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Erdogan sei Dank: Graffitis werden endlich wie Kunst diskutiert

27. April 2016
Chefredaktor
Den Start machte dieser Facebookpost vom Dienstagabend. Er zeigt ein vollgesprayter S-Bahnzug auf dem steht: «Erdogan + Ziegen = True Love»

Das Foto geht sofort viral und wurde inzwischen auf verschiedenen Seiten und privaten Profilen mehrere tausend Male geteilt und kommentiert. Klar, die Themen Zensur und Erdogan haben diese Woche nach dem Zwischenfall in Genf auch die Schweiz erfasst.

Wie SBB-Chef Andreas Meyer, sehen die meisten Betrachter auch dieses Graffitis als Vandalismus und Verletzung von fremdem Eigentum an.

https://twitter.com/metamythos/status/725258023510368256

https://twitter.com/samsteiner/status/725291521193431040

Die Ernsthaftigkeit, Differenziertheit und Heftigkeit, mit welcher nun über das Graffiti und dessen Aussage debattiert wird, ist für Schweizer Verhältnisse neu. Selbst Sprayer distanzieren sich immer wieder von der Behauptung, ihre Werke seien politisch. Zumindest die True Love-Crew kann das nun nicht mehr.

In den sozialen Medien findet tatsächlich eine Diskussion über den Inhalt und die Aussage eines Graffitis statt!

Dabei gibt es drei Positionen: Graffitis sind grundsätzlich blöd, dieses Graffiti ist supermegatoll und dieses Graffiti ist den Türken gegenüber diskriminierend.

[caption id="attachment_6942" align="aligncenter" width="749"]13103542_1025188317573532_3500549901190926430_n Screenshot Facebook[/caption]

Auch dieser Post zielt genau in diese Richtung und löst in den Kommentaren heftige Reaktionen aus:

https://www.facebook.com/dominik.gross/posts/10207855551219013

Egal welche der beiden letzten Positionen jemand vertreten mag: Es findet eine öffentliche Debatte rund um ein aktuelles politisches Thema statt. Dabei geht es nicht etwa um Belanglosigkeiten, sondern um das grundsätzliche Verständnis von Staat, Medien und Kunst. Diese wurde nicht etwa von Leitmedien, Intellektuellen, Politikern oder etablierten Künstlern ausgelöst.

Nein, ausgerechnet ein illegales Graffiti auf einer Zürcher S-Bahn bringt die Diskussion so richtig zum Laufen und befreit die heimische Streetart so zumindest für einen kurzen Moment von ihrem dunklen Ruf.

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