Wir haben 5 Zürcher Mensen getestet – damit du nicht musst.

Der Sommer ist vorbei. Das Semester hat begonnen, so auch die Qual in den Zürcher Mensen essen zu müssen. Unsere Praktikantin hat eine Woche tapfer an verschiedenen Hochschulen gespiesen – und Überraschung: Es war (meist) schrecklich.
19. September 2017

Obwohl ich Studentin bin, ist mir der Mensa-Alltag fremd: An der SAL (Schule für angewandte Linguistik) gibt es keine. Meine Mittagessen beschränken sich meistens auf das Angebot aus dem Coop, zum Beispiel die Röstikroketten (am liebsten jene mit Gruyère mit Curry-Mango Sauce). Ich bin gespannt auf meine Odyssee durch die Zürcher Mensa-Hallen. Doch mein Vegi-Herz geht ohne hohe Erwartungen in dieses Experiment, denn bekanntlich sieht die Mensa-Landschaft für Vegis nicht allzu rosig aus.

Hier also die Liste, angefangen mit dem Loser dieses Wettbewerbs.


Platz 5: Universität Zürich, Obere Mensa

Menü: Hausgemachte Maistätschli, Joghurtsauce, Couscous, Hirtensalat
Preis extern: CHF 10,50

Das beste an der Uni-Mensa ist, dass sie die günstigste aller Testkandidatinnen ist – und dass die Joghurtsauce nicht schlecht war. Den trockenen Couscous konnte sie trotzdem nicht retten. Das Maistätschli war feist genug für zwei Mahlzeiten, geschmacklich nicht sehr überwältigend und sehr klebrig sowie schwer und zu süss. Die Joghurtsauce hätte dem ganzen etwas Pepp geben können, aber die brauchte man ja bereits für den Couscous.
Der Hirtensalat glich einer Art traurigem griechischen Salat, leider ohne Feta. Die Gurken waren schlabbrig und versalzen. Ich hab mir auf jeden Fall einen Spass draus gemacht, sie auf meiner Gabel hin und her wackeln zu lassen.

PS: Zur Verteidigung der UZH sei gesagt, dass es im Zentrum mehrere Mensen gibt – leider hatte ich es etwas zu spät bemerkt, nämlich als dieses schreckliche Tätschli bereits zur Hälfte verspeist war. Eine der besten Mensen der ganzen Stadt soll die vegane Mensa sein, welche versteckt an der Rämistrasse 59 liegt.


Platz 4: Pädagogische Hochschule Zürich

Menü: Gnocchi an Steinpilz-Birnen Ragout / Randenstroh
Preis extern: CHF 11,60

Das Menü sah optisch vielversprechend aus und der freundliche Herr an der Vegi-Theke nahm sich noch die Zeit für einen Witz, doch die Mensa war auch so menschenleer, dass er sich bestimmt über die Gesellschaft freute. Umso enttäuschender war das Geschmackserlebnis. Das Gemüse war zu meiner Überraschung noch sehr knackig und nicht überkocht wie in den meisten Grossküchen: Sellerie und ein undefinierbares oranges Gemüse – Rüebli? Kürbis? Nach zehn Minuten fand ich auch die Birnen. Der Parmesan gab dem ganzen den nötigen Salzgehalt.
Nun zu den Ravioli oder welche Art seltsamer Teigtäschchen sie darstellen sollten (Gnocchi waren es auf jeden Fall nicht): Undefinierbare, orange Füllung, vielleicht wieder Rübli, die sooo klebrig und geschmacklos waren wie überkochte Gnocchis. Ich glaube, ich habe die Gnocchis im Menü doch noch gefunden.


Platz 3: Toni-Areal

Menü: Jasminreis-Pfanne mit Tofu, Pack Choi (Ich könnte schwören, dass es Pak Choi heisst) Bambus und Chili
Preis extern: CHF 14,00

Das Essen ist hier ganz passabel: Die Schüssel war gross und der typische Schleim, den ich mit asiatischem Essen verbinde und nicht sehr schätze, hielt sich in Grenzen. Das Pack Choi (ich könnte schwören, dass es Pak Choi heisst) gab dem Ganzen eine Frische, doch habe ich noch nie in meinem Leben so schlechten Tofu gegessen: Die Konsistenz war unerklärlicherweise schwammig und bröckelig zugleich und er wurde in keinster Weise mariniert oder gebraten. Kein Wunder, dass Tofu so nicht schmeckt!
Die Mensa des Toni-Areals hat ein eigenes Flair: Grün gemusterte Badezimmer-Fliesen an Wänden und Boden. Die Beleuchtung versprüht den hippen Vibe eines Jack & Jo’s Restaurants, aber weil der Rest nicht dazu passt, wirken die Einmachgläser an der Decke etwas pathetisch.
Wer dem Mensa-Vibe entfliehen will, kann auch im Chez Toni die gleiche Mahlzeit zum selben Preis erschwingen – der einzige Nachteil ist, dass die Wassergläser winzig sind und man nach jedem Schluck zum Nachfüllen aufstehen muss.


Platz 2: Universität Irchel

Menü: Spaghetti an Pestorahmsauce und geriebener Käse, Saisonsalat
Preis extern: CHF 10,50

Die Mensa der Uni Irchel hatte zu meinem Erstaunen ganze zwei vegetarische Menüs: Weil ich mich nicht nach Linsen-Curry sehnte, wählte ich Pasta. Ich freute mich auf die Spaghetti – leider waren es keine Spaghetti, aber immerhin sind Farfalle in derselben Essenskategorie. Die getrockneten Tomaten machten sich gut in der etwas verkochten Pasta und die Pestorahmsauce war durchaus geniessbar.
Der am wenigsten erfreuliche Teil an diesem Menü war das Quorn-Geschnetzelte. Abgesehen davon, dass ich kein Quorn mag, war es wässrig, säuerlich und spröde. Im Gesamten, ohne Quorn natürlich, würde ich mir dieses Menü sogar selbst kochen und glücklich mampfen! Schön war auch, dass man sich bei der Salatbar über selbstgemachte Saucen und Körnlis freuen darf!


Platz 1: ETH Zentrum

Menü: Frittierte Mozzarellasticks auf Gemüse-Kartoffelheu mit Pesto und Tagessalat
Preis extern: CHF 12,70

In der ETH Zentrum dachte ich bereits, ich hätte die Mensa gefunden – und war schon etwas enttäuscht, bis ich bemerkte, dass ich in der Cafeteria gelandet war ... Als ich nach Umwegen schliesslich die Mensa fand, empfing mich eine lange Menschenschlange. Dies war die einzige Mensa, in der ich anstehen musste – satte 15 Minuten! Der Aufbau der Mensa ähnelt dem Manor-Büffet und scheint den vielen ETH-Student*innen nicht gewachsen zu sein.
Die Mozzarellasticks waren so anmächelig, dass ich glatt vergass, ein Foto von meinem Essen zu machen. Es waren vier Mozzarella Sticks und ich habe den Buzzfeed-inspirierten «Cheese-pull-Test» in diesem Moment erfunden:

Geschmacklich waren sie, vor allem mit dem Sambal Oelek, ziemlich nice. Das Gemüse-Kartoffelheu entpuppte sich als eine Art Rösti, die zwar nicht zusammenkleben wollte, aber sehr lecker war. Das war das einzige Mittagessen, von dem nichts mehr übrig blieb.

Also, Chapeau, ETH; das Warten hat sich gelohnt!

5 Dinge, die ich, als Mensa-Banausin, jetzt weiss:

  1. Serviert zu bekommen, was auf der Karte steht, scheint keine Selbstverständlichkeit zu sein.
  2. Mensa-Essen tendiert dazu, klebrig und verkocht zu sein.
  3. Mit den Beilagen ist man ganz gut bedient. Fleischersatz lecker zu kochen, scheint aber eine Challenge zu sein.
  4. Geschirr ins Wägeli stellen ist von gestern. Es gibt Rollbänder für schmutziges Geschirr, die direkt in die Abwaschküche führen!!!
  5. Geh in die Vegi-Mensa, die ist was für dich. Nicht nur für Vegis.

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Der Autorin dieses Artikels ist bewusst, dass es durchaus noch andere Mensen in Zürich gibt und nicht alle in Betracht gezogen wurden. Des Weiteren waren der Autorin fünf Mensa-Mahlzeiten nacheinander genug, um Lust zu haben, wieder selber zu kochen. Auch wenn diese Bewertung versucht, objektiv zu sein, kann es gut sein, dass die Autorin einen schlechten (oder gar einen speziell guten) Tag erwischt hat, oder gerade nicht in deiner Lieblingsmensa gespeist hat.

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