre. Sonst würde ihr das Ganze wahrscheinlich nicht wirklich fehlen. Wie so oft, wenn aus dem Hobby ein Beruf wird. Sie möchte weder ein zweites Kochbuch herausbringen noch den Rest ihres Lebens mit Bloggen verbringen, sondern eine Ausbildung machen, einen Abschluss in der Tasche haben.

Diese Luke führt auf die eigene Dachterrasse.

Es hat aufgehört zu regnen. Im Flur zieht Fanny eine Luke auf, durch die sich eine Treppe herab senkt. Sie winkt mich hoch und wir klettern aufs Dach. Ihre eigene Dachterrasse, welche zur Wohnung gehört und von wo man Sicht auf die Bäcki und den Helvetiaplatz hat.

Vegan aber zurückhaltend

Die Leidenschaft fürs Essen ist der 25-Jährigen wohl in die Wiege gelegt worden. In ihrer Familie wurde Essen stets zelebriert. Als die Eltern vor ein paar Jahren auf ein veganes Kochbuch stiessen, wurde aus Neugierde ein halbes Jahr nur vegan gekocht. Fanny ernährt sich bis heute so. Ihre Familie passt sich an: An Weihnachten isst sogar die Grossmutter anstatt Beef, Beet Wellington, also Randen im Teig.

Auch Fannys Rezepte sind vegan. Aber zurückhaltend. Sie müsse sich nicht als Veganerin bezeichnen, auf ihrem Kochbuch steht extra nicht «vegan», dieses «Labeln» findet sie überflüssig. Sie macht auch keinen Radau, wenn beim Essen bei Freund*innen mal Milch in der Sauce ist. Sie habe im Gegensatz zu vielen anderen den Luxus, auszusuchen wie sie isst. Aufzwingen möchte sie diese Ernährung niemandem. Wie sie ihre Rezepte macht, kann sie nicht genau sagen. «Ich bin inspiriert von allem, was ich je gegessen habe. Ich kaufe ein, was gerade Saison hat und experimentiere dann damit.» Sie findet es toll, dass sie Leute mit ihren Rezepten für diese Art von Ernährung begeistern kann und bekommt auch immer wieder positives Feedback von Fleischesser*innen.

Eine Mahlzeit, ein Foto

Auf die Frage ob sie Guilty Pleasures habe, die sie nie fotografieren würde, schmunzelt sie: Vegane Fischstäbchen aus dem Coop hätten nun mal nichts Ästhetisches und sehen deshalb nicht gut auf dem Foto aus. «Aber grundsätzlich nein, ich schäme mich eigentlich nicht für mein Essen.»

Eine Zeit lang sei es ein Stress gewesen, praktisch jede Mahlzeit sei fotografiert worden. Mit dem Wissen, dass sie mindestens einen Post am Tag machen sollte, konnte sie nicht mehr entspannt essen, ohne das Essen vorher zu inszenieren. Dann realisierte sie:

Meiner Vorstellung eines jungen Lebens entspricht nicht, die Abende alleine Zuhause zu verbringen, um Essen zu fotografieren.

Fanny hat dafür die Freude an vielen anderen Dingen entdeckt. «Als ich mit dem Blog anfing, war ich 18, heute bin ich 25, in sieben Jahren verändert man sich ja auch.» Wenn sie jetzt mit Freund*innen kocht, ist sie ganz im Moment und denkt nicht an die Arbeit.

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