Ein neuer 24-Stunden-Shop irritiert mit Humor

Eine neue Zwischennutzung erobert ab heute Samstag für einen Monat die Langstrasse. Mit viel Spass und Humor will sie vor allem eines: irritieren. Schon der Name «24h Shop» schafft das.
28. Juli 2018

Ein weiterer 24-Stunden-Shop feiert heute Samstag an der Langstrasse Eröffnung. Als bräuchte das Quartier noch mehr von dem, was es an jeder Ecke gibt. Als bräuchte es noch mehr Konsum und Dosenbier auf der Langstrasse. Doch jener 24-Stunden-Shop will überraschen. Er ist nicht einer, wie alle anderen, auch wenn er genau dies eben sein will. Nicht ohne Grund nennt sich diese Zwischennutzung uninspiriert und simpel: 24h Shop. Doch des Namens Einfachheit ist Konzept, noch dazu ein lange diskutiertes.

Wer in den letzten Wochen am Kir Royal vorbeigekommen ist, musste sich fragen, ob das Lokal, dass das «Casablanca» abgelöst hatte, bereits wieder schliessen musste. Denn in grossen Lettern steht am Fenster jetzt «24h Shop» geschrieben. Doch alle seien beruhigt, das Team ist lediglich in den Sommerferien. Für diese Zeit übernehmen die Macher*innen der BlaBlaTon den Raum und bespielen ihn mit Kunst und Spass. Doch dies machen sie nicht, ohne die Probleme und Brennpunkte des Quartiers miteinzubeziehen.

Hört auf zu Jammern!

«Alleinig Kritik an der Gentrifizierung will der Raum nicht sein», sagt Mitorganisator*in Lea Loeb. «Es ist hip geworden, über die Aufwertung und Verdrängung zu motzen. Und trotzdem macht niemand etwas dagegen.» Darum jammert man nicht im 24h Shop, sondern bastelt an einem Raum, der für viele zugänglich ist und das Quartier und dessen Brennpunkte erfahrbar machen soll. So wie es ein Quartierladen halt macht: Er interessiert sich nicht dafür, wer sein Dosenbier trinkt, sondern ist da, für jene, die ihn (ge)brauchen.

Lebensmittelabteilung im 24h Shop (Bild: Timothy Endut)

Die Zwischennutzung soll Diversität ausstrahlen, wie ein einfacher Laden und dabei den Raum und das Quartier mit Leben und Spass füllen. Im nächsten Monat sollen hier fast täglich Veranstaltungen aller Kunstkanäle stattfinden: Konzerte von Elektro, über Psych-Rock, bis hin zu Klassik, Theater, Lesungen, Podien und Performances. Vor allem letztere sollen das Quartier, die Bewohner*innen, die Partypeople und Passant*innen miteinbeziehen.

«Dieses Festival ist für uns ein Kommentar, der für sich stehen soll», sagt Lea. «Mit unseren Aktionen werden wir die Strassen mit Spass und Freude füllen. Das Quartier infiltrieren und gleichzeitig integrieren.» So sind Performances geplant mit den Namen «Aktion Wasser», «Aktion Kraft» oder «Aktion Langsam», die wohl die ganze Langstrasse überraschen und in ihren Bann ziehen dürften. «Wir wollen mit Humor irritieren, darauf hinweisen, dass diese Strasse sehr einseitig genutzt wird.»

Perlaton + BlauBlau = BlaBlaTon

Wer das «BlaBlaTon» letzten März in Schlieren besucht hat, weiss, dass man einige Überraschungen vom 24-Stunden-Shop erwarten darf. Damals wie heute haben zwei Gruppen zusammengefunden, denen Spass sowie Konzept und Gedankenanstoss genauso wichtig sind: die Macher*innen des Perlaton, eines der zahlreichen Projekte, das im mittlerweile abgerissenen Offspace «Perla-Mode» enstanden war und das offene Kollektiv Blaublau, das immer wieder Kunst und Party zu vereinen vermag und nebenbei noch ein Label mit zehn Künstler*innen betreibt.

Der 24h Shop letzten Mittwoch von aussen: Schlicht und unaufgeregt. Viel musste noch gemacht werden. (Bild: Timothy Endut)

«Das in Schlieren war etwas ganz anderes», sagt Mitorganisatorin und Blaublau-Mitglied Lara Hausheer. «Dort war das Konzept, das Eintauchen in eine andere Welt zu ermöglichen. Schlieren als Standort war nicht so wichtig. Hier war uns hingegen sofort klar, dass die Langstrasse als Raum Teil des Konzepts werden musste.» So habe man auch viel Zeit fürs Konzept aufgewendet, um sich klar zu machen, was man überhaupt in diesem Raum machen kann. «Uns ist wichtig, dass dieser Raum vielen, wenn nicht gar allen, zugänglich ist», sagt Lara. «Deshalb auch der Prix Libre und tiefe Preise.»

Viel unentgeltliche Arbeit

Der 24h Shop soll ein offener Raum werden. «Doch auch wir müssen uns gewissen Regeln biegen», sagt Mitorganisator und Blaublau-Mitglied Pascal Etzensperger. «Wir dürfen zum Beispiel keine Gläser nach Mitternacht auf die Strasse rausgeben.» Doch auch das wird wohl den 24h Shop nicht aufhalten können, die Langstrasse zu bespielen, denn die Macher*innen sind mit viel Herz dabei. Und das alles, ohne dass Geld für sie dabei herausspringt. «Alle die hier arbeiten, machen dies unentgeltlich», sagt David. «Lediglich die Künstler*innen bekommen eine Gage.»

Ab heute Samstag eröffnet der 24h Shop. (Bild: BlauBlau & Perlaton)

Der 24h Shop ist bestimmt ein ambitioniertes Unterfangen. Und dies ausgerechnet im Sommerloch. Dass das Kir Royal für einen Monat schliesst und Platz für eine Zwischennutzung macht, hat wohl seine Gründe. Bleibt zu hoffen, dass das Sommerloch den unzähligen, sorgfältig ausgewählten Events nicht im Wege stehen wird. Sondern dass ein Ort pulsieren kann, der für endlose Gesprächen, Spass und Überraschungen sorgen wird. Wie es Mitorganisatorin Lea Loeb sagen würde: «Spürbar, direkt, ohne Worte.»

Titelbild: BlauBlau & Perlaton

Eröffnung ab Samstag, 27. Juli 2018, 21.00 Uhr

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