Diggen und Dancen am Record Seller Rave

Kommenden Samstag findet im Stall 6 keine gewöhnliche Party statt. Der Record Seller Rave bringt verschiedene Aspekte elektronischer Musikkultur während eines Abends unter einen Hut. Nebst feinen DJs aus der ganzen Schweiz bieten am Abend ausgewählte Plattenläden ihr schwarzes Gold zum Kauf an. Mitorganisatorin Isi von Walterskirchen gibt uns im Vorfeld einen kleinen Einblick in ihr Schaffen.
10. Januar 2018

Der Record Seller Rave, den Isi zusammen mit Rolf Saxer und Bjørn Schaeffner organisiert, steht ganz im Zeichen des Experimentierens. Konzeptuell wird der Event sogar noch weiter ausgedehnt, um einen zusätzlichen wichtigen Teil elektronischer Musikkultur miteinzubeziehen: Ab 19.00 Uhr findet im Stall 6 eine Plattenbörse statt. Vertreten sind Plattenläden und DIY-Plattenbörsen aus der ganzen Schweiz: Bongo Joe Records aus Genf, Plattfon aus Basel, TRS aus Bern, sowie aus Zürich Les Points/Mikro, OOR Records, Sihl Records und Hum Records.

Vinyl is not dead!

In Zeiten von Spotify und MP3 scheint sich in der elektronischen Musikszene der Bedarf an Schallplatten zu erhalten, wenn nicht gar zu verstärken. Alleine in Zürich gab es in den letzten Jahren einige Neueröffnungen, die eine kleine aber feine Selektion elektronischer Musik darbieten. So zum Beispiel der OOR Records Store an der Anwandstrasse oder der erst vor kurzem eröffnete Sihl Records an der Martastrasse. «Das Kaufen und Tauschen von Platten nimmt zu», sagt Isabelle. «Als ich kürzlich im M Electronics war, gab es dort fünf verschiedene Plattenspieler zur Auswahl. Es scheint im Zuge der Digitalisierung wieder einen Trend hin zum Haptischen, zum physisch Gegenwärtigen zu geben.» Auch viele DJs setzen vermehrt wieder auf Platten. «Selber bin ich kein Plattensammler oder -digger, aber ich mag es, wenn Leute analog spielen. Doch ich bin in dieser Hinsicht kein Nazi. Am Ende kommt es darauf an, was aus den Boxen kommt.»

Hinter den Kulissen

Techno ohne Partyveranstalter*innen wäre so etwas wie Blocher ohne den Buurezmorge: lediglich ein Sturm im Wasserglas. Während DJs oft im Rampenlicht stehen, findet die Arbeit der Partyveranstalter*innen eher im Hintergrund statt. Dessen ungeachtet bilden sie aber einen zentralen Bestandteil elektronischer Musikkultur.

Die Organisation einer guten Technoparty ist eine Herausforderung. Passende Location, gut kuratiertes Line-up, ausgeklügelte Promotionsstrategie – klingt machbar, ist aber eine schwierige Aufgabe für Partyveranstalter*innen. Dazu braucht es ein feines Gespür. Dies umso mehr man sich nicht dem Mainstream verschrieben hat.

Ein solches Gespür besitzt Isi von Walterskirchen. Die gebürtige Bernerin hat sich mit viel Engagement in der hiesigen Clubszene einen Namen gemacht. In ihren Veranstaltungen treffen offene Ohren auf aussergewöhnliche Klangwelten. Vor allem als Organisatorin des Deconstruction Club bespielt sie seit nunmehr zwölf Jahren verschiedenste Clubs in und ausserhalb Zürichs. Ferner ist sie auch Teil des Kollektivs, das das Rhizom Festival in der Roten Fabrik organisiert.

Auch beim Record Seller Rave steht nicht der blinde Konsum oder eine ökonomische Profitlogik im Vordergrund, sondern neue kreative Energien freizuschalten. «Ich möchte die verschiedenen lokalen Szenen füreinander öffnen. Die Kommerzialisierung der Klubkultur hat einen starken Konkurrenzdruck geschaffen. Diesen Event sehe ich auch als Alternative zu einem solchen Konkurrenzdenken. Ich möchte stattdessen neue Synergien schaffen und mit neuen Formen kollektiver Zusammenarbeit experimentieren», findet Isi.

Nach dem Diggen kommt das Dancen

Ab 22:00 Uhr verwandelt sich der Raum des Stall 6 in einen Dancefloor und langsam tauchen wir ein in die hypnotisierenden Klänge elektronischer Tanzmusik. Hinter den Decks stehen verschiedene Repräsentant*innen der anwesenden Plattenläden, die in 90-minütigen Sets Einblicke in ihren persönlichen musikalischen Kosmos geben.

Im nächtlichen Line-up verbirgt sich jedoch ein weiteres Highlight: ein Liveauftritt von S/Z. Als sich das Zürcher Kult-Duo Saalschutz, zu dem auch Rolf Saxer gehört, am Ende ihrer fulminanten Deutschlandtour selbst beerdigte, haben sie sich kurz darauf neu erfunden. Phönix ist aus der Asche erstiegen, nunmehr als S/Z. Am Happening im Stall 6 können Interessierte ein streng limitiertes Tape des Liveset bestellen.

Ob denn Rolf Saxer überhaupt selber noch ein Tapedeck hat? «Ich werde mir eins kaufen, um mein eigenes Tape anzuhören.» Und Isi? «Ich habe meinem Freund eins zu Weihnachten geschenkt.» Nun gut, das lassen wir gelten. Denn bei allem Purismus zählt am Ende ja doch nur die Musik.

Titelbild: Julia Künzi

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