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Ein Garten Eden für Zürich

03. Oktober 2016


Beim Namen »Dunkelhölzli« denkt man rasch an finstere Vororte, in denen sich Fuchs und Haas »Guät Nacht« sagen – und tatsächlich befindet sich das Areal direkt an der Stadtgrenze zum Limmattal. Viel ist auf dem Pflanzplatz, der das Stadion Letzigrund zweimal fassen könnte, dann auch nicht los. Man kennt es für seine wenigen Schrebergärten, die »Triibhuus«-Beiz oder das Stadtgmües-Abo. Das dürfte sich bald ändern, denn die Stadt räumt auf ihrer Webseite selber ein, dass Grünflächen im Zuge der Gentrifizierung vermehrt unter Druck geraten. Um eine Ersatzfläche für schwindende Kleingärten zu bieten und dem Aufstieg von Urban Farming Rechnung zu tragen, erklärte sie das Dunkelhölzli vor über zwei Jahren zur Erholungszone E3 für Familiengärten.garten2

Dies machte eine Gruppe ehemaliger Agrarwissenschafts- und Biologiestudenten hellhörig. Um ihre Vision in die Tat umzusetzen, gründeten sie den Verein Grünhölzli, der ein nachhaltiges und abwechslungsreiches Gesamtkonzept anstrebt, wie uns Mitglied Lucas Baumann erzählt. Geplant sind Gärten für Forschung und Integration, die klassischen Schrebergärtli, ein No-Waste-Zentrum sowie Tierhaltung. Auch eine kleine Beiz darf es sein, auf deren Menükarte nur Erzeugnisse vom Areal stehen, welche nicht mit Strom sondern Pyrolyse gekocht werden. Lucas kann sich sogar eine Wagenküche vorstellen.


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Der lange Weg aus dem Dornröschenschlaf

Der Verein will für die Verwaltung des Dunkelhölzlis verantwortlich sein und Flächen an Pächter vermieten, so dass möglichst viele Leute ihr eigenes Ding machen können und echte Diversität entsteht. Das Grünhölzli soll Synergien schliessen, wirklich bio und selbsttragend sein. Der Verein glaubt fest an die Umsetzbarkeit, hat aber die Komplexität der Zuständigkeiten und der Verhandlungen etwas unterschätzt. So fällt der geplante Bach unter Kantonsrecht, während die Belange der Beiz das Bundesrecht betreffen. Hühnerhaltung ist kein Problem, doch mit Geissen und Schweinen sieht es gleich anders aus. Das Treibhaus-Grundstück mit dem gleichnamigen Lokal von Tony Navarro befindet sich in Privatbesitz und soll mit Hilfe einer Stiftung aufgekauft werden. Ausserdem ist eine Sanierung nötig: Da früher mit Klärschlamm gedüngt wurde, müssen bis zu 15 Zentimeter Erde abgetragen werden.

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Am liebsten hätte der Verein schon diesen Sommer losgelegt, aber vorerst wartet man auf die offizielle Infoveranstaltung der Stadt. Wird der Zuschlag erteilt, sähe der Fahrplan für nächstes Jahr die weiteren Vorbereitungen vor, für 2018 den Umbau und für 2019 die Eröffnung der Anlage. Für Lucas ist das Grünhölzli ein Leuchtturmprojekt, wie es in Europa noch nicht existiert. Es könnte wegweisende Impulse liefern und der Stadt ein neues Begegnungszentrum bieten. Schliesslich versteht sich Altstetten ja als Trendquartier, und wäre es nicht an der Zeit, dass die gewaltige Edelbrache endlich aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht?

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