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Die Papikolumne: Der Frauen*streik betrifft uns alle!

Vater zu werden und zu sein, ist ein Abenteuer. Antoine Schnegg bezeichnet sich zwar nicht als Experten auf dem Gebiet, Vater ist er trotzdem geworden. In dieser Kolumne geht es um den kommenden Frauen*streik am 14. Juni 2019.
13. Juni 2019

Am Freitag ist Frauen*streik. Frauen* in der ganzen Schweiz sind dazu aufgerufen, ihre Arbeit niederzulegen und für Lohngleichheit, für bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie, gegen Diskriminierung, gegen Gewalt an Frauen*, gegen die ungleiche Verteilung von Care-Arbeit und viele weitere Anliegen zu demonstrieren.

Ich finde es sehr wichtig, wird für diese Anliegen demonstriert. Doch bin ich verunsichert und weiss nicht, ob ich auch auf die Strasse gehen soll. Schliesslich solidarisiere ich mit all den oben genannten Forderungen und bin der Ansicht, dass die feministische Perspektive zu einer meiner Handlungsmaximen gehört. Gerade als Familienvater wird einem die Rolle der Frau in der Gesellschaft vor Augen geführt. Jedoch ist sowohl in meinem Freundeskreis als auch in den Schweizer Medien eine gewisse Dissonanz zu vernehmen, wenn es darum geht, ob und wie Männer sich für den Streik einsetzen sollen.

Darf ich das schreiben?

Bevor ich mich ans Schreiben dieser Zeilen gemacht habe, habe ich mich in einer einschlägigen WhatsApp-Gruppe von Freund*innen erkundigt, welche Meinungen zum Frauen*streik und zu der Beteiligung von Männern vorherrschen. In dieser Gruppe sind Anwältinnen, Journalistinnen, Politikerinnen, Beraterinnen und grundsätzlich Frauen vertreten, die in meinen Augen durchaus zur intellektuellen Elite unseres Landes zu zählen sind und die mich regelmässig mit ihrem Schaffen beeindrucken. Erstens war ich erstaunt, was für eine intensive Diskussion (praktisch ausschliesslich von Frauen ausgehend) in dieser WhatsApp-Gruppe entstand und zweitens, wie die Meinungen zu obiger Frage auseinandergingen. Die Männer hielten sich in der Diskussion eher zurück.

Das Spektrum von Meinungen ging von «Männer haben an der Demo nichts zu suchen, geschweige denn über die Teilnahme von Männer zu schreiben» bis hin zu «Alle sollen an der Demo teilnehmen, denn diese geht auch die Männer an».

Vielleicht war ich etwas selbstverblendet an die Sache herangegangen und hatte Lob oder Bestätigung für meine Idee erwartet, etwas zum Frauen*streik oder zur Frauen*demo zu schreiben. Was dann folgte, war ein reality check. Niemand hat auf meine Zeilen gewartet – und vielleicht musste ich das begreifen. Natürlich lasse ich mir von niemandem vorschreiben, was ich schreibe, sehe aber ein, dass das Thema der Männerbeteiligung am Frauen*streik nun wirklich nicht zentral ist. Dass ich jedoch von Männern gehört habe, die gerne mitdemonstrieren würden aber Angst haben, an der Demo als Zielscheibe von wütenden Frauen* zu werden oder von Männern, denen aufgrund ihres Geschlechts kein Flyer zum Frauen*streik ausgehändigt wurde, stimmt mich nachdenklich. Der Umstand, dass ich mich tagelang mit der Frage auseinandergesetzt habe, ob ich mich zum Frauen*streik äussern soll oder darf, verstärkt dieses Gefühl.

Doch vielleicht muss der Frauen*streik bei uns Männern genau diese Reaktion hervorrufen. Vielleicht müssen wir aus unserer gedanklichen Comfort Zone geschubst werden.

Was Mann tun soll

Das heisst jetzt aber nicht, dass wir Männer am Frauen*streik nichts tun sollen. Während gewisse Politikerinnen und Gewerkschafterinnen plakativ von uns verlangen, Büro-WCs zu putzen, gibt es z.B. hier durchaus hilfreiche Tipps. Es gibt übrigens auch viele Komitees von solidarischen Männern, welche v.a. im Hintergrund Frauen* beim Streik und der Demo unterstützen. Eine einfache Googlesuche hilft da weiter. Du kannst dich aber auch gleich hier melden und dich hier schlau machen.

Ich werde am 14. Juni L. hüten. Wahrscheinlich zusammen mit anderen Vätern. Gerne würde ich mehr für diesen Tag machen, kann aber verstehen, dass mein Engagement an der Demo vielleicht nicht erwünscht ist. Wir werden vermutlich einen Grossteil des Tages auf der Bäckeranlage oder Josefswiese verbringen, das Wetter soll prächtig werden. Ich werde in meinem gelben Cargobike kühles Bier und andere Getränke sowie Snacks für ausgehungerte Streikerinnen* transportieren. Frau* darf mich gerne anhauen. Das ist das Mindeste, was ich an diesem Tag tun kann.

Feministischer Streik

Auf Französisch heisst der Frauen*streik «grève féministe» und ist in meinen Augen solidarischer mit allen Menschen, also auch mit trans-Menschen und intersexuellen Personen oder eben auch Männern. Als Mann könnte ich problemlos an einer feministischen Demo mit L. mitlaufen. Es bleibt jedoch zu hoffen, dass die Anliegen des Frauen*streiks auch nach diesem präsent bleiben und insbesondere über die Wahlen im Herbst hinweg gelebt werden. Ich werde mein Bestes versuchen, alles dafür zu tun.

Ich wünsche allen Frauen* einen tollen Streiktag am 14. Juni!

Titelbild: Der Frauen*streik ist überall! Auch im tiefen Appenzell. (Antoine Schnegg)

Antoine Schnegg
Antoine Schnegg ist 34 Jahre alt und arbeitet als Bürogummi in Zürich. Mit seiner Partnerin und seinem Sohn, der 2017 auf die Welt kam, wohnt er in Wipkingen. Beide Elternteile arbeiten 80-Stellenprozent. Für Tsüri.ch berichtet er als freier Kolumnist aus seinem Leben als Familienvater.

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