Programmieren unter Palmen – Ein «Digital Nomad» erklärt seinen Job

Gibt es eine Alternative zum klassischen Nine-to-five-Job im Büro? Was ist wichtiger: Selbstständigkeit oder Selbstverwirklichung? Wie wärs denn eigentlich mit einem Startup? In der Artikelreihe «Arbeit 2.0» widmet sich tsüri.ch neuen und innovativen Formen von Jobs im 21. Jahrhundert.
02. August 2017

Woche für Woche im gleichen Büro zu sitzen, das war nichts für Lailo Sadiki. Seit Ende 2013 programmiert er Apps und Webseiten von der ganzen Welt aus. Tsüri.ch hat mit dem 29-Jährigen in Kanada gechattet.

Nine-to-five-Job fünf Tage die Woche, das war gestern. Heute mietest du dir einen Tisch im Coworking Space im Kreis 5, machst Home Office und oder arbeitest als digitaler Nomade von überall auf der Welt aus, so wie Lailo Sadiki. Er benötigt nur drei Gegenstände, um zu arbeiten und führt ein ortsunabhängiges Leben. Zur Zeit des Gesprächs im Mai 2017 war er gerade in Victoria, der Hauptstadt der kanadischen Provinz British Columbia.

(«Häsch ä Software verkauft für Milione??»: Wie sonst kann man sich das Leben als Digital Nomad leisten, fragt sich ein ein Instagram-Follower. ​​​​​​)

Keine Zeit für den Arbeitsweg verschwenden
Nach dem Informatikstudium an der Hochschule für Technik Rapperswil (HSR) arbeitete er ein Jahr lang für ein Startup in Zürich. Er mag es, für Startups zu programmieren, aber jeden Tag den gleichen Arbeitsweg, um vor dem immer gleichen Fenster zu sitzen, das sei nichts für ihn. Und leider hätten sich im Büro alle nur per Chat unterhalten und mit Kopfhörern Musik gehört. Warum überhaupt die Zeit für den Arbeitsweg verschwenden, fragte er sich.

Ende 2013 reiste Lailo für drei Monate nach Australien und versuchte mit eigenen Apps Geld zu verdienen. Seither programmiert er von unterwegs für Startups und entwickelt zusätzlich seine eigenen Projekte. Lailo ist aber nicht permanent unterwegs, er kehrt immer wieder in die Schweiz zurück, um seine Familie und seine Freunde zu besuchen. Eine eigene Wohnung hat er nicht mehr, er wohnt entweder bei seinen Eltern, in einem Hostel oder mietet sich eine Airbnb-Wohnung. Mitte März war Lailo zuletzt für eine Woche in der Schweiz, seither ist er wieder unterwegs. Zuerst in Thailand und jetzt in Kanada. Wenn er in der Schweiz ist, sucht er vor Ort nach neuen Aufträgen. Und wie funktioniert das unterwegs?

Nomadpoint ist eine Seite, auf der digitale Nomaden für Gleichgesinnte auflisten, wo es schnelles Internet, gute Arbeitsplätze und Wohnungen gibt. Und auch, was man unbedingt besichtigen sollte (In Zürich: Die Masoala Halle im Zoo oder das Grossmünster).

Programmieren unter der Palme?

Morgens unter einer Palme ein paar Stunden programmieren, frisches Kokoswasser in Griffnähe und das Meer in Sichtweite. Am Nachmittag surfen, chillen und Sehenswürdigkeiten besuchen. So stellt man sich das Leben eines Digital Nomad gerne vor. Ist das die Realität?

Verdient ein digitaler Nomade auch genügend Geld, um sich seinen Lebensstil zu finanzieren? Lailo hat einen Puffer für «schlechte» Zeiten, aber er werde nicht reich. Meistens bleibt er für einen Monat am gleichen Ort und mietet sich in der Regel eine Airbnb-Wohnung. Die ist zwar teurer als ein Hostel, dafür kann er dort kochen und arbeiten. Zudem bekommt er oft einen Spezial-Preis, weil er für mehrere Wochen in der gleichen Wohnung bleibt. Wenn es regnet, setzt er sich an den Rechner. Wenn die Sonne scheint, spaziert er durch die Gassen seiner Destination. Das Leben als digitaler Nomade hört sich ziemlich cool an, aber es gibt bestimmt auch Momente, in denen es keinen Spass macht.

Ein fixer Arbeitsplatz bringt fixe Arbeitskollegen mit sich. Wie sieht das soziale Umfeld von jemanden aus, der ständig den Ort wechselt?

Ob jeder «Digital Nomad» werden kann? Wir haben Lailo gefragt, welche Eigenschaften eine Person mitbringen muss.

  • Lailo auf Twitter: @lailo_ch
  • Lailo auf Instagram: @lailo_ch
  • Lailos Webseite: http://lailo.ch

Titelbild: Symbolbild Flikr

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