Extrem hoch dosierte XTC-Pillen in Zürich getestet

Vergangenes Jahr hat die Stadt Zürich rund 2000 Drogenproben getestet. Auffallend: XTC-Pillen und Kokain sind oft sehr hoch dosiert.
18. April 2017

Die stärkste Ecstasy-Pille, die 2016 im Drogeninformationszentrum DIZ getestet wurde, wäre selbst für einen 180 Kilogramm schweren Mann zu hoch dosiert, schreibt die Stadt in einer Medienmitteilung.

Die Jugendberatung Streetwork hat im Drogeninformationszentrum DIZ und bei mobilen Drug Checkings in der Stadt Zürich im vergangenen Jahr 2064 Substanzproben getestet. Um einen umfassenden Blick auf die Situation in Zürich zu erhalten, wurden für 2016 erstmals auch die Daten des mobilen Drug-Checkings ausgewertet.

XTC: Zunahme extrem hoch dosierter Tabletten
Die meisten Ecstasy-Tabletten sind mit einem «Logo» geprägt, einige sind zudem farbig. Seit 2011 werden zunehmend extrem hoch dosierte Tabletten (>160 mg MDMA) getestet, 2016 hat sich diese Entwicklung fortgesetzt. Drei Viertel der analysierten Ecstasy-Tabletten enthielten über 120 mg MDMA. Besonders problematisch ist, dass rund ein Fünftel der Tabletten über 200 mg MDMA enthielt. Hohe Dosen können zu Überhitzung, Dehydration und Herz-Kreislauf-Überbelastungen führen. 160 mg MDMA ist z.B. die Maximaldosierung für einen 106 Kilogramm schweren Mann oder eine 123 Kilogramm schwere Frau.

Gefährliches Koks
Kokain, die am häufigsten getestete Zürcher Partydroge, ist alles andere als ein harmloser Kick: Deutlich mehr als die Hälfte der im DIZ abgegebenen Kokainproben enthielten ein psychoaktives Streckmittel, meist Levamisol. Das in der Tiermedizin gegen Wurmbefall eingesetzte Medikament kann bei regelmässigem Konsum zu schweren gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen. Auch der steigende Kokaingehalt ist besorgniserregend; kennen die Konsumierenden den Kokaingehalt nicht, sind gefährliche Überdosierungen möglich.

Amphetamin mit Reinheitsgraden von null bis hundert Prozent
Amphetamin, umgangssprachlich bekannt als «Speed», wurde letztes Jahr 362 Mal (20 %) getestet. Der Amphetamingehalt schwankte stark, rund drei Viertel der Proben enthielten ein pharmakologisch wirksames Streckmittel oder Syntheseverunreinigungen.

Verunreinigtes LSD
Auf Papierfilze aufgetragenes LSD wird erst seit 2015 ausgewertet, vorher wurden nicht genügend Proben abgegeben, um einen Überblick zu gewinnen. Die Gesamtzahl ist mit 89 Proben immer noch gering (4,3 % der getesteten Substanzen).

Rund ein Fünftel der Proben enthielt statt oder neben LSD andere psychoaktive Substanzen oder Verunreinigungen. Besonders NBOMe-Verbindungen, die in Zusammenhang mit einigen drogeninduzierten Todesfällen in Europa stehen, bergen ein nicht einschätzbares Risiko.

Und hier geht es weiter mit den Drogen:

Titelbild: Screenshot/Instagram

(jas)

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