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Distressed Public/Bild: zvg

Distressed Public: «Ohne die Community gäbe es uns nicht»

Distressed Public mischt mit Musik und Mode das Zürcher Stadtleben gehörig auf. Sie sind gespannt darauf, was passiert, wenn diverse Plattformen wieder öffnen und fragen sich: «Sind die Menschen noch so, wie sie waren?»
17. Januar 2021
Praktikantin Redaktion

«In schwierigen Zeiten hält ein Kollektiv zusammen und unterstützt sich gegenseitig», findet Distressed Public. Dieser Zusammenhalt war es auch, der das Kollektiv durch das Jahr 2020 begleitet hat. Sollten sie sich innerhalb der Gruppe, die im engsten Kreis aus vier Leuten besteht, bei einer Entscheidung nicht einig sein, so wird das stets ausdiskutiert. Sie sind nämlich der Meinung: «Damit man als Team gut funktioniert ist die Organisation innerhalb und ausserhalb des Kollektivs enorm wichtig.» Die fundamentale Treibkraft sei aber vor allen ihre Freundschaft und Freude an der Sache.

Durch die Pandemie fielen die geplanten Kunst- und Tanzveranstaltungen zwar ins Wasser, aber mit dem Format «Bild 8005» möchten sie ihre Kunstplattform digital weiterführen: In Form eines Blogs und entsprechendem Instagram-Account werden sie Kunstschaffende sowie deren Werke präsentieren. Distressed Public freut sich ausserdem darauf, in Zukunft über «DP Textiles» eine neue kleine Modekollektion zu veröffentlichen. Zurzeit bastelt das junge Kollektiv an einer neuen Webseite, welche demnächst erscheinen wird.

Die Pandemie gab Distressed Public die Möglichkeit, sich noch mehr mit sich selbst auseinanderzusetzen. Sie sind bereit, mit neuen Ideen durchzustarten und fragen sich gleichzeitig: «Sind die Menschen noch so, wie sie vor der Pandemie waren?»


Tsüri.ch: Das Jahr 2020 in drei Worten?

Distressed Public: Selbstfindung, Hoffnungsvoll, Unterforderung

Was für Herausforderungen hat die Corona-Krise mitgebracht?

Der gesamte Kulturbereich ist finanziell direkt mit der Corona-Krise konfrontiert. Damit sind wir als Verein ohne grosse Absicherung auf uns allein gestellt. Ein wahrer «Abfuck», doch nicht die grösste Herausforderung. Den unbeschwerten Kontakt mit der Community vermissen wir am meisten. Wir können Leute treffen, jedoch im kleinen Rahmen. Die meisten Leute überlegen sich, wen sie treffen möchten und ob dies Sinn macht. Deshalb ist der soziale Kontakt oftmals im direkten Umfeld und viele Menschen, wie auch wir, sind in ihrer Bubble gefangen. Wir haben das Gefühl, dass sich Gedanken in dieser Zeit radikalisieren. Dies wird interessant, wenn die Plattformen wieder öffnen. Sind die Menschen noch so, wie sie waren?

Was ist eure Message als Kollektiv?

Community is public and public is community. Wir sind ein nicht kommerzieller Verein und stehen für Offenheit, Diversität, Zusammenhalt und Toleranz ein. Diese Ideale möchten wir innerhalb eines kreativen Rahmens fördern. Der kreative Rahmen bilden die verschiedenen Gefässe (Textiles, Sounds, Arts) welche wir für unser Schaffen definieren. Dabei möchten wir eine sichere und offene Plattform bieten, die für alle zugänglich ist.

Wer oder was inspiriert euch?

Inspirationen holen wir uns durch Austausch mit unserem Umfeld, wenn wir unterwegs sind oder uns mit Freund*innen treffen. Sei es, wenn wir mit Nico (Studio Yang) an neuen Grafiken arbeiten oder mit den Köpfen von «DP Textiles» Eileen Broadhead und Leonardo Anic an neuen Ideen tüfteln, bis hin zum Austausch mit Joshua Amissah, der mit uns am Projekt «Bild8005» arbeitet. Jeder Dialog mit Künstler*innen oder Interessenten aus dem Kulturbereich sorgt für rege Inspirationen.

Besonders inspirierend waren für uns das Kollektiv Les Points. Durch sie lernten wir zu verstehen, dass sich seit mehreren Jahren ausserhalb der Zürcher Clubszene ein eigener Mikrokosmos gebildet hat. Die Werte, die sie durch ihren unabhängigen Space und ihr Schaffen vermitteln, beeinflussen uns sehr stark. Aber auch andere Kollektive aus Zürich geben uns sehr viel Inspirationen, wie zum Beispiel Ozelot, Vo Da, Opak, Verusse, F96, Fromage Underground, Kein Museum und viele mehr.

Weshalb tut ihr das, was ihr tut in Zürich – und nicht in einer anderen Stadt?

Wir tun dies aus praktischen Gründen. Wir wohnen und arbeiten in dieser schönen Stadt. Sind zum Teil auch hier aufgewachsen. Unsere Plattform richtet sich an die Menschen und nicht an den Ort. Uns würde es wahrscheinlich auch in einer anderen Stadt geben.

Zahlt ihr euch einen Lohn aus?

Jegliche Einnahmen unseres Schaffens fliessen zurück in die Hauptkasse. Wir versuchen, dass sich unsere Projekte selbst- oder querfinanzieren können, in dem wir auf eine Entlöhnung verzichten. Das wird auch immer so bleiben, da wir seit der Gründung nicht mit einer monetären Motivation arbeiten, sondern aus Leidenschaft für die Sache.

Waren die Stadt und ihre Bewohner*innen bislang gut zu euch?

Die meisten von uns sind nicht in der Stadt aufgewachsen und es gibt tatsächlich Leute, die unser Kollektiv deshalb weniger akzeptieren. Dies ist aber eine klitzekleine Minderheit. Die Liebenswürdigkeit, Offenheit und Toleranz der Zürcher*innen motivieren uns, weiter unsere Projekt zu verfolgen.

Wie geht ihr als Gruppe kollektiv mit Entscheidungsprozessen um?

Entscheidungen treffen wir gemeinsam und demokratisch. Es kommt vor, dass nicht alle immer einverstanden sind. Da wir ein eingespieltes Team sind, kann jeder mit Meinungsverschiedenheiten umgehen.

Ihr seid es, die unsere Stadt zu der machen, die sie ist. Sie beleben – kulturell, aber auch politisch. Was plant ihr für das kommende Jahr?

Wir haben einige neue und bestehende Projekte in der Pipeline. Zum einen gibt es im neuen Jahr eine kleine Kollektion, die über unseren Bereich «DP Textiles» veröffentlicht wird. Dazu sind Releases und Musik-Sets mit lokalen Künstler*innen geplant, welche wir auf Bandcamp und Soundcloud veröffentlichen werden. Da aktuell physische Ausstellungen nicht möglich sind, werden wir auf unserem Onlineformat Bild 8005 neue spannende Beiträge veröffentlichen. Wenn alles klappt, holen wir unsere Veranstaltung in Berlin nach und bauen eine Bühne an einem Festival in Glarus (Alpodrom).


Hier gibt's mehr von Distressed Public:

Soundclound

Instagram

Bild 8005


Serie «Zürcher Kollektive»
Immer mehr Menschen dieser Stadt schliessen sich zu einem Kollektiv zusammen. Für diese Serie wollten wir wissen: Was treibt diese Menschen an? Wie gehen sie mit Entscheidungsprozessen um? Wie haben sie, die das kulturelle Leben dieser Stadt prägen, das Jahr 2020 gemeistert? Und was ist trotz der widrigen Umstände für die kommenden Monate geplant?

1. Was ist eigentlich ein Kollektiv?
2. Urban Equipe
3. Ziegel oh Lac
4. Organ Tempel
5. Zentrum für kritisches Denken
6. Jungthaeter
7. Vo da.
8. Literatur für das, was passiert
9. F 96
10. Tempofoif
11. Regula Rec
12. Lauter
13. Tauchstation
14. Radio Megahex
15. Fagdom
16. #RFSC
17. Distressed Public

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