Essstörungen – Ein vieldiskutiertes Tabu

Die einen tun es zu oft, die anderen zu wenig, jede*r hat eine Meinung dazu und keine ist allgemeingültig: Es geht um Essen. In den kommenden Tagen erzählen drei Frauen, wie sie mit ihrer Essstörung umgingen. Jetzt täglich auf Tsüri.ch.
09. Dezember 2018

Halb argwöhnisch, halb neidisch schauen die Tischgenossen über den Tellerrand in den anderen Teller. «Was hast du dabei?», lautet die unausgesprochene Frage am Zmittagtisch. Die Antwort kann von: «Aha» bis zu «Ooh, wow, selbst gemacht?», alles beinhalten.

Essen ist ein Thema, das alle beschäftigt. Fällt es weg, wird es schnell existenziell. Doch obwohl immer neue Ernährungsratgeber, Diättipps und Foodtrends auf den Markt kommen, ist die Kehrseite davon, die Essstörungen, für die Betroffenen meist ein Problem, über das man nicht redet.

Mit diesem Tabu beschäftigt sich Chefpsychologin der Kinder- und Jugendpsychiatrie Zürich, Dagmar Pauli, jedoch täglich. Im Interview mit Tsüri.ch sagt sie: «Grundsätzlich hat unsere Gesellschaft als Ganzes eine Essstörung. Das zeigt sich in schädlichen Körperidealen und falschen Ernährungs- und Diätgewohnheiten, die überall präsent sind.» In den kommenden Tagen erzählen zudem drei Frauen schonungslos, was es für sie bedeutete, ein Leben mit einer Essstörung zu führen.

Sie erzählen, wie sie mit verschiedenen, teils multiplen Esssüchten umgegangen sind und wie sie es geschafft haben, heute ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Eine kleine Vorschau: Nadine gebrauchte das Essen als Trostpflaster und wurde schliesslich abhängig davon. Anja fastete, bis sie in die Klinik musste und Tina wurde zur Lügnerin, weil sie die die Leere in sich mit Essen füllte. In ihren Berichten geht es unter anderem um den langen Weg, bis sie das Essen wieder geniessen können.

«Es wird einfach zu wenig über das Binge-eating geredet, mich hat lange niemand verstanden»

Nadine nahm 111 Kilo ab und 165 wieder zu

Esssucht: Wie es ist 111 Kilo ab- und dann wieder 165 zuzunehmen

«Die Anorexie brachte mich in schlimme Momente, aber ich kann sagen, es gibt einen Weg heraus»

Anja war drei Mal in der Klink wegen Magersucht

Anja brauchte 3 Klinikaufenthalte und eine Drogenüberdosis, bis sie wieder essen konnte

«Ich würde meine bulimischen Phasen nicht noch einmal erleben wollen, trotzdem bin ich sehr froh, dass ich heute wieder gerne und entspannt Essen kann»

Tina, nach der Magersucht kam die Bullimie

Bulimie: Meine Eltern mussten das Essen zu den Nachbarn auslagern

Da Essstörungen auch noch heute ein schambehaftetes Thema ist, wünschten die Frauen, dass wir nicht ihren vollen Namen verwenden.

Titelbild: Lydia Lippuner


Du oder eine Person in deinem Umfeld benötigen Hilfe oder Beratung? Es gibt verschiedene Organisationen und Beratungsstellen für Menschen mit Essstörungen, an die man sich wenden kann, beispielsweise das «Zentrum für Essstörungen», die «Arbeitsgemeinschaft Ess-Störungen» oder das «Experten-Netzwerk Essstörungen Schweiz (ENES)».


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