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Ernährungsstrategie der Stadt: Linke Zwängerei oder Rettung der Umwelt?

Das offizielle Zürich hat eine Ernährungsstrategie erarbeitet und will, dass wir Zürcher*innen gesund, saisonal und ressourcenschonend essen. Ob dies eine gute Idee ist, will Chefredaktor Simon Jacoby von Yvonne Lötscher, Leiterin Planung und Projekte des Fachbereichs Ernährung wissen.
19. Juli 2019
Chefredaktor

Photo by Katie Smith on Unsplash

Frau Lötscher, wie «vorbildlich» ernähren Sie sich und worauf legen Sie den Fokus?

Ich bin auf dem Weg zum Ideal. Darunter verstehe ich eine Ernährung, welche die Umwelt nicht belastet. Ich werfe also nichts Essbares weg und schaue, dass ich nur selten Fleisch esse.

Haben wir in Zürich ein Problem mit dem Essen?

Wir haben kein grösseres oder kleineres Problem als im Rest der Schweiz. Grundsätzlich ist es schon so, dass unsere aktuelle Ernährung gesundheitlich nicht gerade förderlich ist und mit einem Drittel massiv zur Umweltbelastung beiträgt.

Was genau will die Stadt Zürich also mit der neuen Ernährungsstrategie erreichen?

Wir wollen in den verwaltungsinternen Betrieben, also zum Beispiel den Kantinen, vorbildlich sein und nachhaltige Produkte aus sinnvollen Lieferketten beschaffen. Zudem haben wir einen Auftrag aus der Gemeindeordnung, die Bevölkerung zu informieren und zu einer nachhaltigen Ernährung zu animieren.

Ich höre bereits jetzt Stimmen im Kopf, die «linke Zwängerei» rufen: Geht es um eine Umerziehung der Bevölkerung?

Nein, umerziehen wollen wir niemanden. Aber wir wollen informieren. Damit Sie sich nachhaltig ernähren können, braucht es zwei Dinge: Einerseits müssen Sie gut informiert sein und andererseits sind Sie auf entsprechende Angebote angewiesen. Darum arbeiten wir auch mit der lokalen Gastronomie zusammen; wir wollen voneinander lernen.

Bis im Jahr 2030 sollen in städtischen Betrieben mindestens 50% nachhaltige Produkte nutzen. Wie definieren Sie nachhaltig?

Ja, das ist eines der Ziele. Konkret heisst das, dass die Produkte bestimmten Richtlinien von Labels entsprechen müssen. Hier stützen wir uns auf Arbeiten vom WWF und dem Konsumentenschutz. Dabei sind die Bereiche Umwelt, Soziales und die Wirtschaftlichkeit zentral.

Können sich eine solch vorbildliche Ernährung alle Menschen in Zürich leisten?

Das ist auf den ersten Blick ein grosser Zielkonflikt, denn oft sind die nachhaltigen Produkte teurer als die anderen. Wir wollen aber, dass alle Zürcher*innen sich eine gute Ernährung leisten können. Eine einfache Möglichkeit ist, häufig auf Fleisch zu verzichten; hier liegt ein grosses Sparpotenzial!

Und warum wollen Sie erst im Jahr 2030 auf 50% kommen? Mutiger wäre, wenn Sie bis in fünf Jahren 100% anpeilen würden.

Klar, mehr geht immer! Wir müssen unsere Ziele realistisch setzen, also so, dass wir sie auch erreichen können. Von heute auf morgen geht das leider nicht, weil so viele Produkte auf dem Markt noch nicht verfügbar sind. Es ist nicht ausgeschlossen, dass wir uns ab 2030 weitere Ziele setzen. Wichtig zu verstehen ist auch, dass es nicht nur um die nachhaltigen Produkte geht, welche rund 18 Prozent der Umweltbelastung ausmachen. Wenn wir den Food Waste in der Stadt Zürich verhindern, können wir eine zusätzliche Reduktion von 20 Prozent schaffen!

Wie wichtig ist diese neue Strategie für das Erreichen der Zürcher Klimaziele wie die 2000-Watt-Gesellschaft und «netto null» bis 2030?

Natürlich ist das ein wichtiger Punkt! Der Plan für die 2000-Watt-Gesellschaft beinhaltet fünf Stossrichtungen. Eine davon ist der Konsum, worin die Ernährung einer der wichtigsten Faktoren ist. bei der Beschaffung von Lebensmitteln fallen die Emissionen allerdings meistens nicht auf Stadtgebiet an, wodurch die Quantifizierung schwieriger ist.

Können Sie mir zum Abschluss ein paar konkrete Tipps mitgeben? Was soll ich heute Abend essen?

Bevor Sie einkaufen gehen, schauen Sie, ob Sie noch etwas Zuhause haben und gehen erst dann mit einer Posti-Liste einkaufen. Wir haben heute einen schönen Sommertag, also empfehle ich Ihnen einen Linsensalat mit Zucchetti zum Halloumi auf dem Grill. Derzeit ist die Auswahl an saisonalen und regionalen Produkten so gross, dass es sich gar nicht lohnt, importierte Esswaren einzukaufen.

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