Diese 10 Filme solltest du dir am ZFF anschauen

Der Weg zur Frau, Boston-Bombing und moderne Sklaverei: Dieses Jahr werden am Zürcher Film Festival überraschend viele herausragende Dokumentationen, Biopics und Geschichten gezeigt, die auf wahren Begebenheiten basieren.
25. September 2017

1. Schmerzhafter Neuanfang

Wie fühlt es sich an, wenn man beide Beine verliert und die ganze Welt darüber redet?

Jeff weiss es. Der junge Mann war fest entschlossen, seine Ex-Freundin Erin zurückzugewinnen. Dafür wollte er die ehrgeizige Läuferin am Ziel des Boston-Marathons mit einem selbstgemalten Plakat empfangen. Doch als er Erin das nächste Mal sieht, liegt er im Krankenhaus und erfährt, dass er durch einen Bombenanschlag beide Beine verloren hat. Der Film «Stronger», mit Jake Gyllenhaal in der Hauptrolle, zeichnet die erschütternde Geschichte von Jeff Bauman nach, dessen Foto von der Unfallstelle um die Welt ging.

2. Hohe Wellen

Als Patrick Jane trieb er seine Teamkolleg*innen in der Serie «The Mentalist» (2008-2015) zur Weissglut, um sie danach mit seinem Charme wieder um den Finger zu wickeln. Für das Coming-of-Age-Drama «Breath» stand Simon Baker (48) nun vor und hinter der Kamera. Die Kulisse des Films, der sich um zwei Jugendliche in den 1970er dreht, bildet Bakers Heimat ab – das Niemandsland West-Australiens. Und auch seine Rolle als Surf-Mentor der beiden Teenager kommt nicht von Ungefähr. Die Wellen vor den Küsten von New South Wales kennt der Schauspieler wie seine Westentasche. Denn hätte er nicht die Filmkarriere eingeschlagen, wäre er heute wohl Profisurfer.

3. Kampf der Geschlechter

Der Match vom 13. Mai 1973 ging in die Sportgeschichte ein: Der gealterte Tennisprofi Bobby Riggs (gespielt von Steve Carell) fordert die damals führende Tennisspielerin Billie Jean King (Emma Stone) unter dem Motto «Male chauvinist pig versus hairy legged feminist» zum Duell auf. So weit kommen konnte es, da sich King zuvor für eine gerechtere Verteilung der Preisgelder stark gemacht hatte. Für den machohaften Riggs ist daraufhin klar: Die Vorherrschaft des männlichen Geschlechts muss in aller Öffentlichkeit ein für alle Mal geklärt werden. Billie dahingegen muss fürchten, ihr ganzes Engagement mit einem einzigen falschen Schlag zunichtezumachen. Hinter der Rekonstruktion des Tennisspektakels – «The Battle of the Sexes» – stehen Jonathan Dayton und Valerie Faris, welche vor elf Jahren mit der Tragikomödie «Little Miss Sunshine» begeisterten.

4. Die Gentrifizierung bin ich

Gentrifizierung. Dieser Begriff sorgt derzeit für viele Schlagzeilen und rote Köpfe. Doch was bedeutet das überhaupt? Was ist noch zeitgemässe Wandlung und was geht schon unter Dichtestress? Wie steht es um Zürich? Und wie lebt es sich in Grossstädten wie São Paulo, Mexiko-Stadt oder Tiflis? Filmemacher Thomas Haemmerli nähert sich in seinem Film «Die Gentrifizierung bin ich: Beichte eines Finsterlings» der Stadtentwicklung aus einer autobiographischen Perspektive. Auf seine unbeschwerte Kindheit im Villenquartier Zürichberg, folgten eine kurze Karriere als Hausbesetzer und eine Yuppie-Wohnung in einem Zürcher Trendquartier bis er sich am Ende für ein Leben als Zweitwohnungsbesitzer in diversen Metropolen entschied.

5. Lachen auf Französisch

Briten und Brittinnen sind bekannt für ihren Schwarzen Humor, die Amis für ihre Vorliebe für vulgäre Sprüche und die Franzosen und Französinnen? Filme wie «Bienvenue chez les Ch’tis» oder «Monsieur Claude und seine Töchter» zeigen, dass es den Franzosen und Französinnen vor allem leicht fällt über ihre Schwächen zu lachen. So auch der Film «Intouchables», dessen französisches Regie-Duo, Olivier Nakache und Eric Toledano, nach sechs Jahren eine charmante Komödie namens «Le sens de la fête» folgen liessen. Darin geht es um Max, einen passionierten Hochzeitsplaner. Für ein perfektes Fest in einem prächtigen französischen Schloss aus dem 17. Jahrhundert hat er jeden Teller, jede Serviette und jeden Luftballon zwei Mal kontrolliert. Doch eine Reihe von Zwischenfällen stürzen die Traumhochzeit schnell ins perfekt inszenierte Chaos.

6. Aufstieg der Queer-Queen

Sie ist Verführerin, Diva, Partytier und die vielleicht grösste Queer-Ikone aller Zeiten. Seit dem Beginn ihrer rasanten Karriere als Model, Sängerin und Schauspielerin ist Grace Jones darauf bedacht, ihr öffentliches Image selbst zu bestimmen. Nun zeigt die Frau mit den vielen Gesichtern freiwillig, was sich noch hinter den zahlreichen Masken und Bühnen-Outfits verbirgt: Eine Tochter, Schwester, Mutter und Grossmutter. So ist die Kamera mit dabei, als Grace ihre Familie auf Jamaika besucht, im Studio sitzt und auf der Bühne steht. Die biografischen Elemente hat die britische Filmerin und Regisseurin Sophie Fiennes in «Grace Jones: Bloodlight and Bami» zu einer künstlerischen Montage verarbeitet.

Sprachen: Englisch, Französisch, Kreolisch/ Untertitel: Englisch, Deutsch

Spielzeiten: Do, 28.09.17, 18.00 Uhr, RiffRaff 1 – Sa, 30.09.17, 16.30 Uhr, Arena 7 – So, 01.10.17, 20.30 Uhr, RiffRaff 3

7. Nicht ohne meinen Bruder

Seit ihrer Geburt sind die Brüder Ben und Barnabas ein Herz und eine Seele. Was nicht selbstverständlich ist, denn der Jüngere, Barnabas, heute 22 Jahre alt, ist geistig auf dem Stand eines Kleinkindes, was ihm auch den Spitznamen «Simpel» einbrachte. Als die Mutter der beiden unerwartet stirbt, droht Simpel die Einweisung in ein Heim. Da beschliesst Tom den ewig nicht mehr gesehenen Vater in Hamburg aufzusuchen. Obwohl der Plot von «Simpel» etwas vorhersehbar ist, wurde die Tragikomödie dank dem guten Zusammenspiel der beiden Nachwuchstalente Frederick Lau (Ben) und David Kross (Simple) zu einem unterhaltsamen Roadmovie. Bekannt wurden die beiden durch diverse kleine Rollen in Filmen und Serien wie «Türkisch für Anfänger», «Traumfrauen», «Tatort» und als Synchronstimmen in den Zeichentrickfilmen «Rio» und «Zoomania».

8. Viel Peitsche und wenig Zuckerbrot

Damit sich hunderte von Sportler*innen aneinander messen und wir dies zu Hause vor dem Fernsehen beobachten können, müssen Stadien her. Um die Stadien zur Fussball-WM 2022 in Katar aus dem Bode zu stampfen, ist das Wüstenemirat auf hunderttausende Arbeiter angewiesen. Dafür wurden Männer in Nordafrika, Nepal und Indien – oft unter falschen Versprechungen – rekrutiert. Auf der Baustelle angekommen, haben sie wenig Möglichkeit der Arbeit, die sie unter menschenunwürdigen Bedingungen verrichten müssen, zu entkommen. Der Film «The Workers Cup» zeigt genau diese Menschen, die versuchen ihre Hoffnung zwischen Massenschlafplatz, Hitze, Schmerz und eigens für sie ins Leben gerufenem Fussballturnier nicht zu verlieren.

9. Es gibt kein zurück

«Wir können dir helfen, sobald wir das Einverständnis deines Ehemannes haben.» Diese Antwort wird die 19-jährige Sara noch einige Male hören, während sie mit ihrem Freund Hamed in einer kalten Winternacht in Teheran von einem Spital zum nächsten rast.

Wenige Stunden zuvor lagen sich die beiden noch in den Armen. Nun wissen sie, dass ihnen nur wenig Zeit bleibt, das Geschehene «rückgängig» zu machen. Doch für den gewünschten Eingriff fehlt den beiden das wichtigste: ein Eheschein. Während sich die beiden immer neue Ausreden einfallen lassen, damit ihre Eltern nichts von der Sache erfahren, beginnt ihr gegenseitiges Vertrauen zu bröckeln. Umgesetzt wurde das Drama «Disappearance» vom iranischen Regisseur Ali Asgari, der in Cannes bereits für eine goldene Palme nominiert wurde.

10. Wer bin ich?

Jacob ist Rettungssanitäter und lebt mit seiner Lebenspartnerin Sara in einem malerischen Städtchen nahe der Küste. Sein Halbbruder und Filmemacher Christian Sonderegger zeigt in seiner Doku «Coby», was vorher geschah. Denn 2010 war Jacob noch Susanna. Mit 23 teilte sie ihre Eltern mit, dass sie nun jener Mann werden wolle, den sie seit ihrem sechsten Lebensjahr zu sein wünscht. Der lange Weg der Verwandlung, der mit dem Tag der ersten Testosteron-Einnahme beginnt, hat Coby in einem Youtube-Tagebuch festgehalten. Diese Videosnippets hat Sonderegger mit Gesprächssequenzen und Alltagsaufnahmen zu einem intimen Portrait verarbeitet.

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