Die Zitrone ist zurück in Altstetten

Vor einem Jahr verschwand die Zwischennutzung Zitrone von Altstetten ins Seefeld. Seit ein paar Tagen ist sie wieder zurück am Stadtrand – direkt hinter dem Farbhof.
14. November 2016

Eigentlich waren wir nie wirklich weg gewesen. Als die Gebrauchsleihe an der Altstettener Bachmattstrasse vor genau einem Jahr auslief, fanden wir vom Verein Zitrone Unterschlupf an äusserst unerwarteter Stelle: Einem schönen Seefeld-Wohnhaus, in der zuvor Konservatorium-Studenten geprobt hatten. Kaum ein halbes Jahr ist seit unserem Einzug dort vergangen, da zeigen wir erneut Flagge im Kreis 9. Wie in den drei vorangegangen Inkarnationen liegt unser Haus auch diesmal an der Badenerstrasse. Mit jedem Umzug war das Stadtzentrum weiter in die Ferne gerückt, aber diesmal wurde es so richtig knapp. Der noch namenlose Ableger befindet sich hinter dem Farbhof, unmittelbar an der Stadtgrenze.

Im Parterre befindet sich eine Werkstatt, im ersten Stock teppichunterlegte Arbeitsräume und darüber ein ungeheizter Dachstock mit Warenliftanschluss. Der ideale Stilmix wurde auch dieses Mal als Gebrauchsleihe angeboten. Einst diente das Haus als Wäscherei und war zuletzt Hauptsitz einer Reinigungsfirma. Heute wird es von Bauprofilen belagert, doch für die nächsten sechs Monate wird es uns Zitronen ein zweites Zuhause sein. Die Ankündigung kam wie aus dem Nichts, so eine Gelegenheit darf man sich nicht entgehen lassen, erklären Mämä Sykora und Yves Sablonier vom Vorstand. Mit dieser Kurzfristigkeit gehen nämlich sehr zitronenfreundliche Konditionen einher: Selbstverwaltung und die Möglichkeit zu letzten Verschönerungen vor dem Abriss.

Die «Umeruechi»-Version der Zitrone
In diesen Tagen wird eine Infrastruktur hochgezogen, die allen Mitwirkenden zur freien Verfügung stehen soll. Geplant sind private Anlässe, Gemeinschaftsessen beispielsweise oder Kinoabende. Die restliche Fläche auf den verschachtelten Etagen wird wie immer von Bastlern, Künstlern und Kreativen in Beschlag genommen. Verlassene Bürowelten warten nur darauf, dass wir ihnen neues Leben einhauchen. Charakter besitzt das Haus bereits. Etwa sein verhexter Warenlift, den es wie magisch ins Untergeschoss zum einzigen Proberaum zieht. Ein halbes Jahr werden wir uns hier breitmachen, werden träumen, planen und verwirklichen. Dann soll die Liegenschaft Eigentumswohnungen weichen. Aber allmählich wissen wir, wie diese Dinge laufen. Vielleicht liegt ja trotzdem noch eine Verlängerung auf zwölf Monate drin. Es wäre nicht das erste Mal.

Das Tsüri-Maill: Kommt einmal in der Woche:

Welche Rubriken interessieren dich?

Kommentare

Willst du mitreden?

Wir kämpfen zusammen für mehr Diversität, Nachhaltigkeit, Gleichstellung und ein Zürich für alle. Als Tsüri-Member bestimmst du mit, worüber wir berichten und bist Teil von verschiedenen Formaten, die unsere Stadt bewegen.

Tsüri-Member werden
Einloggen und zurück zum Artikel
Weiterlesen