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Tsüri-Chopf Stefanie über Verzicht, Freiheit und eine neue Schule in Kenia

Sie wuchs in einem behüteten Mikrokosmos auf. Als sie die Ungleichheit auf unserem Planeten zu verstehen begann, wurde sie aktiv. Heute engagiert sich Stefanie Brenner mit ihrem Verein ekwal in Kenia, wo sie eine Schule baut.
08. Mai 2019

Hallo Stefanie, wer bist du und was dich zu dir gemacht?

Ich wuchs in einem gut behüteten Umfeld auf und hatte nie das Gefühl, von etwas zu wenig zu haben. Eigentlich eine wunderbare Welt, wenn wir nur unseren eigenen Mikrokosmos betrachten. Je mehr ich aber von «der anderen» Welt sah, desto mehr begann ich mich für das egoistische Handeln vieler wohlhabenden Schweizer*innen zu schämen. Wie können wir massenhaft Konsumgüter kaufen, die nur dank Kinderarbeit, Umweltverschmutzung und moderner Versklavung so günstig sind? Es ist wie eine Sucht, je mehr man über die Hintergründe weiss, desto mehr liest man darüber und erkennt noch mehr Zusammenhänge und so weiter. Vor ungefähr vier Jahren begann ich, meinen Konsum drastisch umzustellen. Lustigerweise denken viele, ich müsse dauernd verzichten – für mich fühlt es sich aber eher wie Freiheit an!

Mit deinem Verein ekwal hast du gerade ein Crowdfunding am Start. Um was geht es da?

In Kenia ist die Analphabeten-Rate leider immer noch viel zu hoch. Analphabetismus ist immer noch eine der Hauptursachen für die globale Ungerechtigkeit. Menschen ohne Schulbildung kennen ihre Rechte nicht und können von nationalen und internationalen Konzernen schamlos ausgenutzt werden. Mit unserem Crowdfunding treiben wir den Wiederaufbau einer Primarschule in Ukunda voran. Vor drei Jahren war ich das erste Mal dort und erlebte, wie die Schule wegen einem Investor*innen-Projekt für eine Hotelkette abgerissen wurde. Das war echt schlimm anzusehen, denn der lokale Schuldirektor hat alles für diese Schule gegeben und diese mit extrem viel Herzblut aufgebaut. Auf einem neuen Landstück helfen wir ihm nun, die Schule neu aufzubauen und vom Staat registrieren zu lassen. So ist die Schule vor weiteren Investor*innen-Projekten sicher.

Woher kommt der Name «ekwal»?

Hinter diesem Namen steckt ein langes Brainstorming (lächelt). Der Name setzt sich aus den Worten «equal» (gleichwertig) und «Kwale» zusammen. Equal bedeutet für uns, dass jede Person eine gleiche Chance in ihrem Leben verdient hat. Wir als Verein ekwal setzen dies mit Projekten in den Bereichen Bildung, Empowerment und Umweltbildung in der Region Kwale, Kenia um.

Wie seid ihr auf Kenia gekommen?

Auf die Schule bin ich zufällig während einer Reise durch Kenia gestossen. Übrigens ist der afrikanische Kontinent und auch Kenia als Land genial, um zu reisen. Die Kulturen der verschiedenen Volksstämme und die Natur faszinieren mich – zu Unrecht wird Afrika nur auf Safaris reduziert. Aber zurück zur Schule: Ursprünglich wollte ich Ukunda (das Städtchen, wo die Schule stand) nur wenige Tage besuchen. Daraus sind wegen dem Abbruch der Schule aber drei Monate geworden. So lernte ich das Bildungssystem, die Schüler*innen und ihre Familien sowie die Lehrer*innen kennen und verstand die Zusammenhänge vor Ort immer besser.

Bist du und deine Kolleg*innen oft selber in Kenia und legt Hand an?

Wenn möglich reisen wir zwei bis drei Mal für mehrere Wochen pro Jahr nach Ukunda. Dort koordinieren wir mit den Architekt*innen, verhandeln mit dem Bauunternehmer und verbringen viel Zeit mit den Leuten vor Ort. Uns ist es wichtig, dass wir die Gegebenheiten in Ukunda noch besser verstehen und zusammen mit den Einheimischen Projekte durchführen.

Was sind eure langfristigen Ziele?

Erstes Ziel ist sicher, diese Schule fertig zu bauen. Das ist ein grösseres Projekt, welches sicher noch ein bis zwei Jahre dauern wird. Ausserdem möchten wir uns zunehmend im Umweltbereich engagieren. Mit unserem neuen Umweltbildungs-Projekt sensibilisieren wir Schülerinnen und Schüler für einen sorgsamen Umgang mit Abfall. Während den Umweltwochen sammeln und sortieren wir Abfall, basteln daraus Upcycling-Kunstwerke und erstellen ein Entsorgungskonzept für die jeweilige Schule. Der gesammelte Abfall bleibt im Kreislauf und wird mittels neuer Technologien zu wertvollen Baumaterialien verarbeitet.

Wenn sich jemand aus unserer Community bei euch engagieren möchte, geht das?

Klar, da würden wir uns extrem freuen! Momentan sind wir ein Team von fünf Leuten aus verschiedensten Berufsrichtungen: Kommunikation, Design, Gastro, NGO und Bildung. An Ideen mangelt es uns nie, eher an zeitlichen Ressourcen. Wir haben nebenbei alle noch bezahlte Jobs und arbeiten ehrenamtlich für ekwal. Eine sechste Person wäre also super willkommen. Schreib mir einfach eine E-Mail, wenn du Interesse hast: stefanie@ekwal.ch!

Wenn du einen Tag lang Königin von Zürich wärst, was würdest du als erstes ändern?

Eine Königin wiederspricht ja unserem Grundsatz von ekwal (zwinkert). Für Zürich hätte ich aber schon einige Wünsche: Mehr Gerechtigkeit und Toleranz für Randgruppen, mehr Unverpackt-Läden, mehr Velowege, weniger Wegwerfprodukte und mehr Teilzeit-Arbeit: So sind wir alle weniger gestresst und haben mehr Zeit für unsere Mitmenschen!

Titelbild: zvg

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