9. Dezember 2021 um 05:00

Empathie für die Zigipause

Kürzlich hat das ganze Tsüri-Team in zwei Workshops gelernt, wie mit Feedback und Konfliktlösung umzugehen ist. Ein Crashkurs in Gewaltfreier Kommunikation. Was davon hängen geblieben ist und warum Empathie in jede Zigi- oder Kafipause passt, liest du hier.

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Sonja Wolfensberger leitet eine Übung mit Chefredaktor Simon Jacoby. (Alle Fotos: Elio Donauer)

Tanja und Sonja, eine Aktivistin und eine Psychologin, haben einen Plan. Sie wollen die Stadt Zürich empathischer machen. Wie sie das machen wollen und welche Konzepte dahinter stecken, kannst du in diesem Artikel nachlesen. Im Kern geht es beim Projekt «Empathie Stadt Zürich» darum, Gruppen darin zu unterstützen, effizient zu kooperieren und ihre Konflikte zu lösen. Um dies zu erreichen, vermitteln Tanja und Sonja die Anwendung der Gewaltfreien Kommunikation. Ein zentraler Aspekt liege dabei im tiefen Zuhören, denn: «Wenn Menschen sich auf der tiefsten Ebene – also auf der Bedürfnisebene – verstanden fühlen, entstehen Lösungen wie von selbst.»

Wie soll das funktionieren und wie können wir von Tsüri.ch in unserem Arbeitsalltag empathsicher werden? Dies wollten wir herausfinden und durften mit den Macherinnen der «Empathie Stadt Zürich» in zwei Workshops üben, Situationen wertfrei zu beobachten, unsere Gefühle wahrzunehmen, jene von anderen erraten und versuchen die Bedürfnisse dahinter zu erkennen.

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Einiges klingt vielleicht trivial, doch nur schon das Erkennen und Benennen der eigenen Gefühle ist keine Leichtigkeit. Diese anderen mitzuteilen ebenso wenig. Doch wer in seinem:ihrem (Arbeits-)Alltag Gefühle und Bedürfnisse kommunizieren kann und dies erst noch in einer Art, welche das Zuhören und Annehmen einfach macht, ist vermutlich im Vorteil.

Frage ans Tsüri-Team: Was hast du aus den beiden Workshops mitgenommen?

  1. «Für mich war interessant und neu, dass es zum Beispiel bei einem beruflichen Feedback an mich, offenbar meistens gar nicht um mich, sondern um die andere Person geht. Wer ein Feedback gibt, hat selber ein unbefriedigtes Bedürfnis (zum Beispiel nach Pünktlichkeit oder Gleichberechtigung). Mit dieser Einstellung – so wurde uns gelernt – ist es viel einfacher, ein Feedback anzunehmen!
  2. «‹Du müsstet eher einen Kurs zum Thema 'How to Ignore my Empathy' besuchen›, sagte mir eine gute Freundin augenzwinkernd, als ich ihr von unserem Workshop bei Empathie Stadt Zürich erzählte. Und in der Tat haben wir alle oder zumindest viele das Gefühl, eigentlich schon ziemlich empathische Wesen zu sein. Und trotzdem: Sonja und Tanja zeigten uns auf eine schöne und entspannte Art, dass es noch viel zu lernen gibt. Wie wir Konflikte richtig analysieren und dabei kommunizieren zum Beispiel. Oder wie wir einander zuhören können. So richtig. Nämlich indem wir das Gegenüber ausreden lassen und vor allem: nicht gleich mit Ratschlägen um die Ecke kommen. Tönt simpel, ist aber in den jeweiligen Situationen gar nicht so einfach umzusetzen.»
  3. «Was mir besonders geblieben ist: Nachdem wir einen Konflikt analysiert haben, also wir versucht haben, herauszufinden, was Interpretation ist, welche Gefühle und Bedürfnisse involviert sind, man am Schluss eine Bitte verfasst. Sodass das Gegenüber auch weiss, was man sich jetzt konkret erhofft.»
  4. «Im Kurs wurde Kommunikation aufgebrochen und die einzelnen Teile isoliert betrachtet. Dabei lernte ich, wie fest meine eigenen Gefühle und Bedürfnisse Kommunikation beeinflussen und wie man diese in Erfahrung bringen und schlussendlich auch kommunizieren kann. Gerade dieses 'in Erfahrung bringen der eigenen Gefühle' hat mir seither in einigen Situationen geholfen zu verstehen, warum ich die eine oder andere Reaktion auf gewisse Sätze oder Handlungen habe. Dieses in mich horchen nimmt dann direkt viel Wind aus den Segeln und macht so die Situation für mich gleich viel entspannter.»
  5. «In den paar Stunden haben wir nicht nur viel gelernt. Wir konnten uns auch richtig entspannen und gehen lassen. Und dies obwohl das Tsüri-Fäscht nur wenige Stunden vor uns lag. Bei der Empathie-Stadt-Menschen habe ich mich so wohl gefühlt, dass ich bei der letzten Übung des Tages in einen tiefenentspannten Zustand kam und einfach weggenickt bin. Und ich war nicht die einzige Person, die sich so wohl gefühlt hat. Ich würde jetzt mal behaupten, dass dies ein gutes Zeichen ist.»
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Frage an Sonja und Tanja: Hat das Tsüri-Team verstanden, um was es in den Workshops geht?

«Wir freuen uns diese Aha-Momente zu lesen! Wir vermitteln handfeste Kommunikationstools für den Alltag und sind gespannt, wie ihr diese längerfristig umsetzen werdet. Genauso wichtig ist uns, welche Räume wir mit unseren Kursen schaffen. Die Empathie Stadt ist eine Community, in der die Menschen genau so willkommen sind, wie sie sind. Wenn sich jemand in einer Übung so wohl fühlt, dass die Person einnickt, ist das ein Zeichen von emotionaler Sicherheit. Schön, ist das gelungen.»

Nach zwei Workshops habt ihr uns die Basics vermittelt und wir haben einige Dinge geübt. Wie schaffen wir es nun, gewaltfreie Kommunikation in unserem Team zu etablieren?

«Empathie passt in jede Kafi- oder Zigipause. Ihr könnt diese Fähigkeit mit einer ganz simplen (und doch nicht so einfachen) Übung trainieren: dem stillen Zuhören. Viele Menschen sind überrascht, wie viel Klarheit sie bekommen, wenn sie mal fünf Minuten schweigend angehört werden und wie wohltuend es ist.

Ein praktisches Übungsfeld ist sicher auch das Thema Feedback. Wenn ich Kritik anbringen will oder Feedback geben will, kann ich mich vorbereiten, indem ich mir überlege: Um was geht es mir genau und was brauche ich von der anderen Person?

Nicht vergessen: Wandel braucht Zeit, Geduld und Nachsicht mit sich und anderen hilft sicher auch.

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Welchen Teams oder Personen empfiehlt ihr, einen Kurs bei euch zu buchen?

«Allen, die miteinander kommunizieren! Das hört sich etwas doof an, aber eigentlich stimmt diese Antwort. In unsere Kurse kommen Menschen, die mehr darüber lernen möchten, wie sie mit Arbeitskolleg:innen, Mitaktivist:innen, ihrer:ihrem Partner:in, ihren Kindern oder Eltern kommunizieren und Konflikte angehen können. Aber auch im Umgang mit uns selber ist Gewaltfreie Kommunikation sehr hilfreich: Wie kann ich mit starken Gefühlen umgehen oder innere Klarheit finden? Teams, Kollektive und Organisationen können wir bei Themen wie Feedback-Kultur, Konfliktlösung/Mediation und nachhaltigem Aktivismus unterstützen.»

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