Die Vision von Stadträtin Claudia Nielsen (SP): «Cannabis muss legalisiert werden»

Elf Kandidat*innen haben realistische Chancen, am 4. März in die Zürcher Regierung gewählt zu werden. Für Tsüri.ch haben sie ihre Visionen für unsere Stadt formuliert. Heute mit Stadträtin Claudia Nielsen von der SP.
04. Februar 2018

Update: Claudia Nielsen hat ihre Kandidatur für den Stadtrat zurückgezogen.

Von meinem Schreibtisch aus sehe ich den Platzspitz. Vor zwei Jahrzehnten trug dieser den Namen «Needle Park». Das Ausmass des Elends in der damaligen offenen Drogenszene ist heute kaum mehr vorstellbar. Die Antwort des Staates auf dieses Problem war lange Repression. Bis die Junkies aufhören mit ihren Drogen! Doch sie hörten nicht auf.

Als Ausweg aus der Sackgasse erwies sich eine neue und vierte Säule in der Drogenpolitik – die Überlebenshilfe: Kontrollierte Heroinabgabe, medizinische und soziale Angebote, etwa die berühmten «Fixerstübli». Die Stadt Zürich gab damals nicht auf und zwang Bundesbern zu mehr Vernunft in der Drogenpolitik. Es war ein Kampf der Pragmatiker gegen die Ideologen. Und Zürich hat sich durchgesetzt, die Resultate sprechen für sich.

Heroin und Cannabis sind zwar nicht dasselbe, aber das Problem wiederholt sich. Zusammen mit anderen Städten versucht Zürich seit Jahren eine von Vernunft und Sachverstand geprägte Cannabis-Politik durchzusetzen. Die Mehrheit der Zürcherinnen und Zürcher hat schon mal gekifft, kifft gelegentlich oder regelmässig. Das ist die Realität. Doch statt die Realität anzuerkennen, schicken wir die Polizei los, um Bussen zu verteilen und Indoorplantagen aufzuspüren.

Wir dürfen Hanfkonsum nicht verteufeln, wir sollten ihn erforschen. Genau das wollen Zürich, Bern, Genf, Basel und andere Städte tun. Doch Bundesbern verbietet uns das. Dort wird nicht auf uns Städte gehört, es überwiegen die angestaubten Denkmustern der Landkantone: Ganz, ganz schlimm, dieses Kiffen.

Es ist Zeit, dass Zürich wieder eine Pionierrolle übernimmt und der Pragmatismus sich durchsetzt. Bei uns in den Städten definiert sich, wie wir als Gesellschaft künftig zusammenleben werden.

Mein Ruf nach Bern ist klar: Nicht Uri, Schwyz und Unterwalden haben uns vorzuschreiben, wie wir Politik machen! Wir müssen sie wieder selber bestimmen. Unser Ziel muss sein, das Genussmittel und Medikament Cannabis zu legalisieren. Wenns sein muss, schrei ich das auch Richtung Bern.

Claudia Nielsen, Vorsteherin des Gesundheits- und Umweltdepartement.

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