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Ach Datingapps – es ist eine Hassliebe. (Foto: zvg)

Ein Tinder-Match – und jetzt?

GG Margaux hatte seit Monaten keinen Sex. Jetzt sucht sie auf Tinder eine Frau, bekommt dabei aber eher Komplexe als Likes. In einer losen Serie erzählt sie davon.
30. Juni 2021
Kolumnistin

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Nach zwei Wochen auf Tinder und HER habe ich genug Material gesammelt, um eine lebensverändernde Doku für sexlose Singles abdrehen zu können. Ich kann gar nicht aufzählen, wie oft ich stirnrunzelnd auf mein iPhone glotzte, verschiedene Versionen von «What the fuck?» durch mein Hirn tanzten. Hier ein Best-of meiner virtuellen Begegnungen.

1) Zwei zum Preis von Einer

Ja. Ach je. Diese Dreier-Geschichten. Ich weiss gar nicht, wo ich anfangen soll, so verstörend finde ich das. Also guet.

Auf Tinder bekomme ich viele Likes von Paaren, die ein erotisches Abenteuer mit einer Frau suchen, davon war ein Like von einem lesbischen Paar. Einige Paare sind fair, schreiben in der Bio, frau solle doch bitte die Beschreibung erst durchlesen, bevor sie nach rechts wischt. Da sind dann auch wirklich coole Fotos dabei, die zwei beim Wandern, am Strand, ein Schnappschuss von ihr, einer von ihm. Schön. Aber eben, nicht meins.

Das lesbische Paar schreibt mich an. Die Frauen können das, weil ich nach rechts gewischt hatte. Und nach rechts gewischt habe ich, weil im Profil nichts vom Erfüllen von erotischen Fantasien geschrieben ist. Da steht «In einer Beziehung», «Polyamourös» und «Etwas lockeres».

Aber nach wenigen Chatnachrichten ist dann schon klar, worauf das hinausläuft und ich werde, gelinde gesagt, bitz pissig und verweise auf meine Bio, in der steht: «keine Dreier». Kann mir dann auch nicht verkneifen, ihnen zu sagen, sie sollen doch im Profil schon vorankündigen, dass nur das Doppelpack verfügbar ist.

Die lesbischen Libidos der Deutschschweiz danken dafür von Herzen.

Auf Tinder bekomme ich viele Likes von Paaren, die ein erotisches Abenteuer mit einer Frau suchen.

2) Die aus Herzbruchtal

Frisch getrennt, pendelt sie im Stundentakt zwischen Taschentüchern und Boxsack hin und her. Sie ist verletzt, gedemütigt und sauer. Und das ist okay so. Herzbruchtal eben. Da waren wir alle schon und es ist scheisse dort. Deshalb erwarte ich auch nichts mehr, als mir die kleine Frischgetrennte schon nach der dritten Nachricht schreibt, dass sie erst grad wieder Single ist. Wir verabreden uns trotzdem und mein Bauchgefühl weiss schon ganz genau, dass dieses Date nicht stattfinden wird.

Und weil mein Bauchgefühl immer recht hat, schreibe ich ihr drei Tage vor dem Date: Wie geht es dir? Sie habe sich verletzt, schreibt sie zurück. Habe tagelang fast nicht laufen können, sei aber nichts Schlimmes, jedoch sieht es für unser Date nicht so gut aus.

Ich bin ihr nicht böse, schreibe, sie solle sich gut erholen, auf sich aufpassen und wir würden es nachholen, wenn es ihr wieder besser geht.

Sie redet von ihrem Bein.

Ich rede von ihrem Herzen.

3) Die saure Apfelsine

Sie ist wohl schon lange auf der App zugegen. Viel zu lange. Denn sie mag, nach zweihundertneunundsiebzig Dates (die alle scheisse waren) nicht mehr freundlich sein. Die Fotos sind zusammengewürfelt, nichts aussagend, auf den meisten sieht frau (wenn überhaupt) nur das halbe Gesicht. Aber dieses halbe Gesicht hat halt was, also halte ich inne und schaue mir das Profil an. Sie ist in meinem Alter, wohnt irgendwo in einer grösseren Stadt und ist lesbisch. Okay, yay!

Dann lese ich den Text.

Okay, nay ...

Die saure Apfelsine hat den Platz im Profilbeschrieb ausschliesslich dafür genutzt, den Frauen der Tinderwelt mitzuteilen, was sie nicht mag. Und, der Oberhammer: «Wenn ich die Nacht durchgearbeitet habe, musst du am anderen Tag gar nichts von mir wollen!» Mit Ausrufezeichen. Kein Scheiss! Da will doch keine mehr Kontakt knüpfen?! Ich bin auch kein Morgenmensch, deshalb schreibe ich aber noch lange nicht in meine Bio, dass ich nach dem Aufstehen nicht mal angeatmet werden will.

Ich wische nach links.

Ich mag Chats, in denen viele Emojis ausgetauscht werden, das trägt viel dazu bei, dass das Geschriebene richtig verstanden wird.

4) Die Da-und-Fort-Frau

Wir haben Likes ausgetauscht, Bios gelesen, gechattet und Fragen gestellt. Es läuft also gut. Ich persönlich mag Chats, in denen auch viele Emojis ausgetauscht werden, das macht das ganze persönlicher und trägt viel dazu bei, dass das Geschriebene richtig verstanden wird – und diese Chats waren voller Emojis!

Umso grösser ist mein Erstaunen, als ich einen Tag später eine Antwort eintippen will. Ich bemerke oben den schwarzen Balken in dem steht: «Dieser Nutzer ist nicht mehr verfügbar». Puff und weg.

Das ist mir jetzt schon zweimal passiert und mein Hirn tut, was mein Hirn am besten kann und wirft mir ungefragt herzzerreissende Szenen vor die Füsse, in denen meine Chat-Bekanntschaft von einer früheren grossen Liebe wieder zurückerobert wird. Sie löscht dann ihren Account, weil in den 18 Stunden der recycelten Beziehung bereits eine Katze adoptiert und ein Haus am See gekauft wurde.

Gut für sie, eher suboptimal für mich.

Falls ihr euch jetzt fragt, ob das schon alles ist – nein, ist es nicht. Aber bevor ich euch erzähle was für genial verstörende Menschen sich sonst noch auf Dating-Apps tummeln, widmen wir uns nächstes Mal der schönsten Nebensache der Welt: Masturbieren!

(Mit dem hesch etz nid grächnet, gell?)


GG Margaux ist zu Hause, wo ihre «Inspiration ist und wo ihr Herz ein wenig schneller schlägt; Basel, Zürich, Bern, Luzern», wie sie sagt. Das ist, wenn sie ehrlich ist, einfach ein Euphemismus für den Aargau, wo sie eigentlich lebt. Auf der Suche nach IHR tindert sie sich aber auch durch Basel.

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