Diese 8 Filme über Menschenrechte werden dich begeistern

Unter dem Motto «Riesen kitzeln, bis sie umfallen» findet vom 6. – 10. Dezember das dritte «Human Rights Film Festival» in den Kinos Riffraff und Kosmos statt. Das ist nicht unbedingt zum Lachen, aber Seelenfutter und Horizonterweiterung.
04. Dezember 2017

Die Filmauswahl des «Human Rights Film Festivals» von zwanzig Langfilmen befasst sich mit Themen wie Vertreibung, Frauenrechte, Unterdrückung und dem Rechtsrutsch in der westlichen Welt. Vertreten sind unter anderem Spielfilme über Zwangsheirat in Belgien («Noces»), die Migrantensituation in Griechenland («Amerika Square») oder ein Musical über die LGBT-Gemeinschaft in den Staaten («Saturday Church»).

Da wir filmisch jedoch schon gut mit Fiktionen auf Hollywood-Niveau bedient sind, haben wir als Empfehlung acht Dokumentationen aus dem Programm gepickt, die der harten Realität entsprechen.

1. Annäherung im Osten

Über den ewigen Krieg im Nahen Osten wurde schon so viel Negatives berichtet, dass nur noch wenige an ein glückliches Ende glauben. Doch seit der UN-Sicherheitsrat 2016 den Bau israelischer Siedlungen auf besetztem Gebiet sowie Gewalt von palästinensischer und jüdischer Seite scharf verurteilt hat, gibt es neue Hoffnung. «Disturbing The Peace» porträtiert die Organisation «Combatants for Peace», die sich aus vormaligen Kämpfer*innen beider Lager zusammensetzt und für eine neue Verständigung einsteht. Dass der Film auch vom «Internationalen Filmfestival in Jerusalem» und dem «Jewish Film Festival» in San Francisco ausgezeichnet wurde, verleiht ihm zusätzliches Gewicht.

«Disturbing The Peace» USA, Israel, Palästina 2016
Donnerstag, 7. Dezember, 18:00, Kosmos

Gefolgt von einem Panelgespräch mit Q&A.

2. Im Beton arbeiten, schlafen und sterben

«Ich wachte auf und konnte weder schreien, noch mich bewegen. Ich war bedeckt von meinem Haus. Es war in meinem Mund, in meiner Nase und meinen Ohren.» Die preisgekrönte Doku «Taste Of Cement» beleuchtet das bedrückende Schicksal syrischer Arbeiter auf libanesischen Baustellen. Unter sklavenähnlichen Arbeitsbedingungen errichten sie tagsüber neue Häuser, während sie nachts in Betonkatakomben gepfercht werden und auf den Bildschirmen zusehen müssen, wie ihre eigenen Städte sukzessive zerstört werden. Ein Werk von kruder Schönheit und hoher Relevanz.

«Taste Of Cement» Deutschland, Syrien, Katar 2017
Freitag, 8. Dezember, 18:00, Riffraff

Gefolgt von einem Gespräch mit dem Büroleiter von Solidar Suisse im Libanon, Tarek Dahler.

3. Von Kindern und Monstern

Der US-amerikanische Strafvollzug ist eine Milliarden-Industrie. Ihr steht der Sinn nicht nach der Rehabilitation ihrer Insassen, sondern der Expansion ihrer Einrichtungen. Das Gut-Böse-Denken begünstigt diese Entwicklung: Eine etwaige Mitschuld der Gesellschaft an den Straftaten interessiert wenig – und das Alter der Täter*innen schon gar nicht. Bloss hoch und hart sollen die Urteile ausfallen. Hier sorgt «They Call Us Monsters» für die notwendige Differenzierung. Die Reportage fängt den Gefängnisalltag dreier minderjähriger Delinquenten ein, denen lange Freiheitsstrafen drohen, und macht aus Monstern wieder Menschen.

«They Call Us Monsters» USA 2016
Freitag, 8. Dezember, 20:30, Kosmos

Gefolgt von einem Gespräch über jugendliche Straftäter*innen in Kalifornien und in der Schweiz.

Weitere Vorführungen:
Donnerstag, 7. Dezember, 9:30, Kosmos
Samstag, 9. Dezember, 14:00, Kosmos

4. Die dunkle Seite Australiens

Für uns Schweizer*innen ist Australien ein charmantes, klassisches Einwanderungsland. Die meisten von uns haben schon mal damit gedroht, sich ein halbes Jahr lang im Outback vor dem chaiben Stress zu verstecken. Doch es gibt da noch ein anderes Australien. Eines, das illegale Einreisende knallhart in Gefängnislager auf einsame Inseln verbannt. Eines, das Journalist*innen, die darüber berichten, für zwei Jahre wegsperrt – und das auch noch stolz drauf ist. «Chasing Asylum» wurde unter hohem Risiko mit versteckter Kamera an Originalschauplätzen gedreht und bringt Australiens hässlichen Umgang mit Flüchtlingen zum Vorschein, von dem unser eigener Kontinent vielleicht gar nicht so weit weg ist.

«Chasing Asylum» Australien 2016
Samstag, 9. Dezember, 11:00, Riffraff

Gefolgt von einem Gespräch über Australiens Flüchtlingspolitik und Parallelen zur EU, moderiert von Marcy Goldberg.

5. Wider der digitalen Zombifizierung!

Im World Wide Web werden immer schneller immer höhere Mauern errichtet. Netzaktivisten, die sich für Meinungsfreiheit und andere Grundrechte einsetzen, finden sich zunehmend im Fadenkreuz ihrer eigenen Behörden wieder. Ronald Deibert, Professor für Politikwissenschaft, sieht die Welt an der Schwelle einer radikalen Umwälzung und nennt drei Schlüsselfaktoren: Smartphones, soziale Medien und das Cloudcomputing. Nach dem Vorbild der erfolgreichen TV-Serie «Black Mirror», die sich mit potentiellen Schattenseiten unserer Alltagstechnologie auseinandersetzt, erforscht «Black Code» unter anderem, wie es um Bürgerrechte und Privatsphäre im Zeitalter der allgegenwärtigen Überwachung durch Staat und Privatwirtschaft bestellt ist.

«Black Code» Kanada 2016
Samstag, 9. Dezember, 15:30, Kosmos

Gefolgt von einem Gespräch mit Ronald Deibert über das Spannungsfeld zwischen Überwachung und demokratischen Werten.

6. Das Gute im Mensch

Ideen muss man haben: Ein bulgarischer Pöstler möchte das Aussterben seines Dorfes an der türkischen Grenze mit der Ansiedlung syrischer Flüchtlinge, Taliban und Afghanen abwenden. Um dieses Ansinnen in die Tat umzusetzen, stellt er sich kurzerhand als Bürgermeister zur Wahl. Seine Nachbar*innen haben allerdings wenig Freude an seinem Vorhaben. Sie stossen sich bereits an den ansässigen Zigeuner*innen. «The Good Postman» behandelt eine der dunkelsten Herausforderungen unserer Zeit mit Mut, Herz und Skurrilität.

«The Good Postman» Finnland, Bulgarien 2016
Samstag, 9.Dezember, 18:00, Riffraff

Gefolgt von der Gesprächsrunde: «Befinden wir uns in einer Solidaritätskrise?», moderiert von Christoph Keller, SF2 Kultur.

Weitere Vorführung:
Sonntag, 10. Dezember, 20:30, Kosmos

7. Gegen den Stromanbieter

Strom ist die Basis einer jeden Stadt. Ohne Elektrizität keine Wärme, kein Licht, kein Internet, keinen Fortschritt und schon gar keine Sicherheit. Drum holt man sie sich, wo immer man kann. Besonders dann, wenn man kein Geld hat. Über den Strassen von Indiens Megastädten sind aus diesem Grund illegale Kabelnetze, sogenannte Katiyas, entstanden und die Elektromonteure, die sie in Stand halten, nennen sich Katiyabaaz. «Powerless» berichtet vom Kampf dieser modernen Robin Hoods gegen die renitente Chefin des vorherrschenden Energiekonzerns. Ein visueller Leckerbissen und inhaltlich stark von Belang.

«Powerless» Indien 2014
Sonntag, 10. Dezember, 13:45, Kosmos

Gefolgt von einem Gespräch mit dem Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus über Zugang zu Energie als Menschenrecht.

8. Im Kreis des Teufels

Ebenfalls am Tag der Menschenrechte erscheint dieser erschütternde Einblick in eine von der Drogenkriminalität zutiefst verunsicherten Gesellschaft. 100'000 Menschen sind alleine seit 2012 in Mexiko durch den Drogenkrieg zu Tode gekommen. «Devil’s Freedom» überlässt das Wort Opfern und Täter*innen. Durch Masken geschützt, sprechen sie über all jene Dinge, für deren Äusserung sie unter anderen Umständen mit dem Leben bezahlen würden.

«Devil’s Freedom» Mexiko 2017

Sonntag, 10. Dezember, 18:00, Kosmos

Gefolgt von einer Podiumsdiskussion über Folterprävention, von der wir im Anschluss berichten werden.

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