Erteilt die Stadt bald mehr Bewilligungen für Outdoor-Partys?

Das Zürcher Nachtleben wurde am ersten Tsüri-Gespräch heiss diskutiert. Unsere Gäste waren sich einig: Obwohl es in unsere Stadt ein breites Angebot an Clubs gibt, gilt es noch immer mehr Freiräume zu erobern. Oder vielleicht könnte man Ausgang auch mal ganz anders denken.
01. April 2017

Auf dem Podium sass Stadtrat Richard Wolff, der die Entwicklung des Zürcher Nachtlebens seit den 70er persönlich miterlebte und sich in den 80er selbst gegen das Tanzverbot und für mehr Freiräume engagiert hatte. Mit ihm auf dem Podium war die Vertreterin von Reclaim Your Club Berlin Sabeth Tödtli. Sie findet das Zürcher Nachtleben zu kommerzialisiert und wünscht sich, dass gesellschaftliche Visionen und Werte mehr Platz darin hätten.

Die Präsidentin des Nachtstadtrats Marie-Isabelle von Walterskirchen ist grundsätzlich zufrieden mit dem vielfältigem Angebot, sagt aber klar, dass sich Feiernde und Veranstalter mehr Freiräume nehmen sollen. Mit von der Partie war auch der Club-PR-Manager Alex Flach, der unter anderem für die Zuki und das Hive arbeitet. Er sagt, dass in Zürich ohne Geld nichts läuft und dass die Clubs vor allem gute Musik verkaufen wollen.

Draussen feiern – mit oder ohne Bewilligung
Gerade im Hinblick auf den Sommer werden Outdoor-Partys wieder zum umstrittenen Diskussionspunkt in Zürich. Die Stadt kann anhand von Sonderbewilligungen für Jugendliche unter 25 Jahre solche Partys im Freien erlauben. Alex findet das eine Ungerechtigkeit: «Warum dürfen nicht auch Ältere draussen Partys veranstalten?» Niemand – auch nicht Ü30 – wolle in einer heissen Sommernacht im Keller tanzen. Richard Wolff gibt zu, dass diese Alterslimite willkürlich gesetzt wurde. Man habe irgendwo eine Grenze ziehen müssen.

Doch die nicht erteilten Bewilligungen seien nicht das einzige Hindernis um legale Outdoor-Partys zu veranstalten, wendet Sabeth ein. In der Stadt mangle es an Plätzen, auf denen gefeiert werden dürfe. «Durch die angebliche Übernutzung von öffentlichen Plätzen, werden viele Veranstaltungen in die Illegalität gedrängt. Doch eigentlich ist man für eine alternative Nutzung von öffentlichem Raum einfach nicht offen», so Sabeth.

Mehr als Kommerz
Im Punkt, dass es den Clubs in Zürich vor allem um die gute Musik gehe, sind sich nicht alle Podiumsteilnehmer einig. «Es geht doch nicht um die Musik, sondern um die Unterhaltung der Massen», findet Isabelle. Sie freue sich darum immer, wenn es irgendwo eine spannende Sauvage, also einen unbewilligten Fez, gibt. Auch Sabeth bedauert, dass es im Nachtleben zu wenig um Inhalt gehe. «Unkonventionelle Werte und gesellschaftliche Veränderungen sollen im Nachtleben gelebt werden dürfen», meint sie. Alle sollen mitmachen dürfen – aktiv, nicht nur als Konsumenten. Und unabhängig davon, ob jemand gut aussehe oder genug Geld habe um den Eintritt zu bezahlen.

Richard Wolff zeigte sich am Schluss der Diskussion zufrieden: «offenbar machen wir als Stadt vieles richtig». Das Anliegen auch für über 25 Jährige Partys im Freien zu erlauben, nehme er gerne auf. Es sei jedoch nicht immer einfach, allen Bedürfnissen der Anwohner gerecht zu werden. Die einen wollten Ruhe, die anderen laut feiern.

Auf Anfrage von Tsüri bestätigte die Medienstelle von Richard Wolff, dass er die hervorgebrachten Anliegen im Sicherheitsdepartement anbringen werde und die gemachten Vorschläge diskutiert würden.

Das nächste Tsüri-Gespräch findet am 22. Mai statt und setzt sich mit den Fragen und Hoffnungen der Generation-Y auseinander. Wir freuen uns schon drauf.

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