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Die Papikolumne – Familienurlaub in Portugal oder: A Vida é Super!

Vater zu werden und zu sein, ist ein Abenteuer. Antoine Schnegg bezeichnet sich zwar nicht als Experten auf dem Gebiet, Vater ist er trotzdem geworden. In dieser Kolumne geht es um den Familienurlaub und warum dieser so wichtig ist.
19. Mai 2019

Meine Kindheitserinnerungen an Familienferien sind geprägt von langen Autofahrten durch Frankreich, Spanien aber auch durch die Wüste Nevadas. Auf dem Schoss meines Vaters durfte ich als Fünfjähriger zum ersten Mal ein Auto steuern. Zum Glück sind die Strassen im Death Valley kerzengerade. Als Teenager fand ich dann Ferien mit der Familie ziemlich doof. Aber als Teenager fand ich so ziemlich alles doof, was mit meiner Familie zu tun hatte. Nun sind wir aus unseren ersten vierwöchigen Ferien zu dritt zurückgekommen, und ich bin von Familienferien begeistert.

Wir sind weg!

Im Frühjahr machten sich bei mir akute Erschöpfungstendenzen bemerkbar. Ich arbeitete sehr viel, hatte nebenbei noch verschiedene Projekte am Laufen und das Gefühl, zu wenig Zeit mit meiner Partnerin und meinem Sohn L. zu verbringen. Als meine Partnerin mir vorschlug, vier Wochen zu dritt wegzufahren, ich war anfangs skeptisch – ob mein Arbeitgeber das mitmacht, ob ich meine eigene Familie überhaupt vier Wochen lang so intensiv um mich haben möchte und ob ich mich dabei entspannen kann. Im Nachhinein ist man immer schlauer: Die letzten vier Wochen waren grossartig!

Mein Arbeitgeber machte (widerwillig) mit und wir entschieden uns, der Kälte zu entfliehen und Ferien in Portugal zu machen. Habe ich in einem früheren Beitrag darüber berichtet, wie wichtig Ferien ohne Kinder für eine Paarbeziehung sein können, wird mir jetzt bewusst, wie stark uns die letzten vier Wochen als Familie zusammengeschweisst haben.

Neuer Rhythmus

Das Schöne an südlichen Ländern ist nicht nur die Wärme, sondern auch der Lebensrhythmus der Menschen. Kaum waren wir in Portugal angekommen, passten wir uns an und planten morgens tatsächlich etwas anzuschauen, nach dem Mittagessen lange zu schlafen, nach der Siesta erstmal Eis und Apéro für die Eltern und abends richtig spät und ausgiebig zu essen. Ich bin überzeugt, dass dies ein viel natürlicherer Rhythmus für den Menschen ist als wie wir ihn in der Schweiz pflegen: L. hatte sich im Nu angepasst und auch ich war körperlich und seelisch schnell erholt und merklich besser gelaunt.

Antoine und sein Sohn L. zielstrebig auf eine Bar zulaufend

Ich kannte das Land vorher nicht, bin nun aber begeistert. Portugal hat nicht nur wunderschöne und wilde Landschaften zu bieten, sondern auch spannende Städte. Ausserdem sind die Menschen unglaublich freundlich und sehr kontaktfreudig. Zum Glück spricht meine Partnerin fliessend Portugiesisch (allerdings die brasilianische Variante, was manchmal zu lustigen Dialogen führte), sodass wir uns tatsächlich auch mit ihnen austauschen konnten. L. lernte schnell die wichtigsten Grussformeln und schäkerte mit den Portugiesen um die Wette. Auf Zug- und Busfahrten schenkten uns die Leute kleine Snacks für L.
In Restaurants bekam er unaufgefordert Leckereien serviert. So herzliche und kinderfreundliche Menschen habe ich selten erlebt. Und L. hat herausgefunden, dass er Kalbszunge heiss liebt, was uns doch etwas erstaunt hat.

Was ist mir wichtig?

Das wichtigste an dieser Reise war für mich jedoch, viel Zeit mit L. zu verbringen, mit ihm Dinge anzuschauen und für ihn da zu sein. Mir fiel auf, dass ich schon lange nicht mehr ausgiebig mit ihm gespielt, ein Bild mit ihm gemalt oder ihm eine Geschichte erzählt hatte. L. genoss es sehr, dass meine Partnerin und ich beide nun sehr viel Zeit für ihn hatten. Und wir hatten überhaupt keinen Zeitdruck oder Stress, sodass wir als Eltern viel davon profitieren konnten.

Auch lange Gespräche mit meiner Partnerin führen zu können, gemütlich zu frühstücken um dann spontan zu entscheiden, wie wir den Tag verbringen wollten, haben dazu beigetragen, dass ich völlig erholt zurück in den kalten Zürcher Frühling springen konnte.

Als Familie haben wir uns gegenseitig neu kennengelernt und sind zu einer starken Einheit, welche aber Raum für Individuen zulässt, zusammengewachsen. Diese Erfahrung ist für mich sehr wertvoll.

Von diesem Zustand werde ich sicher lange zehren können, mir ist jedoch bewusst, dass ich aufpassen muss, mich nicht wieder dorthin zu begeben, wo ich körperlich und seelisch vor den Ferien war. Ich nehme mir vor, ein paar Dinge in meinem Leben zu ändern und gewisse Sachen entspannter anzugehen. Werde ich in Zukunft wieder für vier Wochen mit meiner Familie in die Ferien? Auf jeden Fall. Falls ihr also Ideen habt, wo wir hin sollen: Her damit!

Antoine Schnegg
Antoine Schnegg ist 34 Jahre alt und arbeitet als Bürogummi in Zürich. Mit seiner Partnerin und seinem Sohn, der 2017 auf die Welt kam, wohnt er in Wipkingen. Beide Elternteile arbeiten 80-Stellenprozent. Für Tsüri.ch berichtet er als freier Kolumnist aus seinem Leben als Familienvater.

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