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Daoud Adil vor seinem Second Hand Shop (Bild: Michael Schallschmidt).

Diese 3 Secondhand-Läden sind neu in Zürich

Wer umweltbewusst einkaufen möchte oder nach ausgefallenen Dingen sucht, kommt kaum um Secondhandshops herum. So tauchen in Zürich neue Geschäfte für Artikel aus zweiter Hand auf. Wir haben bei drei Secondhandshops vorbeigeschaut, die es noch nicht so lange gibt und einen Besuch wert sind.
30. Oktober 2021
Praktikant Redaktion

Viele von uns haben volle Kleiderschränke und wissen trotzdem nicht, was sie morgens anziehen sollen. Doch wie viel Kleidung, die wir einkaufen, bleibt ungenutzt im Schrank? Diese Frage stellte sich im Jahr 2018 ein deutsches Umzugsunternehmen.

Nach einer Umfrage unter 18'000 Haushalten stellte es fest: In der Schweiz bleiben etwa 79 Prozent der gekauften Kleider ungetragen. Zu dieser Tendenz tragen nicht zuletzt der Fast-Fashion-Trend und das damit verbundene Preisdumping in der Bekleidungsbranche bei. Da die Kleiderproduktion grosse Mengen an Wasser und Energie verschlingt, betrachtet mitunter auch das Bundesamt für Umwelt den hohen Kleiderkonsum in der Schweiz als problematisch.

Wer jedoch nicht mehr gebrauchte Kleider weitergibt oder gleich aus zweiter Hand einkauft, leistet einen Beitrag zur Reduktion der Umweltbelastung. Gleiches gilt auch für andere Konsumgüter wie zum Beispiel Elektrogeräte oder Spielzeug (Hier übrigens 8 Geschäfte, in denen du deine Lieblingsteile flicken lassen kannst).

Second Hand Shops helfen dabei, funktionierenden aber nicht mehr gebrauchten Waren eine:n neuen Besitzer:in zu verschaffen. Aus diesem Grund und weil sie häufig Fundgruben für modebewusste Leute sind, erfreuen sich solche Geschäfte an grosser Beliebtheit. Wir waren zu Besuch bei drei Zürcher Second Hand Shops, die es noch nicht so lange gibt.

1. Elif Boutique

Im Secondhand-Shop an der Erismannstrasse gibt es neben Designermode aus zweiter Hand auch Vintage-Kleidung (Bilder: Michael Schallschmidt).

Der Kreis 4 gewann mit der Eröffnung von «Elif» einen neuen Secondhand Shop für Kleider. Seit dem 17. Juli dieses Jahres führt Daoud Adil das Geschäft an der Erismannstrasse 45. Bei der Leitung unterstützt ihn auch seine Partnerin Gioia Sonder, die im Backoffice tätig ist.

Gemeinsam für den Laden zu arbeiten, ist eine neue Erfahrung: «Manchmal kommt es schon zu Reibereien, da wir uns sowohl zuhause als auch im Laden sehen», sagt Adil. Aber zur Freude der beiden laufe das Geschäft besser als erwartet, auch wenn es während den Herbstferien etwas ruhiger gewesen sei. Elif versteht sich als Quartierladen, das Paar wohnt mit der gemeinsamen Tochter in der Nähe.

Daoud Adil, Inhaber von «Elif».

Ihren Shop haben Adil und Sonder nach ihrer Tochter benannt: «Der Schriftzug des Namens gefällt mir und ich finde ihn einfach schön», sagt der 34-Jährige. Die Idee kam ihnen bereits vor einigen Jahren: «Ich habe schon lange Kleider gesammelt und tue es auch heute noch», sagt Adil. So startete das Geschäft mit etwa 400 Kleidungsstücken, was an sich recht wenig sei, um damit einen Laden zu füllen.

Bei der Beschaffung von Secondhand-Kleidern arbeitet der Laden auch auf Kommission. Das heisst: Wer bei Adil Kleider vorbeibringt hat auch die Möglichkeit, einen Verkaufspreis abzumachen: «Wenn das Kleidungsstück zum veranschlagten Preis verkauft wurde, erhält die Person, die es gebracht hat, die Hälfte davon».

Sein Sortiment beschreibt Adil als «Querbeet». Von Vintage Markenkleidern wie zum Beispiel Yves Saint Laurent bis hin zu unbekannten Marken ist alles dabei. Zudem befinden sich auch viele Kleider aus den Sechziger-, Siebziger-, und Achtziger-Jahren im Sortiment.

2. rosa

Der Secondhand-Shop «rosa» verkauft Kleider für jung bis alt (Bild: rosa).

Seit Anfang September gibt es an der Stauffacherstrasse 119 gleich vis a vis der Bäckeranlage einen Secondhand-Laden, der ein Sortiment für die ganze Familie bietet. Gegründet wurde «rosa» gemeinsam von Sonja Kratzer und Laila Seiler, die seit fast 30 Jahren befreundet sind.

Dort verkaufen die beiden neben Kinderkleidern und Spielsachen auch Kleidung bis Grösse 176 für Teenager und Erwachsene. Hinzu kommen selbstgemachte Wolldecken und Kissen sowie ausgewählte Neuwaren.

Sonja Kratzer (links) und Laila Seiler in ihrem gemeinsamen Laden (Bild: Lesley Toal).

Den Namen ihres Geschäfts haben die beiden aus zwei Gründen gewählt. «Die Farbe Rosa in der Montessori-Pädagogik für die Zahl drei, weil in der Naturwissenschaft mit der drei eine neue Verbindung entsteht: Mutter, Vater und Kind», erklärt Seiler.

Darüber hinaus befand in dem Ladenlokal früher ein Fussballgeschäft: «Die Wände waren rosa gestrichen, wie die ersten Juventus-Trikots, bis der Club auf die bekannten weissen und schwarzen Streifen wechselte.»

Rosa versteht sich auch als eine Art Quartierplattform. So finden beispielsweise montags, wenn das Geschäft geschlossen ist, Yogakurse unter der Leitung einer Quartieranwohnerin statt. Geplant seien in Zukunft auch Lesungen oder Ausstellungen von Menschen aus der Nachbarschaft.

Dies sei aber noch in Entstehung, sagen die beiden: «Wir möchten offen lassen, wo rosa hinwächst.» Auch den Austausch zwischen Eltern und Kindern, der im Laden automatisch entstehe, schätzen die beiden sehr: «Wir beraten gerne bei Fragen rund um das Familienleben im Quartier und wissen auch, wo es ein Skelettkostüm gibt, wenn wir keins haben».

Mit ihrem Laden möchten Kratzer und Seiler der schnelllebigen Konsumwelt entgegenwirken: «Wir möchten den Dingen einen neuen Wert geben, Ressourcen und somit die Umwelt schonen sowie Material- und Arbeitsaufwand wertschätzen.»

3. Seconda

Der Secondhand-Shop von Carolina Misztella in Oerlikon (Bilder: Michael Schallschmidt)

An der Edisonstrasse 12 in Oerlikon führt Carolina Misztela das Secondhandgeschäft «Seconda», in dem sie Kleidung, Taschen und Schuhe aus zweiter Hand verkauft. Den Laden eröffnete sie im Oktober letzten Jahres und übernahm zu Beginn Neuwaren von ihrer Mutter, die ebenfalls ein Kleidergeschäft in Oerlikon führt.

Im Verlauf der Zeit nahm sie zusätzlich Secondhand-Kleider in ihr Sortiment auf. So verkauft sie seit Februar dieses Jahres nur noch Kleider und Accessoires aus zweiter Hand. «Die Kleider, die ich selbst trage, sind meistens auch Second Hand und ich wollte mit meinem Laden etwas ausprobieren, das mir selbst auch gefällt», erklärt die 25-Jährige.

Ihr Geschäft führt Misztela momentan noch allein.

Shopping liesse sich auf diese Weise besser mit einem nachhaltigen Lebensstil vereinbaren. Denn bei Secondhand-Kleidung könnten die Kund:innen mit einem ruhigeren Gewissen shoppen: «Man kann den eigenen Modegeschmack besser ausleben und eher etwas aus der eigenen Garderobe austauschen, ohne dabei viele Ressourcen zu verschwenden», sagt Misztela. Als mode- und gleichzeitig klimabewusste Person schätze sie dieses Konzept.

Das Sortiment ihres Ladens besteht momentan noch überwiegend aus Damen- und vereinzelt auch Herrenbekleidung. Ihr Ziel besteht jedoch darin, diese Kategorien aufzulösen, damit ihre Kund:innen unabhängiger einkaufen können: «Bei mir haben auch schon Männer Frauenkleider und Accessoires eingekauft.»

Momentan führt sie den Laden noch allein, weshalb er nur von Donnerstag bis Samstag geöffnet hat. Für das nächste Jahr plant sie jedoch, eine:n Mitarbeiter:in einzustellen, um an mehr Tagen geöffnet zu haben. Ihren Laden sieht sie als ein laufendes Projekt an: «Es ist sicher noch nicht alles perfekt, aber es wird jede Woche besser.»

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